Fahrrad-Krimi mit Happy End

Niederländer spürt geklautes 12.500-Euro-Rad auf

Im Juni klauen Diebe das 12.500 Euro teure Rennrad von Leslie Keijzer. Die Polizei kann ihm nicht helfen. Daher macht sich der Niederländer selbst auf die Suche – und wird 900 Kilometer entfernt fündig.

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Leslie Keijzer (rechts) spürt nach Monaten sein 12.500 Euro teures Specialized-Rennrad in der Peter-Sagan-Sonderedition wieder auf. Der ideelle Werte liegt noch höher, sagt der Niederländer.

Die Geschichte klingt wie ein Krimi. Mitte Juni ist Leslie Keijzer mit Freunden in der Region Limburg zum Radfahren verabredet. Das Training läuft gut und die Gruppe hat Spaß. Mit im Gepäck: Sein 12.500 Euro teures Gefährt. Bei diesem schnittigen Geschoss schnalzen die Zungen von Rennrad-Liebhabern: elektronische Schaltung, Hochprofil-Laufräder, Scheibenbremsen, edle Lackierung. Technisch und optisch geht in diesem Segment nicht viel mehr.
Zwischen den Etappen schläft die Gruppe in Hotels und lässt ihre Räder immer wieder im Van zurück. Ein Fehler, wie sich am Morgen des 17. Juni herausstellt. Unbekannte nutzen die Dunkelheit der Nacht und entwenden aus dem Van sechs Bikes, darunter auch Leslie Keijzers Carbon-Renner. Für die Diebe ein Lucky Punch.

Das Objekt der Begierde: Diebe stehlen das Rennrad in der Peter-Sagan-Sonderedition aus einem Van.

Leslie Keijzer ist kein Radprofi. Seine Begeisterung für den Sport und das Equipment übersteigt dennoch das normale Maß, ganz zum Leidwesen seiner Frau, wie der Sales Manager scherzend erzählt. Der Niederländer knausert nicht mit privaten Einblicken. In seinem Radzimmer in der Wohnung in Ter Aar stehen seine Carbon-Errungenschaften fein säuberlich aufgereiht. An der Wand hängen Schwarz-Weiß-Bilder von berühmten Radfahrern. Der ideelle Wert des Rads übersteigt den Kaufpreis.

Ein Triathlet aus Polen meldet sich

Leslie Keijzer wendet sich an die Polizeibeamten in Limburg, die die Begeisterung für die limitierte Sonderedition nicht teilen. Leslie Keijzer stellt anschließend online die Strafanzeige – ohne viel Hoffnung. Stattdessen ergreift der Fahrradenthusiast selbst die Initiative und mobilisiert seine Social-Media-Kanäle. In der Hashtag-Welt von Instagram sucht er nach Hilfe und lobt für den potenziellen Finder seines Rads sogar 2.000 Euro aus. Zusätzlich wendet er sich auch noch an die Presse. Doch nichts tut sich.
Seine Hoffnungen schwinden bereits – doch plötzlich nimmt ein Triathlet aus Polen über Facebook Kontakt mit ihm auf. Da ihm der Kaufpreis von 5.600 Euro für sein gerade erworbenes Specialized-Rennrad in der Peter-Sagan-Sonderedition merkwürdig gering vorkommt, recherchiert der polnische Triathlet im Internet und stößt dabei auf Leslie Keijzers Geschichte. Ein Glücksfall. Die beiden vereinbaren die Rückgabe des bereits gekauften Rads an den mutmaßlichen Hehler und wollen die Behörden einschalten.

Mithilfe von Hashtags sucht Leslie Keijzers über Instagram nach seinem gestohlenen Rennrad.

Wieder wendet sich Leslie Keijzer an die Polizei in Limburg, wieder watschen ihn die Beamten ab. Er nimmt die Sache wiederholt selbst in die Hand. Der 31-Jährige informiert die niederländische Botschaft und örtliche Polizei in Polen – und hat Erfolg mit dieser Taktik. Die polnische Polizei stellt das Rad 900 Kilometer entfernt sicher. Leslie Keijzer erfährt einen Tag später davon und fährt kurze Zeit danach nach Tarnowo Podgórne bei Posen, um sein Gefährt abzuholen.
Ein Rad-Krimi mit Happy End. Doch ein kleiner Wermutstropfen bleibt. Offenbar waren die Diebe nicht sehr rennradaffin. Beim Versuch, den Sattel zu entfernen – vermutet Leslie Keijzer –, wurde das Kabel für die elektronische Schaltung zerstört. Leslie Keijzer ist das egal, er freut sich, dass sein Rad wieder bei ihm ist.
Daniel Eilers

von

Daniel Eilers ist Redakteur bei BIKE BILD. Räder sind für ihn zweierlei: das perfekte Sportgerät und klügste Fortbewegungsmittel unserer Zeit.