Vom Bikemuffel zum Fahrradfan

Wie ein altes Damenrad das Herz einer Berlinerin eroberte

Lust aufs Rad: Der Zufall hob Sandra Wickert in den Sattel. Nun kann sie von ihrem alten Damenrad kaum noch lassen. Eine Liebesgeschichte in fünf Akten.

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Sandra Wickert und ihr Fahrrad

Sandra Wickert liebt ihr Fahrrad. Mit Apps und Gadgets ist sie tief in das Zweiradleben eingestiegen.

Das Fahrradfahren und ich, das ist so eine Sache. Seitdem ich denken kann, sitze ich auf dem Fahrrad. Radfahren war für mich immer eine eher praktische Angelegenheit; das Rad mein Transportmittel, um möglichst günstig und stressfrei von A nach B zu kommen. Meist war es von der Familie vorgegeben. Nach einem Fahrradklau und zwei Unfällen, von denen mir noch diverse Schrauben im Fuß als Souvenir geblieben sind, hatte ich immer weniger Lust, mich in den Sattel zu schwingen. Und ja, ich gebe es zu, ein gewisses Maß an Faulheit gehörte auch dazu, dass ich in den letzten Jahren weitaus weniger Strecken mit dem Fahrrad zurückgelegt habe als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Car2Go-Smart oder dem Taxi. Das alles hat sich kürzlich gründlich geändert. Verschiedene Ursachen haben sich fast magisch zusammengefügt.

Typ weg, Auto auch

Der erste Schritt in mein neues Leben als Radlerin war nicht freiwillig. Ich hatte durch die Trennung von meinem Partner plötzlich kein Auto mehr zur Verfügung. Wenn der Wagen vor der Tür steht, ist die Versuchung groß, sich einfach reinzusetzen und irgendwohin zu fahren. Carsharing oder Taxi? Klar, aber wenn du ein Rad hast, ist das nicht nur der einfachste und billigste Weg durch die Stadt, sondern auch der schnellste.

Ich mag mein Bike

Sandra Wickert

Die 40-jährige Sandra Wickert lebt in Berlin, ist leidenschaftliche Läuferin und besucht gerne Städte. Sie arbeitet zeitweise in der Fischräucherei ihres Bruders und als Freelancerin in der Medienbranche.

Ich habe ein Fahrrad, das ich wirklich gerne mag. Kein teures Rad, nix Besonderes, es ist noch nicht mal neu. Es ist ein simples Damenmodell mit drei Gängen, ein Bekannter hat es aus den Resten kaputter Räder zusammengebaut. Aber es fährt sich gut. Und ich bilde mir ein, dass es so einzigartig ist, dass es sich ein möglicher Dieb zweimal überlegt, es zu knacken.

Lust auf Wind und Wetter

Natürlich ist es unsexy, wenn es plötzlich krass vom Himmel schüttet, während ich in die Pedale trete. Doch Nieselregen, Gegenwind oder kühlere Temperaturen halten mich nicht mehr davon ab, das Rad zu nehmen. Denn ich will nach drau- ßen. Ich brauche Frischluft, will, dass der Wind durch meine Haare fliegt, und möchte Wärme oder Kühle auf meiner Haut spüren.

Training und Gesundheit

Sandra Wickert

So schnell ist Sandra Wickert nicht immer mit dem Rad unterwegs. Stress im Stadtverkehr? Fehlanzeige!

Meistens fahre ich langsam. Vor allem bergauf, und sei es nur die kleinste Steigung. Wenn’s dann aber raus aus der Stadt geht, darf es schon mal etwas schneller sein. Radfahren ist ein prima Ausdauersport und eine gute Ergänzung zum Laufen. Die Knie werden weniger belastet und andere Muskelgruppen trainiert.

Inspiration und Motivation

Seit Kurzem besitze ich einen Finn. Das ist eine schlichte, praktische Halterung fürs Rad, mit der ich mein Smartphone am Lenker befestige. Ein weiteres Gimmick, das ich mag, ist die „Bike Citizens“-App. Darüber kann ich Fahrradkarten für 4,99 Euro pro Stadt kaufen. Die Karte für die erste Stadt bekommt man kostenlos, indem man sie freiradelt: 100 Kilometer in 30 Tagen durch die City – eine tolle Motivation. Manchmal sind es einschneidende Erlebnisse, die das Leben verändern. Manchmal auch nur Kleinigkeiten. In meinem Fall beides zusammen. Viele Wege führen aufs Rad.
Sandra Wickert

Finn Fahrrad-Handyhalterung