Pendler-Porträt

Mit dem Velomobil zur Arbeit

Daniel Bayer kommt durchs Pendeln mit seinem Velomobil auf 13.000 Rad-Kilometer im Jahr. Er sagt, dass sich Velomobil fahren anfühlt wie Fliegen.

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Wenn Daniel Bayer frühmorgens losfährt, hat er die kleinen Landstraßen im Fränkischen oft für sich alleine. Hier tankt er Kraft für den bevorstehenden Tag.

Daniel Bayer mit seinem Velomobil.

Zur Person

Name: Daniel Bayer
Alter: 54 Jahre
Beruf: Geschäftsführer der Firma Huber in Fürth
Bike: Milan SL Carbon (Spezialanfertigung)
Strecke: Mühlhausen– Fürth, ca. 50 km
Man braucht Ziele im Leben. Eines von Daniel Bayer liegt im Norden von Fürth in einem Industriegebiet. Dort sitzt die Firma Huber GmbH & Co. KG, die Maschinen und Zubehör für den Werkzeug- und Formenbau verkauft – Bayer ist der Geschäftsführer. „Bewegt habe ich mich schon immer gerne, aber ich mag es, ein Ziel zu haben und das zu erreichen. So kam ich auf die Idee, nicht immer mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, sondern diesen Weg als Sporteinheit zu nutzen, dabei der Umwelt und mir selbst etwas Gutes zu tun“, sagt er.

Reduzierter Energieaufwand dank aerodynamischer Bauweise

Die Suche nach dem richtigen fahrbaren Untersatz für die knapp 50 Kilometer weite Strecke war nicht einfach. „Ein normales Fahrrad kam für diese Distanz nicht wirklich in Frage, also probierte ich es mit einem Liegedreirad. Aber auch darauf war ich Wind und Wetter ausgesetzt.“ Bei seiner Recherche stieß er auf die Option Velomobil. „In Bamberg verkaufte jemand sein zweites Gefährt, ich fuhr es Probe und wusste: Das ist es!“
Dank der aerodynamischen Bauweise reduziere sich der Energieaufwand beim Treten im Vergleich zum Fahrrad erheblich, und durch die Vollverkleidung sei ein Velomobil das ganze Jahr über einsatzbereit, sagt er. Vier Jahre sind seit der Anschaffung vergangen. Daniel Bayer fährt seitdem mindestens dreimal pro Woche mit dem Velomobil zur Arbeit – bei jedem Wetter. Dabei ist es ihm besonders wichtig, soweit es geht auf Radwegen und ruhigen Landstraßen unterwegs zu sein und so die Autofahrer nicht zu stören. „Ich halte das derzeitige Gegeneinander von Rad- und Autofahrern für keine gute Entwicklung, dabei verlieren alle. Es wäre sinnvoll, sich auch mal in die Situation der anderen Verkehrsteilnehmer hineinzuversetzen“, sagt er.

Nebeneinander statt gegeneinander: Immer mehr gut ausgebaute Radwege führen entlang der Bundesstraßen und machen so das Fahren für alle Verkehrsteilnehmer sicherer und entspannter.

Daniel Bayer fährt um 4 Uhr morgens los

Auf einigen Teilstücken seiner Route muss er die Bundesstraße nehmen, dort fährt er besonders rücksichtsvoll: „Wenn ich an einer Kreuzung anhalten muss, fahre ich zum Beispiel nicht ganz nach vorne, sondern lasse, wenn die Ampel grün wird, die Autos hinter mir erst vorbei, sie sind ja beim Anfahren viel schneller als ich“, erklärt er. Durch seine Fahrweise hat er bisher kaum negative Erfahrungen gemacht, im Gegenteil: „Die Leute staunen über meine kleine Rakete und lächeln mir meistens freundlich zu.“ Auch auf geteilten Rad- und Fußwegen fährt er vorsichtig. „Einmal hatte ich vor mir eine Gruppe von Nordic Walkern. Da bin ich nicht etwa klingelnd vorbeigebrettert, sondern langsam herangefahren. Eine der Walkerinnen bemerkte mich aus demAugenwinkel, drehte sich um und rief: ,Jetzt dachte ich, da kommt der weiße Hai und frisst mich!‘ Ich konnte sie beruhigen, und schon entspann sich ein Gespräch“, erinnert er sich.
Besonders frühmorgens genießt Daniel Bayer seine Fahrt, er fährt auch gerne mal vor 4 Uhr los. „Dann habe ich die Straßen fast für mich alleine“, meint er. Im Sommer fahre er mit einer offenen Haube, also sozusagen Cabrio. Dann höre er, wie die Vögel zu singen begännen. Erst erklängen vereinzelte Rufe, nach und nach fielen immer mehr Vögel in den Gesang ein. „Das ist ein tolles Privatkonzert!“ Seit zwei Monaten pendelt er sogar noch lieber – seitdem ist er stolzer Besitzer eines Milan SL Carbon. Es gilt als der Ferrari unter den Velomobilen – seines wurde extra für ihn angefertigt.

