Nie waren 28 PS geiler!

Zero DS: Elektro-Motorrad im Test

Die Zero DS mit 21 Kilowatt Leistung darf man schon mit A2-Führerschein fahren. Wer den Test auf dem Elektro-Motorrad macht, will mehr davon. Viel, viel mehr!

Datum:
Zero DS mit 21 KW im Test

Das perfekte Pendler-Motorrad: Mit 28 (elektrischen) PS geht's flott ins Büro – und wieder nach Hause.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Die Zero DS verändert den Blick aufs Zweiradfahren: Elektromotoren und Motorräder passen extrem gut zusammen. Fahrdynamik und Umweltfreundlichkeit schließen sich nicht aus. Die DS ist das perfekte Pendler-Motorrad. Der einzige große Kritikpunkt ist der hohe Preis.

Pro

  • Klasse Fahrleistungen
  • Praktische Ablagen
  • Leise und umweltfreundlich
  • Fahrmodus-Einstellung mit App-Erweiterung

Kontra

  • Kleiner Lenkeinschlag
  • Ladekabel nicht manipulationsfrei
  • Hoher Preis
Es gibt nicht viele Zweiräder, die so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie ein Ferrari. Meist sind sie laut. Oder riesig. Oder haben einen Hochlenker. Dieses Motorrad ist nichts davon. Bis auf seinen orangefarbenen Anstrich ist es sogar ziemlich unscheinbar. Es sieht aus wie jede x-beliebige Enduro, orientiert sich (nicht nur wegen dem Orange) optisch an einer KTM. Die Zero DS fährt elektrisch, und nie hat ein Motorrad mit 28 PS mehr Spaß gemacht.

Wer ist eigentlich Zero?

Zero kommt aus Santa Cruz in Kalifornien, keine Autostunde von Teslas Autowerk entfernt. Wie der revolutionäre Autobauer hat auch Zero die Vision vom rein elektrischen Fahren. Die Firma gibt es seit elf Jahren! Der Sprung nach Europa ist schon 2009 erfolgt. Trotzdem weiß kaum jemand, was eine Zero DS ist. Zu Unrecht! 28 PS hat das getestete Modell mit 13 Kilowattstunden fassendem Akku. Der sitzt tief unter dem Sitz. Die Reichweite beträgt laut Hersteller bis zu 237 Kilometer, im Test waren es rund 150 – bei sportlicher Fahrweise.
Zero DS im Test Video abspielen

Surren statt Knattern und Benzingeruch? Elektro-Motorräder machen richtig viel Spaß! Das beweist die Zero DS mit 28 PS im Test.

Wie fährt sich die Zero DS?

Mit 187 Kilogramm ist die Zero DS kein Leichtgewicht. Das Rangieren ist deshalb relativ schwer, nicht zuletzt auch wegen des extrem geringen Lenkeinschlags. Ok, Rangieren ist nicht ihre Stärke. Die Zero DS ist eine Enduro mit profilierten Reifen. Trotzdem ist sie eher für den Großstadtdschungel geeignet, obwohl die Zero DS auch leichte Ausflüge auf unbefestigten Straßen locker absolviert. Auf der Straße zaubert sie jedem noch so knurrigen Feind der Elektromobilität ein Lächeln ins Gesicht: Auf trockener Fahrbahn sind 100 km/h in rund vier Sekunden erreicht. Überholmanöver zwischen 60 und 100 km/h machen noch mehr Spaß, denn dann mobilisiert die DS kurzfristig bis zu 60 PS. Die Leistung steht unmittelbar voll zur Verfügung, dem E-Antrieb sei Dank. Wer auf die Bremse steigt, bekommt Unterstützung von einem ABS-System aus dem Hause Bosch. Ob beim Bremsen, zügigen Lastwechseln und selbst bei Fehlverhalten des Sozius beweist das Elektro-Motorrad nicht zuletzt dank des niedrigen Schwerpunkts eine faszinierende Spurstabilität. Zu keinem Zeitpunkt ist sie aus der Ruhe zu bringen.
Zero DS

Die macht eine gute Figur: Die Zero DS sieht nicht nur aus wie eine Enduro.

