Billig-Leihräder aus Asien

Bikesharing-Anbieter O-Bike steht vor der Pleite

Ebbt die Leihrad-Flut wieder ab? Dem Verleiher O-Bike aus Singapur droht die Insolvenz. Als Gründe gelten das Scheitern der Expansion nach Europa und eine Maßnahme der Behörden.

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Die Leihräder von O-Bike können überall abgestellt werden. Sie gelten als schwer und entsprechen oft nicht den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung.

Wie lokale Medien und der Branchendienst Velobiz berichten, wird das Unternehmen O-Bike aus Singapur von einem Insolvenzverwalter betreut. Als Grund für die Probleme gilt, dass das Geschäft mit den Billig-Leihrädern in Europa gescheitert ist. O-Bike ist unter anderem in Frankfurt, Berlin und Zürich aktiv. Dort erregten die gelben Leihräder viel Aufmerksamkeit und vielerorts auch den Zorn von Behörden und Bewohnern. Denn die Mieträder, die ohne feste Abholstationen funktionieren, wurden von dem asiatischen Unternehmen quasi ungefragt in der Stadt verteilt. Die Folge: Viele Leihräder versperrten öffentlichen Raum, wurden schnell kaputtgefahren und achtlos in der Stadt entsorgt.
Die Stadt Singapur ging dagegen vor, indem sie eine Gebühr auf jedes Leihrad erhob – und so die Firma O-Bike in die Pleite trieb. Laut „Today Online“ aus Singapur besitzt O-Bike 14.000 Leihfahrräder. Ärgerlich für die Kunden in Europa und Fernost: Bislang ist unklar, ob sie Ihre Kaution vom insolventen Unternehmen zurückerhalten. Für Städte, wie zum Beispiel Zürich, stellt sich zudem die Frage, wie die zurückgelassenen O-Bikes eingesammelt und entsorgt werden.

Bikesharing: Eine gute Idee, aber …

Leihradsysteme sind in Deutschland vor allem von der Deutschen Bahn und dem Anbieter Nextbike etabliert. Das Prinzip bietet Großstadtbewohnern sehr günstige Mobilität und stellt eine interessante Alternative zu Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln dar. Auch um Fahrraddiebstahl muss man sich keine Sorgen machen. In jüngster Zeit drängen vermehrt asiatische Anbieter auf den deutschen und europäischen Markt. Sie funktionieren stationslos und benötigen so meist keine Genehmigung der Behörden. Der Zweirad-Industrie-Verband warnt vor Sicherheitsmängeln, bei den Rädern, die ohnehin nur von geringer Qualität sind.
Das Geschäftsmodell zielt nicht nur auf Nutzungsgebühren ab: Interessant sind für die Unternehmen die persönlichen und die Bewegungsdaten der Nutzer. Denkbar ist zudem, dass einige Anbieter auf eine Monopolstellung schielen, sobald sich der Markt, wie jetzt im Fall von O-Bike, bereinigt hat.
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Lennart Klocke

von

Zwei schmale Reifen, ein tiefer Lenker und eine freie Landstraße: Mehr braucht Lennart Klocke nicht zum Glücklichsein. Als BIKE BILD-Autor testet der Rennrad-Fan am liebsten neues Equipment und Fahrrad-Gadgets.