Moderne Elektro-Mobilität?

E-Scooter: Der Metz Moover im Alltags-Test

Dieses Jahr werden E-Scooter in Deutschland offiziell zugelassen. Darauf warten Hersteller, Verleiher und Fans der Roller mit Elektromotor. Doch wie fährt sich so ein E-Scooter? Wir haben ein Modell getestet, das schon im Straßenverkehr genutzt werden darf: der Moover von Metz.

Datum:
Metz Moover

Eine Alternative zum Fahrrad? Der E-Scooter Metz Moover.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Keine Billigware aus Asien, sondern ein hochwertiger E-Scooter Made in Germany: Der Metz Moover überzeugt mit einfacher Handhabung, zuverlässigen Komponenten und einer robusten Konstruktion.

Pro

  • leichte Bedienung
  • starker Motor
  • Reichweite
  • Scheibenbremsen

Kontra

  • hoher Preis
  • schwer
  • Handpedal

Metz Moover

Mobilität für die letzte Meile – so werden Elektro-Scooter beworben. Ab Sommer 2019 sollen sie legal durch deutsche Städte rollen. Wir wollten wissen, was die kleinen Elektrofahrzeuge können und haben den Moover von Metz getestet, der schon jetzt mit einer Sonderzulassung im Straßenverkehr fahren darf.

Die wichtigsten Infos zum Metz Moover

Auf den ersten Blick ist der Moover ein recht voluminöser Tretroller. Als Elektrofahrzeug benötigt der E-Scooter einen Motor (250 W) und einen Akku (216 Wh). Klar, dass diese Teile das Gewicht deutlich erhöhen, knapp über 16 Kilogramm bringt der in Deutschland produzierte Roller auf die Waage. Der Hersteller gibt die Reichweite mit bis zu 25 Kilometern an. Im Praxistest zeigte sich: Mit 15 Kilometern kann man locker rechnen, bei sparsamer Fahrweise sind auch 20 drin. Das vollständige Aufladen dauert etwa vier Stunden.
Die Länge im auseinandergefalteten Zustand beträgt 1,17 Meter. Damit das Gerät auch bei der Maximalgeschwindigkeit (20 km/h) sicher zum Stehen kommt, hat das deutsche Traditionsunternehmen seinem Vorreiter im Bereich Elektromobilität Scheibenbremsen spendiert. Klar, dass für eine Straßenzulassung auch eine Lichtanlage Pflicht ist, die der Hersteller vorbildlich eingebaut hat. Der Moover ist in den drei Farben rot, schwarz und grau für jeweils 1.998 Euro erhältlich.
Mett Moover Lifestyle

Der Trend des Sommers 2019? Wenn es nach Herstellern wie Metz Mecatech geht, sind E-Scooter die neuen Must-have-Fahrzeuge im Stadtverkehr.

Metz Moover: So ist der erste Fahreindruck

Zum Aktivieren drückt man einen Knopf, den man auf den zweiten Blick unten vor der Trittfläche findet. E-Scooter fahren ist kinderleicht: kurz antreten, auf 4 bis 5 Stundenkilometer beschleunigen und dann auf den Beschleunigungsschalter (Handpedal) drücken. Mehr muss und kann man auch nicht machen. Der Moover bewegt einen Fahrer zügig mit 20 Stundenkilometern, das ist die rechtliche Grenze für E-Scooter. Ein kleines Display in der Mitte des Lenkers zeigt die Geschwindigkeit und den Akkustand an. Metz hat auf technische Spielereien wie eine App verzichtet, das bewerten wir angesichts der simplen Fahrtechnik als positiv.
Einem Testfahrer gefiel nicht, dass die Trittfläche relativ klein ist. Verbesserungspotenzial sehen wir auch am Beschleunigungsknopf; dass man diesen ständig gedrückt halten muss, nervt nach ein paar Minuten. Ingesamt ist der Metz Moover jedoch gut verarbeitet. Die gesamte Konstruktion macht einen stabilen Eindruck und der Heckmotor hat sogar genug Power um kurze Steigungen zu bewältigen.

