Zwei Stromer-Bikes ausprobiert

Praxis-Test: Stromer ST1 X und Stromer ST2 S

Stromer will als hochwertige Edelmarke im eBike-Markt überzeugen. Wir haben zwei aktuelle Geräte ausprobiert und verraten, was sie können.

Datum:
Stromer ST1 X, Stromer ST2 S

Das orangene Stromer ST1 X gibt es als 25- und 45-km/h-Variante. Die Stromer-Luxusversion ST2 S kostet stolze 9000 Euro.

Das, was Audi, BMW und Mercedes für die automobile Welt sind, will Stromer gern unter den eBike-Anbietern sein: eine Premiummarke mit faszinierenden Produkten. Das Schweizer Unternehmen startete 2009 mit dem V1. Das Pedelec der 45-km/h-Klasse machte die Marke schnell als innovativen Elektroradhersteller bekannt. Bis jetzt hat sich Stromer auf die schnellen Pedelecs konzentriert, doch mit dem zu Jahresbeginn eingeführten ST1 X als 45er-Pedelec bietet der eBike-Spezialist das Rad auch in einer weitgehend identischen 25-km/h-Version an. Vorteil: Das „Slow-Stromer“ darf ohne Helm, Führerschein und Versicherungskennzeichen gefahren werden. Und trifft auf einen rasant wachsenden Markt: Weit über 90 Prozent der in Deutschland verkauften Elektrofahrräder sind Pedelecs 25, die schnelleren Modelle dagegen Exoten.

Technische Daten: Stromer ST1 X

Motor

500-Watt-Cyno-Drive-Hinterrad-Nabenmotor

Schaltung

Shimano-SLX-11-Gang-Kettenschaltung

Bremsen

Tektro Dorado

Reifen

Schwalbe Big Ben 26 x 2,15

Gabel

Aluminium

Gewicht

28,3 Kilogramm

Preis

4990 Euro

Mehr Vernetzungstechnik findet man kaum

Digitale Elemente

Klare Linie: Die digitalen Elemente präsentieren sich klassisch und zurückhaltend.

Stromer ST1X Video abspielen

5.000 Euro für ein eBike – das ist eine Ansage, aber nicht völlig unrealistisch. Vorausgesetzt, das Angebot stimmt. Wie sieht das beim Stromer ST1X aus?

Der erste Fahreindruck überzeugt. Wirkt die elektrische Unterstützung nur beim Anfahren zunächst etwas verhalten, schiebt der auf 250 Watt Dauernennleistung begrenzte Hinterrad-Nabenmotor ab fünf km/h Bike und Fahrer kräftig nach vorn. Und zwar so kräftig, dass der Spaß schon nach wenigen Sekunden wieder vorbei ist, weil das ST1 X die Abregelgeschwindigkeit erreicht hat. Die Spitzenleistung des fast lautlosen Motors dürfte darum deutlich höher liegen; Angaben dazu macht der Hersteller nicht.Die Antriebscharakteristik bezieht sich aber eindeutig auf das e im Begriff eBike; vor allem in der höchsten Unterstützungsstufe ist der Stromer mehr modernes Elektromobil als traditionelles Fahrrad. Angesichts der großen Schubkraft wächst schnell der Wunsch nach mehr Tempo. Doch jenseits der 25-km/h-Marke ist das fast 30 Kilo schwere ST1 X kaum mehr zu überreden, weiter Tempo aufzunehmen. Die 45er-Variante wirkt darum attraktiver, zumal sie mit 4990 Euro genauso viel kostet wie die runtergeregelte Version. Damit diese echte Marktchancen hätte, müsste es spürbar billiger angeboten werden. Nicht nur beim druckvollen Fahrgefühl setzt das Stromer Maßstäbe, sondern auch bei Bedienung und Vernetzung. In beiden Varianten verfügt das ST1 X über ein ins Oberrohr integriertes Display mit großem Funktionsumfang. Dazu lassen sich Leistungscharakteristik und andere Funktionen per Smartphone-App steuern. Außerdem sind GPS-Sender sowie SIM-Karte im ST1 X verbaut. Bei Diebstahl lässt sich das Bike nicht nur orten, sondern auch der Antrieb blockieren. Mehr Vernetzungstechnik bietet momentan kaum ein anderes Serien-Bike. Und das Beste daran: Die Kosten für die SIM-Karte übernimmt Stromer. Großzügig?

Technische Daten: Stromer ST2 S

Motor

500-Watt-Syno-Drive-Hinterrad-Nabenmotor

Schaltung

Shimano-XTR-Di2-11-Gang-Kettenschaltung

Bremsen

Magura MT Next e/MT5

Reifen

Continental Top Contact II 26 bx 2.0

Gabel

Carbon

Gewicht

28 Kilogramm

Preis

8990 Euro

Scheibenbremsen

Scheibenbremsen lassen sich auch bei Nässe gut dosieren.

Premium-Fahrrad zum Kleinwagenpreis

Nun ja, Premium kostet. Im Falle des Topmodells ST2 S sogar so viel wie ein neuer Kleinwagen. 8990 Euro sind für ein elektrifiziertes Zweirad schon eine stolze Summe, die die Stückzahlen des Luxusbikes überschaubar hält. Anders als im ST1 X kommt eine Carbon- statt Alugabel zum Einsatz, geschaltet wird elektronisch mit der XTR Di2 von Shimano. Dazu kommen hochwertige Magura-Bremsen und eine Supernova-Beleuchtungsanlage. Optisch setzt das teure Bike aber voll auf Understatement und ist nur von Kennern von den günstigeren Modellen zu unterscheiden. Am anderen Ende der Preisskala bietet Stromer als Basismodell das ST1 an; das gibt es nur in Schwarz und ohne die Vernetzungsfunktionen. Der Preis: 3990 Euro. Egal ob Basis- oder Spitzenmodell, alle Stromer-Bikes rollen auf 26 Zoll großen Breitreifen. Die sollte man übrigens nicht zu stramm aufpumpen. Sonst federt das eBike mit der starren Gabel eher ruppig über Absätze und Unebenheiten. Weniger Luftdruck verbessert den Abrollkomfort deutlich. Alle Stromer-Modelle gibt es in drei Rahmengrößen zwischen 17 bis 22 Zoll, ST1 X und ST2 dazu in einer Comfort-Geometrie mit stärker abfallendem Oberrohr.