Was taugt die Einsteiger-Klasse?

Pedelecs im Vergleich: 10 eBikes im Test

Fahren mit Motor macht Spaß! Aber was bekommt der Käufer für sein Geld? BIKE BILD hat zehn Elektroräder bis 2500 Euro getestet – das Schnäppchen aus dem Baumarkt ebenso wie die E-Räder der Premiummarken. Mit überraschenden Ergebnissen.

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Pedelecs im Test

Verführer auf zwei Rädern: Radfahren mit Motor macht Spaß und schnell süchtig. Dafür müssen Technik und Komfort stimmen.

Pedelecs sind die Verkaufsschlager der Fahrradbranche. Das Elektrorad entwickelt sich zu einem Trendgefährt, das in der Stadt oft schneller ist als das Auto und damit immer populärer wird. Günstige Modelle gibt es bereits für 800 Euro. Aber unser Test zeigt: Erst ab etwa 2000 Euro ist die Qualität der Testräder auf einem vernünftigen Niveau. BIKE BILD hat zehn Pedelecs bis 2500 Euro geprüft, darunter auch ein reduziertes Vorjahresmodell von Cannondale und ein Baumarkt-Bike von Obi. Beide Räder sorgten für Überraschungen. Zweites Discount-Modell im Test war das Prophete, das vom Otto-Versand vertrieben wird. Schnell zeigte sich: Wer billig kauft, muss mit müfligen Fahreigenschaften und mangelhaften Bremsen rechnen.

Betriebskosten

Neben Design, Fahrspaß, Antrieb, Antriebsgeräuschen, Bremsen und Fahrstabilität haben wir auch Akku- und Betriebskosten beleuchtet. Der Akku ist ein wichtiger Kostenfaktor. Aktuelle Modelle schaffen laut Hersteller rund 1000 Ladezyklen. Ersatz kostet 400 bis 700 Euro, bei Garantiezeiten von 6 bis 24 Monaten. Wer ein Pedelec kaufen will, sollte sich gut informieren. Unser großer Test bietet faktenreiche Orientierung und trennt die Spreu vom Weizen.

Galerie: Pedelecs: 10 eBikes im Test

Schwache Bremsen: Die waren nicht zu halten

Böse Überraschung auf dem Bremsenprüfstand: Besonders das Llobe von Obi schwächelte bei der Fahrstabiliät und den Verzögerungswerten. Mit den schlechten Bremsen steht es aber nicht allein da. Gleich vier Testkandidaten sind beim Bremsentest durchgefallen. Llobe, Prophete und Kalkhoff fielen durch. Die Pedelecs schafften es nicht, die nach der DIN-Norm 4210 erforderliche Verzögerungsprüfung zu bestehen. Das bedeutet null Punkte im wichtigen Sicherheitskapitel.

Das sagen die Hersteller zu den schlechten Bremstests

Nach dem Test hat BIKE BILD die betroffenen Hersteller zu einem Round-Table-Gespräch versammelt und die Probleme mit ihnen erörtert. Daraufhin führten sie alle und der Bremsenzulieferer Magura diverse Nachtests durch. Im Fall Kalkhoff bestätigte sich das schlechte Ergebnis. Die Vorderrad-Felgenbremse von Magura verzögerte bei Nässe nicht ausreichend, obwohl das Kalkhoff Sahel den Test vor ein paar Jahren problemlos schaffte. Grund ist hier die offenbar wechselnde Qualität der Bremsbeläge. Beim Rad von Llobe wirft der Test kein gutes Licht auf die Zertifizierungspraxis in der Bikebranche. So wurde das über die Baumarktkette Obi verkaufte Bike durch den TÜV Süd am Standort Hongkong geprüft. Auch beim Nachtest bestand das Llobe. Wie kann das sein?

Mögliche Erklärung

Der TÜV führt den Test in Asien auf der Strafle durch und wendet eine Stoppbremsung an, während BIKE BILD-Partner Velotech auf die Schleppbremsung setzt. Gleiches Problem auch beim Prophete: durchgefallen im Velotech-Labor, bestanden bei Hansecontrol in Hamburg, wo Prophete routinemößig prüfen lässt und ebenfalls die Stoppbremsung Anwendung findet. Da keine einheitliche Messmethode vorgeschrieben ist, kann die DIN-Norm auf unterschiedliche Art und Weise erfällt werden – aber optimal ist das nicht. Immerhin lässt Prophete seine Fahrräder bei deutschen Prüflaboren untersuchen, da große Handelspartner wie Verbrauchermärkte keine ausländischen Testzertifikate akzeptieren.

Große Qualitätsunterschiede

Der BIKE BILD-Test belegt: Im boomenden Segment der Pedelecs gibt es nicht nur große Qualitätsunterschiede, sondern auch bedenkliche Sicherheitslücken. Die betroffenen Hersteller müssen ihre E-Fahrräder erstens sorgfältiger entwickeln, zweitens besser testen und drittens genauer überwachen. Beim Thema Sicherheit kann es keine Kompromisse und Graubereiche geben. Bremst ein Rad nicht innerhalb der Norm, kriegt es im Bremskapitel null Punkte. Obi hat gegenüber BIKE BILD versichert, das Llobe-Pedelec so lange vom Markt zu nehmen, bis die Ursachen fürs Bremsversagen geklärt sind.
Cannondale Mavaro

Der Testsieger! Das Pedelec Cannondale Mavaro beweist: Einst teure Modelle mit Abverkaufsrabatt können eine gute Alternative zum aktuellen Neu-Bike sein. Die gehobene Ausstattung und der sorglose Fahrspaß bringen den Testsieg.

So testet BIKE BILD

Um die Elektroräder möglichst ausgewogen zu beurteilen, hat BIKE BILD mit zwei renommierten Testorganisationen zusammengearbeitet: ExtraEnergy im thüringischen Tanna und Velotech in Schweinfurt. ExtraEnergy führt seit mehr als zwei Jahrzehnten alltagsnahe Pedelec-Tests auf der Straße durch. Die Standard-Prüfstrecke ist ein 15 Kilometer langer Kurs über Straßen und Feldwege mit bis zu 17 Prozent Steigung. Bremsen und Fahrstabilität hat Velotech für BIKE BILD untersucht. Geschüftsführer Ernst Brust ist häufig als Fahrradsachverständiger bei Gericht gefragt. Außerdem schicken ihm viele Hersteller ihre Bremsen, Räder und Komponenten zu Qualitätschecks auf dem Prüfstand.
Jörg Maltzan

von

Jörg Maltzan ist leidenschaftlicher Auto- und Fahrradfahrer, wobei das Rad zunehmend mehr Platz in seinem Leben einnimmt.