Gefährliche Pedelecs?

Tödliche Unfälle mit eBikes nehmen zu

Der eBike-Trend hält ungebrochen an. Wie nicht anders zu erwarten, steigen aber auch die Unfallzahlen, in die Pedelecs verwickelt sind.

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Unfälle mit eBikes

Im Straßenverkehr ziehen Radfahrer häufig den Kürzeren, das gilt auch für eBike-Pedaleure.

Der Anteil von eBikes im Fahrradmarkt legt kontinuierlich zu. Die Verkaufszahlen stiegen, laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), von rund 535.000 in 2015 über mehr als 605.000 in 2016 auf rund 700.000 im Jahr 2017. Mit der zunehmenden Verbreitung steigt leider auch die Zahl der Unfälle mit Elektrofahrradbeteiligung. Von Januar bis September 2017 wurden rund 4.300 Unfälle mit Personenschäden gezählt. Laut Unfallbericht des Statistischen Bundesamtes waren das 28 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Fast doppelt so viel Todesfälle

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind 2017 bis September bei Unfällen 55 Pedelec-Fahrer ums Leben gekommen. Aufs ganze Jahr betrachtet dürfte die Zahl der Toten voraussichtlich etwa doppelt so hoch sein wie 2014. Im ersten Jahr der Erfassung von Pedelec-Unfällen durch das Statistische Bundesamt zählte man 39 Todesopfer. Insbesondere Senioren sind demnach überdurchschnittlich oft an Pedelec-Unfällen beteiligt, so Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Gerade ältere Verkehrsteilnehmer greifen immer häufiger zu Rädern mit zusätzlichem Elektromotor. Ist man aber längere Zeit nicht mehr Rad gefahren, sind Antriebs- und Bremsverhalten der Pedelecs sehr gewöhnungsbedürftig. Und der deutliche Schub, mit dem die Elektromotoren den Fahrer unterstützen, kann auch zu Selbstüberschätzung in kritischen Verkehrssituationen führen. Grundsätzlich sei der Anstieg der Unfallzahlen aber durch die steigende Zahl dieser eBikes zu erklären, sagte ADFC-Sprecherin Stephanie Krone.
Und ein genauer Blick auf die Unfallstatistik zeigt zudem, das Elektroräder noch eine untergeordnete Rolle im Vergleich zu Fahrrädern ohne unterstützenden Antrieb spielen. In der gemeinsamen Statistik der Rad- und Pedelecfahrer entfallen auf einen getöteten eBike-Fahrer immer noch fast sechs tödlich verunglückte Fahrer herkömmlicher Räder.

Hauptursachen: Hohe Geschwindigkeiten und illegales Tuning

Neben dem ungewohnten Schub, dem nicht immer optimalen Bremsverhalten der eBikes, hat der Unfallforscher Siegfried Brockmann, eine stetig steigende Zahl an getunten Pedelcs ausgemacht. Die Räder können dann schneller fahren als die erlaubten 25 Stundenkilometer. Dazu manipulieren Pedelec-Besitzer die Software der Räder, damit der Motor auch nach Erreichen der 25-km/h-Grenze weiterläuft. Das illegale Tuning mag zwar den Geschwindigkeitsrausch erhöhen, es erhöht aber auch das Unfallrisiko.

Begriffsklärung: Elektrorad-Typen

In den meisten Artikeln werden die Begriffe „Pedelec” und „eBike” synonym verwand. Tatsächlich unterteilt mal Elektrofahrräder in drei Klassen: Da wäre zunächst das Pedelec (Pedal Electric Cycle). Dieses unterstützt den Fahrer mit einem Elektromotor bis maximal 250 Watt, während des Tretens und nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Wem dieses Tempo nicht ausreicht, ist auf die eigene Beinkraft angewiesen. Der Unterstützungsgrad lässt sich in mehreren Stufen einstellen und ist abhängig von der Pedalkraft oder der Trittfrequenz des Fahrers. Ein Kennzeichen-, Helm- oder Zulassungspflicht besteht für Pedelecs nicht. Auch eine Altersbeschränkung existiert nicht. Ein zweiter Typ ist das S-Pedelec (Speed-Pedelec). Sie zählen nicht mehr zu den Fahrrädern, sondern zu den Kleinkrafträdern. Die S-Klasse funktioniert zwar wie ein Pedelec, aber die Motorunterstützung wird erst bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h abgeschaltet. Die maximal erlaubte Nenn-Dauerleistung der Motoren liegt bei 4000 Watt. S-Pedelecs erfordern eine Betriebserlaubnis beziehungsweise eine Einzelzulassung des Herstellers vom Kraftfahrtbundesamt (KBA). Es braucht ein Versicherungskennzeichen und der Fahrer muss mindestens 16 Jahre alt und in Besitz einer Fahrerlaubnis der Klasse AM sein. Es besteht Helmpflicht. In die dritte Klasse fallen die eBikes. Sie sind mit eigentlich Elektromofas und lassen sich mit Hilfe des Elektroantriebs durch einen Drehgriff oder Schaltknopf fahren, auch ohne dabei in die Pedale zu treten. Wird die Motorleistung von 1000 Watt und eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 25 km/h nicht überschritten, gelten diese Fahrzeuge als Kleinkraftrad. Auch sind Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und eine Mofa-Prüfbescheinigung zum Fahren notwendig. Ein Motorradhelm ist Pflicht.