World Bicycle Relief

Buffalo-Bike: Das Rad, das Leben verändert

34 Millionen Kinder gehen im südlichen Afrika nicht in die Schule. Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil ihr Weg zu lang und beschwerlich ist. Die Organisation World Bicycle Relief (WBR) hilft dabei, dies zu ändern. Mit seinem Buffalo-Bike hat WBR ein Fahrrad entwickelt, das weit mehr kann als Kinder zur Schule zu bringen.

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Gemeinsam VORAN

Schüler profitieren ganz besonders von der Hilfe. Mit dem Buffalo Bike kommen sie schneller zur Schule und sind hochmotiviert.

Begonnen hat alles 2004: Nach dem Tsunami überlegt Frederick (F.K.) Day mit seiner Frau, der Fotografin Leah Missbach Day, wie sie helfen können. F.K. Day ist einer der Gründer von SRAM, einem der weltweit führenden Fahrrad-Komponenten Hersteller mit Sitz in Chicago und einer deutschen Niederlassung in Schweinfurt.
„Wir haben zunächst Hilfsorganisationen gefragt, wie wir auf Sri Lanka helfen können”, erinnert sich F.K. Day bei einem Treffen mit BIKE BILD in Berlin. „Uns wurde gesagt, dass Fahrräder aktuell nicht gebraucht würden.“ Ein Trugschluss, wie sich später herausstellte. Betroffene vor Ort bestätigten bald, dass Fahrräder sehr wohl wichtig wären. Daraufhin spendete Day mit seiner Firma SRAM 24.000 Fahrräder. Wenig später wurde WBR gegründet – die Hilfe sollte keine einmalige Aktion bleiben.

Afrika braucht Transportmöglichkeiten

„Was ihr hier gemacht habt, war super”, hörte F.K. Day später. Aber auch, dass die Anzahl der Menschen, die durch den Tsunami gestorben seien, in Afrika alle zwei Wochen durch Hunger und Seuchen sterben – unbarmherzig und ohne die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft. Afrika brauche Transportmöglichkeiten, aber niemand unternehme etwas.“
World Bicycle Relief will heute dazu beitragen, speziell die Entwicklung in ländlichen Regionen voranzubringen. Dafür haben Day und seine Kollegen ein spezielles Fahrrad konstruiert: Das Buffalo-Bike, ein klassischer Gegenentwurf zu schnittigen City-Bikes. Es ist robust, stahlschwer und hat eine einfache Ausstattung. Sein Gepäckträger kann bis zu 100 Kilogramm tragen, und es soll möglichst lange halten.
Mittlerweile ist WBR in zwölf afrikanischen Ländern aktiv, darüber hinaus in Lateinamerika und Asien. Das Ziel: Das Buffalo-Bike soll Menschen die Möglichkeit geben, ihr Leben eigenverantwortlich zu verbessern und so den Kreislauf der Armut langfristig zu durchbrechen.

Das Buffalo transportiert auch die Milch

F.K. Day verdeutlicht den Ansatz: „Milch ist ein gutes Beispiel. Was machst du damit, wenn du sie nicht selbst oder innerhalb deiner Gemeinschaft verbrauchst? Dann bleibt die Möglichkeit, sie zu einer Sammelstelle – bei euch würde man Molkerei sagen – zu bringen.” Die seien in den meisten afrikanischen Ländern aber nicht für jeden zugänglich und oft viele Kilometer entfernt. „Wenn du ein kleiner Bauer mit vielleicht fünf oder zehn Kühen bist, kannst du dich nicht vergrößern, wenn du keine Transportmöglichkeit hast,“ sagt Day. Bei dieser Menge habe man eine Art künstliche Grenze erreicht, die nur mit geeigneten dem Transportmitteln durchbrochern werden könne. Denn meist liege es eben nicht an der Produktivität der Kühe. Dieser Aspekt werde oft übersehen.
„Darum haben wir ein Programm gestartet, in dem Milchbauern ein Fahrrad bekommen können und es durch ihren Verdienst in zwei oder drei Monaten abbezahlen können“, meint Day. Der Effekt sei grandios: Die Milchbauern verdienten mehr Geld und die Molkereien könnten ihren Umsatz steigern. Und auch wir bleiben nicht auf den Krediten für die Räder sitzen, denn die Bauern sind in der Lage, sie zurück zu zahlen. „Es gibt nur Gewinner!“