Dieses Velomobil ist eine Sonderanfertigung und kostet 11.000 Euro.

Velomobil – was ist das?

Ein Velomobil ist ein meist mit Muskelkraft betriebenes vollverkleidetes Fahrzeug, das es dem Fahrer durch seinen geringen Luftwiderstand ermöglicht, weite Strecken mit im Vergleich zum Fahrrad deutlich geringerem Energieeinsatz zurückzulegen. Dabei ist man zudem vor Wind und Wetter geschützt. Gebrauchte Modelle gibt es ab ca. 2.500 bis 3.000 Euro. Als „Ferrari“ unter den Velomobilen gilt das Milan SL Carbon. Das Gefährt von Daniel Bayer ist eine Sonderanfertigung dieses Modells, gebaut vom Räderwerk in Hannover (www.velomobil.eu). Der Preis des Milan SL Carbon startet bei 8.650 Euro.Bei seiner ersten Fahrt kam er aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. „Das hat sich wie fliegen angefühlt!“, erinnert er sich. Bis ins kleinste Detail hat er das Gefährt gemeinsam mit dem Räderwerk Hannover, einem der führenden Velomobil-Spezialisten Deutschlands, und der Firma Velomobilize aus Dornbirn durchdacht: „Ich wollte ein möglichst leichtes Velomobil, das perfekt auf meine Bedürfnisse abgestimmt ist“, sagt er. So wurden Lagen aus leichterem Carbon als üblich verbaut, die Kurbeln wurden gekürzt, statt zweier Scheinwerfer vorne nur einer eingebaut („Der aber ist richtig hell!“, betont er), jedes Teil wurde auf seine Leichtigkeit und Effizienz hin überprüft, die Bremstrommeln mit speziellen Kühlkörpern versehen, um auch bei hohen Geschwindigkeiten – in der Ebene sind 50 km/h kein Problem, bergab sind es deutlich mehr – zuverlässig ihren Dienst zu tun. So kommt sein Velomobil auf nur 19,5 Kilogramm Gesamtgewicht, das Serienmodell wiegt etwa vier Kilo mehr.

Technische Daten: Velomobil

Preis

11.000 Euro (Sonderanfertigung)

Gewicht

19,5 Kilogramm

Ausstattung

SRAM XX-Schaltung, Shimano Hollowtech 2-Kurbeln, gekürzt, Garmin 1000 mit Vector 2-Pedal-WattmessSystem, Schwalbe Pro One Tubeless-Reifen, Speziallaufräder von Ginkgo und DT Swiss, Sturmey Archer Trommelbremsen, einzeln ansteuerbar

Kein Wunder, dass Daniel Bayer auch in seiner Freizeit gerne damit unterwegs ist: „Manchmal packt es mich, und ich fahre spontan los, nach Schweinfurt hin und zurück hatte ich ruckzuck 178 Kilometer auf der Uhr, das ist einfach toll und mit einem normalen Rad nicht so einfach machbar“, sagt er. Auch wenn er die Ruhe und Einsamkeit in seinem Gefährt genießt, ist es durchaus familienkompatibel: „Am Wochenende fahren wir öfter nach Erlangen zum Bummeln, da lade ich mein Velomobil ins Auto und fahre später damit nach Hause.“
Bei all seiner Begeisterung für das Gefährt bleibt er offen für andere Fortbewegungsmittel: Mit seinen beiden Enkeln unternimmt er abwechselnd Touren auf dem Hase Pino, einem Stufentandem, auf dem der Hintermann (in diesem Fall der Opa) tritt und lenkt und sich der Vordermann (ein Enkel) auf einer Art Liegestuhl bequem die Landschaft ansehen und, wenn er denn Lust hat, auch mal mittreten kann. Wenn ihn das Fernweh richtig packt, sucht sich Bayer neue Ziele: „Den Donau-Radweg von Passau nach Wien am Stück zu schaffen, wäre ein Traum“, sagt er – das sind etwa 320 Kilometer. Zuvor will er aber ein anderes Projekt zu Ende bringen: „Ich habe einmal probiert, an einem Tag von Innsbruck über die Alpen zum Gardasee zu fahren, bin aber morgens zu spät losgeradelt und musste abbrechen.“ Beim nächsten Mal, da ist er sicher, wird es klappen. „Wenn ich mir ein Ziel setze, erreiche ich es auch“, sagt er – und seine Augen strahlen dabei nicht vor Ehrgeiz, sondern vor Vorfreude.

In Zahlen: Pendler Daniel Bayer

  1. 13.000 km pro Jahr legt der Franke in seinem Velomobil zurück
  2. 910 Liter Diesel/Jahr gespart (bei einem Verbrauch von durchschnittlich 7 Litern pro 100 km)
  3. 1.064 €/Jahr gespart bei einem durchschnittlichen Dieselpreis von 1,17 Euro pro Liter
  4. 145 Watt Energieeffizienz bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h
  5. 21 kg CO2-Ausstoß pro Tag im Vergleich zu einem Pkw gespart