Früh übt sich

Kinder aufs Rad – das können Eltern tun

Fahrradtouren mit der Familie bringen doppelt Spaß. Wie Sie die lieben Kleinen aufs Rad bekommen? In kleinen Schritten. Wir verraten, wie es geht – und warum Stützräder nicht helfen.

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Was müssen Eltern beachten, wenn sie ihrem Kind das Radfahren beibringen wollen? Unsere fünf "Ws" helfen bei der Orientierung.

Die gute Nachricht vorweg: Kinder wollen radeln! Und sei es, um ihre Eltern oder Freunde zu kopieren oder um zu imponieren. Wie können Eltern ihren Kindern das Radfahren beibringen? Die Antwort: Sie müssen nur die fünf "W" berücksichtigen.

1. Wann?

Die Gretchenfrage für radvernarrte Väter oder Mütter lautet: Wann soll ich meinem Kind das Radfahren beibringen? Die Antwortet lautet – so früh wie möglich. Theoretisch kann das bei manchen Kindern schon ab einem Alter von drei Jahren sein, bei anderen erst mit dem Eintritt in die Schule. Immerhin gilt es auf dem Rad einiges zu meistern, etwa die Balance, das Lenken oder Bremsen. Schauen Sie also einfach, wie sich Ihr Kind macht, etwa beim Balancieren auf dem Spielplatz.

2. Womit?

Radfahren lernt man mit dem Fahrrad, klar. Aber es gibt Vorstufen, die Kindern das Radeln vereinfachen. Das Laufrad etwa ist eine gute Vorbereitung. Immerhin verlangt es ebenso viel Balance-Gefühl wie das Fahrrad, erspart den Kindern aber den zusätzlichen Umgang mit den Pedalen. Und auch der Klassiker, der Tretroller, hat sich als Vorbereitung bewährt. Stützräder indes sind unter Experten inzwischen verpönt – weil sie eine Art Scheinsicherheit vorgaukeln. Kindern gewöhnen sich an die stützende Hilfe der Extraräder und haben dann starke Probleme, wenn die Räder abmontiert werden.
Beim Fahrrad selbst gibt es inzwischen ein reichhaltiges Angebot für die Kleinen. Häufig bewegen sich die Räder preislich auf einem hohen Niveau. Aus Budgetgründen kann daher auch ein gebrauchtes Rad die Aufgabe als Erstfahrrad erfüllen. Hauptsache, es ist verkehrssicher. Und idealerweise ohne Federgabel und ohne Kettenschaltung. Das eine treibt das Gewicht unnötig nach oben, das andere ist für Kinder in der Bedienung oftmals zu schwierig. Haltestangen, die am Sattelrohr befestigt werden, können den Eltern, die nebenherlaufen, den schnellen Griff erleichtern.
Einen Helm zu tragen, sollte Ehrensache sein. Das elterliche Vorbild hilft: Wenn Papa oder Mama auf dem Rad zum Helm greifen, wird das auch für den Junior zu Selbstverständlichkeit.

Ein kleiner Anschubser hilft bei den ersten Fahrten der Kinder.

3. Wie?

Der erste Schritt: Das Rad sollte an das Kind angepasst werden. Richten Sie den Sattel und den Lenker so aus, dass Ihr Kind jederzeit das Gefühl der Kontrolle hat. Etwa, weil es seine Füße auf den Boden stellen kann. Schritt zwei: Beim Aufsteigen halten Vater oder Mutter das Rad fest, auch am Lenker – damit das Wackeln die Kinder nicht verschreckt, und dann werden die ersten Meter mit einem leichten Anschubser gestartet – zuerst ohne Treten, dann mit. Überraschend schnell haben die Kinder den Bogen raus. Anfangs wird sicher noch die elterliche Hand im Rücken benötigt, doch schon schnell werden die Kinder selbstständig fahren. Stolz wird sich breitmachen. Tipp: Ein Lob hat noch nie geschadet.
Ist der Einstieg erstmal geschafft, lassen ein paar Übungen die Fähigkeiten sprunghaft wachsen. Gezieltes Kurvenfahren lässt sich beispielsweise mit einem kleinen Parkour aus Hütchen oder Fußbällen üben. Oder einfach mal Slalom fahren. Üben Sie mit Ihren Kleinen das Bremsen, auch Aufsteigen und Absteigen sind wichtige Disziplinen. Wer mehr will, kann schon einmal den Blick nach rechts und links üben lassen. Dabei gilt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, haben Sie Geduld.
Und wenn Ihr Junior partout nicht mag? Vielleicht einfach wieder mit dem Laufrad behelfen. Sobald die Kumpels aus dem Kindergarten das Radeln beginnen, wird auch Ihr Kind den Versuch wieder wagen wollen. Übrigens, die Verkehrswacht besucht auch Kindergärten und bereitet die Kinder auf den Straßenverkehr vor.

4. Wo?

Es versteht sich von selbst, dass Fahranfänger noch nicht in den Straßenverkehr gehören. Und große Gärten besitzen auch nicht alle Familien. Also muss ein ebener Platz gefunden werden, wo sich die ersten Runden drehen lassen. Das kann an Sonntagen ein verlassener Parkplatz sein oder eine Spielstraße. Beides nicht zu haben? Der ADFC bietet Parcours eigens für Kinder an. Eine andere Möglichkeit sind Verkehrsübungsplätze, die in vielen Städten zu finden sind.
Wenn die Basis des Radelns bereits gelegt ist und es schon um das Verständnis der Verkehrsregeln geht, sind Übungsplätze für die Kleinen ganz groß. Dort sitzen sie in kleinen Autos und müssen in einem abgetrennten Parkour sich ebenso an die Verkehrsregeln halten wie die Erwachsenen.

5. Was ist sonst noch wichtig?

Am Anfang gehört das Stürzen zum Radfahren – auch wenn Tränen fließen. Darum ist es so wichtig, auf einem abgetrennten Platz zu üben (siehe das vierte W). Kommt es zum Sturz, dann trösten – und gleich weitermachen. Denn in aller Regel führen die geringe Fallhöhe und das niedrige Tempo zu einem glimpflichen Ausgang. So manches Kind trägt seine Beulen sogar stolz nach Haus, wenn es im Anschluss wieder einen Lernschritt gemeistert hat.
Und das Wichtigste für alle fünf Ws: Bleiben Sie gelassen – so machen Sie Ihr Kind zu einem sicheren Radfahrer.