Fahrrad Raritäten: City-Hopper

Kinderfahrrad für Erwachsene

Kleines Rad, große Klappe: Der City-Hopper ist das wohl kleinste Lastenrad der Welt. Beworben wurde es mit dem Slogan "Ihr Zweitwagen". Was ist aus dem City-Hopper von Kettler geworden?

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Gewöhnungsbedürftige Proportionen: Der City-Hopper ist kein Kinder-, sondern ein Lastenrad.

Ein Kinderrad für 398 Mark? Das erschien 1983 aberwitzig, als das durchschnittliche deutsche (Stahl-)Rennrad für Erwachsene weniger kostete. Um seinen City-Hopper zu diesem Preis zu verkaufen, bediente sich Alu-Rad-Spezialist Kettler eines Tricks: Mit einem großen Gepäckträger vorne, langer Sattelstütze und einem Geweih-Lenker verwandelten die Ingenieure ein Fahrrad mit winzigen Laufrädern in ein Erwachsenenrad. Das kleinste Lastenrad der Welt war geboren. Mit dem Slogan „Ihr Zweitwagen“ bewarb Kettler sein neuestes Fahrradmodell und zeigte in Anzeigen vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Angler, Sportler, Matrosen und natürlich als Einkaufsrad.
Im 12-seitigen Fahrradprospekt von 1983 räumte man der Neuheit zwei volle Seiten ein und beschrieb ausführlich seine Vorzüge wie Klapp-Lastenträger, geschlossenen Kettenkasten und abschließbare Gepäckträgerbox. Der City-Hopper musste unbedingt ein Erfolg werden, denn der Aufwand, den das mittelständische Unternehmen in seinem Fahrradwerk im saarländischen Kleinblittersdorf für den Kleinen betrieb, war groß: Eine von vier Produktionsstraßen war exklusiv für das Lastenrad reserviert, die übrigen drei mussten sich Sport- und Tourenräder sowie ein Alu-Fahrradanhänger teilen, insgesamt elf weitere Modelle.

So wurde das kleinste Lastenrad der Welt produziert

Während die Rahmen von Beta, Flair, Dixi, Daxi, Alpha und Strato gerade auf „3-fach Alu-Sicherheitsmuffenverbindungen“ umgestellt worden waren, entstand der City-Hopper wie der Klassiker AluRad 2600 im Schweißverfahren von Hand. Produktionsleiter Hans-Werner Vostal, heute 61, arbeitete damals in der Endmontage und erinnert sich: „Beim City-Hopper war jeder Rahmen anders. Besonders das Einpassen der Gepäckbox war schwierig, da mussten wir oft ein bisschen biegen und dehnen, damit sie reinpasst.“ Besonders lange sei der Hopper nicht gebaut worden, zwei, höchstens drei Jahre, so Vostal. Die insgesamt produzierte Stückzahl dürfte bei ungefähr 2000 liegen.

Für den Dynamo war an der kurzen Gabel kein Platz, er wanderte an die linke Kettenstrebe.

Möglicherweise waren es Produktenttäuschungen, die die Verkäufe hinter den Erwartungen zurückbleiben ließen. Zwar war der City-Hopper klein (laut Prospekt 116 cm lang), aber mit seinem Geweihlenker und dem hohen Sattel doch enorm sperrig. Um ihn, wie Kettler vorschlug, im Kofferraum eines Autos oder in der Transporttasche Art. Nr. 8989-113 „in Flugzeug, Boot oder in öffentlichen Verkehrsmitteln“ mitzunehmen, mussten vorher Inbus und Gabelschlüssel ran.Die wurden zwar mitgeliefert, aber mit Klapprädern, die sich werkzeugfrei halbieren ließen, konnte der City-Hopper nicht mithalten.

Bei Brötchenholern begehrt

Die Fahreigenschaften ließen zudem zu wünschen übrig, kleine Räder und Mini-Radstand waren eher etwas für ganz kurze Wege. Heute sind City-Hopper vor allem bei Wohnmobilisten begehrt, fürs Brötchenholen auf dem Campingplatz. Liebhaber zahlen nahezu wieder den Neupreis für gut erhaltene Exemplare.