Mit dem Rad zur Schule

Das Buffalo-Bike transportiert indes nicht nur Lebensmitteln, sondern auch Schüler. Wo viele Kinder einen zu langen und beschwerlichen Weg zur Schule haben, soll das Fahrrad helfen. Verschenkt wird es jedoch nicht. ,,Die Kinder schließen einen Vertrag ab und die gesamte Familie verpflichtet sich, dass das Kind weiterhin zur Schule gehen wird“, erläutert F.K. Day. Denn es könne passieren, dass bei einem Mädchen der Vater auf die Idee kommt, sie zu verheiraten oder zur Feldarbeit zu schicken – meist der Anfang vom Ende in der Entwicklung eines jungen Menschen. „Wenn die Familie aber in ein Kind investiert, können richtig gute Sachen passieren,“ sagt Day.
Laut WBR sind mittlerweile mehr als 120 000 Schülerinnen und Schüler mit dem Buffalo-Bike mobil geworden. Catherine Makhokha, stellvertretende Direktorin der Umoja Secondary School ist begeistert: „Der Zauber des Fahrrads ermutigt Schülerinnen und Schüler dazu, ihr Potential zu entdecken. Sie fühlen sich lebendig.“

Deutsche SRAM-Kollegen helfen in Sambia

Welchen positiven Effekt die Arbeit von WBR hat, davon konnten sich 2015 drei SRAM-Ingenieure aus Deutschland ein Bild machen. ,,Wir waren in Sambia“, erzählt Gunter Pehse, ,,und es war sehr beeindruckend zu sehen, wie wichtig das Buffalo für die Menschen ist. Das kann man sich hierzulande nicht vorstellen.“ Pehse und seine Kollegen Egon Schmittfull und Uwe Seufert halfen vor Ort auch dabei, Räder zu inspizieren. ,,Als wir vor Ort waren, haben wir im Morgengrauen angefangen, Räder zu checken und erst bei Einbruch der Dunkelheit damit aufgehört. Wir waren total erschöpft, denn die Arbeit wollte kein Ende nehmen. Gleichzeitig war es eine großartige Erfahrung“, erzählt F.K. Day voller Begeisterung von dem gemeinsamen Projekt.

Galerie: Buffalo-Bike: Das Rad, das Leben verändert

Vor Ort wird ausgebildet

Damit sich die Menschen auch selbst helfen können, gibt es ein Ausbildungsprogramm für Mechaniker. Die Dorfgemeinschaft entscheidet, wer an dem Programm teilnehmen darf. Das Programm beinhaltet die Reparatur das Zusammenbauen des Buffalo-Bikes. Darüber hinaus bekommen der Teilnehmer auch Grundlagen im Bereich Wirtschaft vermittelt. Und am Ende des Projekts erhalten die Teilnehmer ein Diplom, eine Uniform und ein Fahrrad.

Die Hilfe funktioniert

F. K. Day und sein Team sind heute mehr denn je von ihrem Projekt überzeugt: „Wir geben den Menschen Unabhängigkeit. Es geht nicht darum, Nahrung zu verteilen und in einer Woche wieder gefragt zu werden, ob wir noch mehr haben. Wir reichen den Menschen die Hand, damit sie ihre Welt selbst verändern können. Und wir sehen, dass das funktioniert!“

BIKE BILD unterstützt – Aktion bis zum 31.12.

Wir wollen WBR unterstützen und freuen uns sehr, dass alle Hersteller der Rucksäcke, die wir für die BIKE BILD 5/2017 getestet haben, uns ihre Produkte zur Verfügung gestellt haben. Darüber hinaus verlosen wir Abos der BIKE BILD und Preise, die man so nicht kaufen kann. Zum Beispiel eine Werksführung bei Derby Cycle – Deutschlands größtem Fahrradproduzenten. Ein Los kostet 10 Euro, jeder Teilnehmer darf maximal fünf Lose erwerben. Die Ziehung der Gewinner findet Anfang Januar 2018 statt.

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Konstantin Muffert