Keine Angst vor Kopfsteinpflaster?

Specialized Roubaix Pro im Test: Ab in die Federn!

Rennräder sind nichts für Weicheier. Supersteife Rahmen prügeln die Piloten auf miesen Straßen gnadenlos duch. Specialized macht die Leiden mit dem Roubaix Pro erträglicher.

Datum:
Roubaix Pro

Technik-Rakete: Die Federung des Roubaix Pro wurde mit den Sportwagenexperten von McLaren entwickelt.

Als im April 2017, der legendäre Radklassiker Paris–Roubaix zum 115. Mal gestartet wurde, begann für die Profis wieder eine Tour der Leiden. 29 brutale Kopfsteinpflaster-Passagen warteten im Norden Frankreichs auf die Fahrer. Darum gilt das rund 250 Kilometer lange Rennen nicht nur für die Teilnehmer als härteste Prüfung im Radsport, sondern auch fürs Material. Kein Eintageswettbewerb produziert mehr Platten und Defekte – bis hin zum Lenker- und Rahmenbruch. Die US-Marke Specialized bietet mit dem Roubaix schon seit ein paar Jahren ein vie versprechendes Gegenmittel für die Pavé-Folter an. Das Rennrad ist speziell für lange Fahrten auf schlechten Straßen entwickelt worden.

Roubaix Pro: Technische Daten

Schaltung

Shimano Ultegra DI2, Long Cage, 2x 11-Gang

Bremsen

Shimano BR-RS805 Flat Mount Disc

Lenker

S-Works Hover Carbon

Vorbau

S-Works SL Aluminium, Titanschrauben

Sattelstütze

Specialized CG-R

Gabel

Roubaix Disc, FACT 11r Carbon

Radgröße

28 Zoll

Kurbelgarnitur

Specialized Pro 50/34

Vorbau

Specialized Turbi Pro, 700 x 26 mm

Gewicht

7,79 Kilo mit Pedalen

Preis

6499 Euro

Gegenmittel für die Pavé-Folter

Tunnelblick

Tunnelblick: Normalerweise hassen Rennradfahrer Kopfsteinpflaster. Das Roubaix will ihnen den Schrecken nehmen.

In der jüngsten Modellgeneration sitzt erstmals ein ausgeklügeltes Federsystem im Gabelschaft. Es arbeitet spielfrei in vertikaler Richtung und soll den Oberkörper vor heftigen Stößen schützen. Zudem wurde die Sattelklemmung tiefergelegt, damit die Carbonstütze mehr flexen kann und so auch hinten den Fahrkomfort verbessert. So weit die Theorie. Aber was kann die Rennmaschine in der Praxis? Ein Pavé-Racer mit Federung klingt wie ein Anachronismus. So ein Rad soll ja eigentlich möglichst steif und auf Vortrieb optimiert sein. Und das ist es auch, wie die Testfahrt eindrucksvoll belegt. Nicht nur Rahmen, Gabel und Lenker sind aus Carbon, sondern auch die Felgen. Das macht das Roubaix ausgesprochen spritzig und reaktionsschnell. Ob Ortsschildsprint oder Tempoverschärfung im hohen Gang – dieses Bike setzt die Beinkraft ohne Verluste radikal in Vortrieb um.

Bessere Ergebnisse bei hohem Tempo

Perfekter Vortrieb

Der Carbonrenner beschleunigt im Wiegetritt rasant.

Okay, das kann auch jeder andere Leichtbau-Racer aus der preislichen Topliga. Jetzt nähert sich die Kopfsteinpflaster-Passage. Mit Tempo 30 und hohen Erwartungen pedaliert der Testfahrer das Roubaix aufs ruppige Geläuf. Und ist etwas enttäuscht: Nein, eine Sänfte wird aus dem Rad nicht. Vorn vibrieren Arme und Hände heftig, auch von hinten gibt es kräftige Schläge auf den Popo. Also gleich noch mal, den zweiten Testlauf aber 5 km/h langsamer. Auch nicht schöner. Im Gegenteil: Kopfsteinpflaster-Abschnitte sollte man immer mit höherem Tempo fahren. Erstens ist die Qual dann schneller vorbei, zweitens fühlt sich der Abrollkomfort besser an. Letzter Lauf darum mit 35 bis 40 km/h, was etwa Profitempo auf den Roubaix-Pavés entspricht. Volle Beschleunigung und siehe da: Jetzt fliegt das Roubaix förmlich über die Katzenbuckel. Zwar bleibt das feine Vibrieren erhalten, doch grobe Schläge und Wellen steckt das Rad gut weg. Ein Blick auf die Gummimanschette zeigt, wie fein und schnell die Vorderradfederung anspricht. Auf ausgedehnten Touren können die Komfortbauteile darum durchaus nützlich sein, weil der Fahrer nicht so mürbe geklopft wird. Kraft und Konzentration bleiben länger erhalten. Für Marathon- und Brevet-Fahrer ist das Roubaix daher ein sehr spannendes Bike. Auch wenn der hohe Preis einer großen Verbreitung im Wege stehen dürfte.
Jörg Maltzan

von

Jörg Maltzan ist leidenschaftlicher Auto- und Fahrradfahrer, wobei das Rad zunehmend mehr Platz in seinem Leben einnimmt.