Start-up Ono stellt Prototyp vor

E-Cargo-Bike von Ex-VW-Chefdesigner

In Berlin hat der Mobilitätsdienstleister Ono seinen E-Cargobike-Prototyp für die Paketbranche vorgestellt. Maßgeblich mitgewirkt bei der Entwicklung hat Murat Günak, Ex-Chefdesigner von Volkswagen. BIKE BILD hat sich das Fahrzeug angeguckt.

Datum:

Motorrad? Fahrrad? Automobil? Technisch ist der Prototyp von Ono ein E-Bike.

Wenn der Ex-Chefdesigner von Volkswagen an der Entwicklung eines E-Bikes beteiligt ist, drängt sich sofort die Frage auf: Wie viel Auto steckt in diesem Fahrrad? Optisch ist die Ono (wie die Sprechweise lautet) eine futuristische Mischung aus Motorrad, Fahrrad und Auto. Technisch handelt es sich bei der Ono um ein zweispuriges E-Cargobike mit einem 250 Watt starken Radnabenmotor, der in der Spitze 1.000 Watt abrufen kann. Das Bike hat Pedale und einen Fahrradlenker, Fahrradsattel sowie eine stufenlose Automatikschaltung.

Der Container ist abnehmbar. Das Ladevolumen liegt bei zwei Kubikmetern, was etwa ein Viertel eines gewöhnlichen Lieferfahrzeugs entspricht. Zunächst ist das E-Cargobike der Paketbranche vorbehalten.

Privatkunden müssen sich gedulden

Trotzdem will so recht kein Fahrradeindruck aufkommen. Bremslicht, Seitenspiegel, Blinklicht sind klassische Merkmale von Pkw. Zudem verbindet man mit einem Fahrrad gemeinhin offenes Fahren – der Wind weht einem um die Ohren, Haare und Kleidung können bei Regen nass werden. Die Ono bietet durch die Kabine einen Regen- und Wetterschutz. Die Zuladung ist respektabel, denn bis zu 300 Kilogramm soll man der Ono zumuten können. Das entspricht etwa einem Viertel eines gängigen Zustelltransporters. Die Reichweite soll bei 50 Kilometer mit einem Akku und bei voller Zuladung liegen.

„Beim Ono-Prototyp kommt ad hoc kein Fahrradfeeling auf. Aber wer weiß schon, wie Fahrräder zukünftig aussehen werden?“

BIKE-BILD-Redakteur

Die Ono ist nicht für Privatkunden gedacht, erstmal jedenfalls nicht. Das Bike richtet sich an Lieferdienste, konzipiert für die „letzte Meile“ der KEP-Branche (Kurier-, Express-, Paketdienste), und soll dort die meistens mit Diesel betriebenen Zustellfahrzeuge ablösen. Die Vision der Gründer Beres Seelbach, Philipp Kahle, Murat Günak: eine saubere und leisere Stadt. Diese Vorstellung habe das Gründerteam zusammengebracht.

Unser Redakteur saß schon mal Probe im Ono-Prototyp. Das Cockpit mit der eingelassenen Digitalanzeige könnte auch einem alten Science-Fiction-Film entstammen.

Finanzierung über Crowdfunding-Kampagne

Die Serienproduktion soll Ende 2019 beginnen. Gekauft werden können die Räder nicht, die Ono-Bikes sollen ausschließlich von Lieferdiensten gemietet werden. Perspektivisch soll auch der Endverbrauchermarkt erschlossen werden, das ist aber noch Zukunftsmusik und vor 2020 nicht zu erwarten. Zur Finanzierung der Projekte für 2019 hat das Start-up eine Crowdfunding-Kampagne via Seedmatch ab 29. November für 60 Tage gestartet.

Alle technischen Daten auf einen Blick

  • ca. 2 Kubikmeter Ladevolumen
  • verschleißarmer Antrieb durch Radnabenmotor
  • 250 Watt Motornennleistung (1.000 Watt Boost)
  • Rückwärtsgang und Anfahrhilfe bis 6 km/h
  • Reichweite 50 km / optional 100 km (Greenpack-Wechselakku 1.400 Wh)
  • Wetterschutz für den Fahrer
  • abnehmbarer Container
  • stufenlose Automatikschaltung
  • Seitenspiegel
  • Lichtanlage inkl. Blinker und Bremslicht
  • Bluetooth-Soundsystem
  • automatische Wegfahrsperre
  • Länge: 3,40 m, Breite: 1,16 m, Höhe: 2,05 m
  • Fahrzeuggewicht ca. 150 kg zzgl. 90 kg Container;
  • Zuladung: ca. 300 kg (inkl. Container)
Daniel Eilers

von

Daniel Eilers ist Redakteur bei BIKE BILD. Räder sind für ihn zweierlei: das perfekte Sportgerät und klügste Fortbewegungsmittel unserer Zeit.