Drei Modi für ein Halleluja

Per Mode-Schalter am rechten Lenkergriff wechseln DS-Fahrer zwischen einem Eco-, einem Sport- und dem Custom-Modus. Der Eco-Modus geht zahm ans Werk, ist perfekt für regennasse Fahrbahnen und entspanntes Cruisen. Er reicht auch allemal für häufige Ampelstopps und -starts. Im Sportmodus bricht die Hölle los. Das Gefühl ist berauschend, macht unglaublich süchtig. Der Custom-Modus erlaubt es Zero-Fahrern per Bluetooth und der passenden App fürs iPhone oder Android-Smartphones selbst Einstellungen vorzunehmen, die Spitzengeschwindigkeit zu limitieren (warum?) oder eine stärkere Rekuperation auszuwählen. Denn: Im Sportmodus erzeugt die DS kaum Schleppmoment, um die Batterien beim Ausrollen wieder aufzuladen. Wer sie vor allem in der Stadt fährt, sollte die Rekuperation erhöhen und sich zum Ziel setzen, die Bremsen kaum noch zu verwenden, um den Akku möglichst häufig zu laden.

Galerie: Mit der Zero DS auf Probefahrt

Wo lade ich die Zero auf?

Wenn der Saft dann doch mal ausgeht, muss die Zero nicht etwa an eine Ladestation für Elektroautos. Stattdessen ist ein Kaltgeräte-Ladekabel im Lieferumfang, das sich im Handschuhfach befindet. Das sitzt dort, wo konventionelle Motorräder den Tank haben, also zwischen den Oberschenkeln des Fahrers. Grundsätzlich laden DS-Fahrer ihr Bike in rund 9 Stunden von 0 auf 100 Prozent am Haushaltsstrom auf. Das ist zwar nicht schnell, reicht aber fürs Laden über Nacht oder im Büro locker aus. Schade: Es gibt keinen Mechanismus gegen Manipulation. Wer es böse meint, steckt das Kabel einfach aus oder klaut es sogar im schlimmsten Fall. Statt des Handschuhfachs kann die Zero DS übrigens noch einen weiteren Akku an Bord haben. Die zusätzliche Reichweite von rund 20 Prozent öffnet dann den Weg für etwas größere Touren.
Tacho-Display

Volldigitaler Tacho: Gibt Auskunft über Stromverbrauch, Rekuperation und mehr.

Zero DS Video abspielen

Die Elektro-Enduro Zero DS macht auch auf unbefestigten Wegen enorm Spaß und vermittelt eine neue Art von Geländefahrt ohne Krach.

Und was ist mit dem Sound?

Ist es nicht total doof, dass man da nichts hört? Nein. Erstens ist sehr wohl etwas zu hören, nämlich das energische Surren des Permanentmagnetmotors bei starker Beschleunigung (gut zu hören hier am Ende des Videos). Und zweitens zieht die (fast) lautlose DS derart viel Aufmerksamkeit auf sich, dass selbst Harley-Fahrer Interesse bekunden. Besonders groß war die Freude, als wir das Geräusch entschlüsselt hatten, was die DS macht, wenn man sie ein Stück schiebt: „Das klingt wie ein langsam knetender Thermomix!”

Was kostet die Zero DS?

Rund 16.000 Euro sind wirklich alles andere als ein Pappenstiel für dieses Motorrad. Eigenen Aussagen zufolge ist Zero Motorcycles aber bereits in Gesprächen mit der Bundesregierung, bei denen über den Umweltbonus diskutiert wird. Den gibt es aktuell nur für Elektroautos, obwohl die bis zu 4.000 Euro Unterstützung da nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein wären. Bei einem 16.000 Euro teuren Motorrad sieht das ganz anders aus. Übrigens: Das Motorrad kommt mit zwei Jahren Herstellergarantie, hat aber getrennt davon 5 Jahre Akku-Garantie.

von

COMPUTER BILD-Redakteur. Verantwortlich für die Bereiche Connected Car und eHome.