Pendeln mit der Bahn und E-Scooter

Von Scooter-Verleihern und -herstellern werden die kleinen Elektrofahrzeuge als Mobilitätslösung für die letzte Meile von Pendlern beschrieben. Wir wollten wissen, wie gut das geht und sind gependelt: Am Abend mit dem E-Scooter in der U-Bahn und 3 Kilometer nach Hause. Am nächsten Morgen von der Wohnung zum Regionalbahnhof und vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt ins Büro.
Das Zusammenfalten des E-Scooters schafft man vor dem Eingang zur U-Bahn mit etwas Übung in weniger als zehn Sekunden. Schön, dass dieses „Gepäckstück“ keine Fahrradkarte benötigt oder an Sperrzeiten in der Rushhour gebunden ist. In einer vollen Bahn ist es trotzdem nervig: Mit einem Meter ist der Moover immer noch zu lang, um niemandem im Weg zu sein, egal wohin man ihn legt oder stellt. Hinzu kommt: 16 Kilogramm trägt man nicht ohne Weiteres eine lange Treppe hinunter.

Galerie: 5 eRoller im Praxis-Test: Die Ergebnisse

Übergepäck in der U-Bahn, Platznot im Regionalzug

Man ist froh, wenn die Fahrt mit der Bahn geschafft ist und man mit dem ausgepackten Roller den Restweg fahren kann. Außerhalb der Innenstadt ist der E-Scooter wenig in seinem Element: Auf geraden, freien Strecken wird es schnell langweilig, die wenig dynamische Haltung und die mittelmäßige Geschwindigkeit lassen schnell zu dem Schluss kommen, man säße lieber auf einem Fahrrad.
Etwas ungeplant nehmen wir den Metz Moover am kommenden Morgen mit in einen überfüllten Regionalexpress. Der E-Scooter ist definitiv nicht darauf ausgelegt, hochkant gehalten zu werden, wir quetschen uns entschuldigend zwischen die Leute und halten den Moover irgendwie an den Reifen umklammert. Die Mobilität von Morgen sieht anders aus. Nett indes ist, am Hauptbahnhof auszusteigen, sich auf den Roller zu stellen und einfach davon zu fahren, während alle anderen in den Bus oder die nächste U-Bahn steigen.

E-Scooter: Besser als ein Fahrrad?

Den Test des Metz Moover haben wir eben auch genutzt, um das Konzept E-Scooter insgesamt zu bewerten. Spaß machen die kleinen Fahrzeuge in der engen Innenstadt auf einer Strecke, die man nicht laufen mag, für die man aber auch nicht extra das Fahrrad rausholen möchte. Ein sehr begrenzter Einsatzbereich.
Lennart Klocke

„E-Scooter sind eine Alternative zum Auto. Eine Alternative zum Fahrrad sind sie indes nicht.“

Lennart Klocke, Redakteur BIKE BILD

Für Viel-Fahrradfahrer sind E-Scooter zudem kein Geschwindigkeitsgewinn: Mit 20 Stundenkilometern statisch dahin zu rollen macht weniger Spaß als mit ein bisschen Bewegung und 25 Stundenkilometern unterwegs zu sein. Elektroroller haben leider kaum das Potenzial, Menschen zu mehr Bewegung zu animieren. Im Vergleich zum Autofahren sind sie trotzdem die bessere Alternative.
Im Pendeltest zeigte sich zudem, dass E-Scooter das Bahnfahren zur Hauptverkehrszeit sogar stressiger machen können. Fairerweise muss gesagt werden, dass ein verstauter Roller in einem normal vollen Zug kein Problem darstellt. Die 16 Kilogramm jeden Tag auf den Bahnsteig oder in die U-Bahn-Station zu tragen, ist aber in jedem Fall kein Spaß.

Metz Moover

Lennart Klocke

von Lennart Klocke

Zwei schmale Reifen, ein tiefer Lenker und eine freie Landstraße: Mehr braucht Lennart Klocke nicht zum Glücklichsein. Als BIKE BILD-Autor testet der Rennrad-Fan am liebsten neues Equipment und Fahrrad-Gadgets.