Tragischer Unfall in den Niederlanden

Zug rast in Lastentransporter – vier Kinder sterben

Vier Kinder in einem Lastentransporter sind beim Zusammenstoß mit einem Zug in den Niederlanden ums Leben gekommen. Die Bremsen des Gefährts sollen versagt haben.

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Kein Fahrrad: Bei den Stints handelt es sich um Lastentransporter, die ohne Pedale angetrieben werden

Der tragische Unfall ereignete sich am Donnerstagmorgen, 20. September. In der Stadt Oss im Südosten der Niederlande rast ein elektrischer Lastentransporter an einer geschlossenen Schranke gegen 8.30 Uhr an einem Bahnübergang vorbei und prallt mit einem Zug zusammen. In dem Elektrogefährt befanden sich mehrere Kinder im Alter zwischen vier und acht Jahren. Vier von ihnen verloren bei dem Unfall ihr Leben.
Die genaue Unfallursache ist noch ungeklärt. Laut Augenzeugen-Berichten habe die Fahrzeugführerin gerufen, dass sie nicht mehr bremsen konnte. Derzeit wird untersucht, ob ein technischer Defekt vorlag. Der Bremsweg der Modelle „Pick-up“ und „BOS“ soll bei einer Geschwindigkeit von 15 km/h bei 3,5 Metern liegen. Der Hersteller weist auf seiner Website eine zulässige Zuladung von höchstens 400 Kilogramm aus.

"So eine Bremse bringt höchstens 150 Kilogramm zum Halten"

Ernst Brust, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und Obmann im DIN-Ausschuss Lastenrad und Personentransport, sagt auf Nachfragen gegenüber BIKE BILD: „An dem Stint waren bestimmt Seilzugbremsen, im schlimmsten Fall sogar Trommelbremsen verbaut. So eine Bremse bringt höchstens 150 Kilogramm zum Halten. Das Fahrzeug mit fünf oder sechs Kindern und einem Erwachsenen dürfte indes um die 280 Kilogramm gewogen haben. Wenn da eine Seilzugbremse reist – ein Bremszug, der um mehrere Ecken läuft, erfährt Reibung und somit Verschleiß –, dann bekommt man das Gefährt, vielleicht sogar bei leicht abschüssigem Gelände, nicht zum Halten.“

Kein Fahrrad – wie fälschlicherweise berichtet wurde

Der Lastentransporter vom Typ „Stint“ wird in vielen niederländischen Kindertagesstätten genutzt. Bei dem Gefährt handelt es sich um eine Eigenentwicklung des niederländischen Herstellers Stintum. Das Fahrzeug gleicht eher einem Segway – der Fahrer beschleunigt und bremst über einen Gashebel. Zusätzlich ist das Gefährt mit einem einseitigen Bremsgriff ausgestattet. Das Lenkeinheit befindet sich hinter der Transportkiste.
Wie in vielen Medien fälschlicherweise berichtet wurde, handelt es sich beim Stint gerade nicht um ein Fahrrad. „Wie man sehen kann, hat das Gefährt keine Pedale – ist also definitiv auch kein Fahrrad“, sagt Rad- und Pedelec-Experte Hannes Neupert, Mitbegründer von ExtraEnergy e.V. Der Lastentransporter darf nach kurzer Einführung von Personen ab 16 Jahren nach einem speziellen Fahrtraining gefahren werden.