Pedelec mit Vollautomatik

Canyon Precede:On CF 9 im Test

Canyon spricht beim Precede:On CF 9 etwas verklausuliert von "zukunftsorientierter Funktionalität". Was ist damit gemeint? Wir wollten es im Redaktionstest herausfinden. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Das nicht ganz günstige City-E-Bike hat unsere Erwartungen übertroffen!

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Das Precede:On von Canyon fährt sich dynamisch und sportlich. Für Komfort sorgen Sattelstütze und die breiten Reifen.

Fazit: Das müssen Sie wissen

Überragendes Gesamtpaket aus Design, Technik und Fahreigenschaften! Das Bike fährt sich sportlich, dynamisch und bleibt dabei erstaunlich komfortabel. Zudem ist es 100 Prozent alltagstauglich. Könnte ein Hit werden – jedenfalls bei Menschen, die in den Genuss eines Dienstfahrrads kommen. Denn bei einem Preis von 4.999 Euro wird es für viele Radler ein Traumrad bleiben. Schade!

Pro

  • Formsprache und Integrationslevel
  • Automatische Schaltung
  • Komfortwerte trotz Starrgabel
  • Starker Motor

Kontra

  • Kein Händler-Bike
Dieses Pedelec gehört in hippe Metropolen, um möglichst vielen Menschen präsentiert zu werden, die immer noch glauben, E-Bike-Fahren sei nur etwas für ältere Menschen und Funktionsradler. Schöngeister aufgepasst: Das Canyon Precede:On CF 9.0 zeigt, dass es anders geht. Das Rad ist technisch und optisch auf der Höhe der Zeit, ihr vielleicht ein großes Stück voraus, am deutlichsten zu erkennen am futuristischen Design.
Voluminöse Rohre aus Carbon prägen das bullige aber keineswegs plumpe Gesamtbild. Wie das Kiox-Display elegant im Vorbau badet, das ist wahnsinnig schön wie klug gelöst. Technischer Anspruch und gelungene Ästhetik verschmelzen am Beispiel des Monocoque-Cockpits zur mondänen Einheit. Dass die Züge vollständig integriert sind und damit nicht sichtbar, ist beim Precede:On CF 9.0 nur eine Fingerübung. Fans der Marke wissen es: Für innovative und individuelle Lösungen steht der Sportradhersteller Canyon wie nur wenige andere Radhersteller.

Das Cockpit – auch die Bremshebel – kommen von Canyon selbst.

Vollautomatik braucht kurze Eingewöhnungszeit

Auch beim Antrieb stehen die Zeichen auf Fortschritt. Gänge? Hat dieses E-Bike nicht mehr nötig. Die stufenlose Enviolo-Schaltung verrichtet ihre Arbeit vollautomatisch, richtet sich nur noch nach der Trittfrequenz des Fahrers. Das mag anfangs ungewohnt sein, aber mit etwas Fahrpraxis tritt schnell die Gewöhnung ein. Es ist kein Geheimnis: Der Automatikschaltung gehört die Zukunft – auch am Rad.
Metropolen kultivieren das Wechselhafte; das Precede hat für alle Fahrradeventualitäten eine Lösung und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: Schutzblech, Gepäckträger, Licht. Der Heckträger besitzt Adapter für spezielle Taschensysteme. Wer schnell mal für einen Flate White die nächste Barista-Bude ansteuert, muss nur ans Sattelrohr greifen, wo das serienmäßig verbaute Schloss sitzt. Dem Canyon-Bike steht der starke Bosch-Motor, dem keine Steigung zu steil ist, besonders gut zu Gesicht. Starke Räder brauchen starke Motoren – dann aber auch starke Bremsen. Mit den hydraulischen Scheibenbremsen (Durchmesser: 180 Millimeter vorn und hinten) kommt man jederzeit sicher zum Stehen. Der 500 Wattstunden große Akku verschwindet formschön im Unterrohr – noch so eine Fingerübung für die Ingenieure aus Koblenz, will man meinen.

Technische Daten

Preis

4.869 Euro

Rahmen/Gabel

Carbon

Motor/Akku/Display

Bosch Performance Line CX, 500 Wattstunden, Bosch Kiox

Schaltung/Antrieb

Enviolo Automatiq Sport (stufenlos), Gates Riemenantrieb

Bremsen

Hydraulische Scheibenbremsen TRP/ Canyon, 180 Millimeter

Reifen

Schwalbe G-One Allround, 57 Millimeter

Gewicht

24,9 Kilogramm

Zulässiges Gesamtgewicht

140 Kilogramm

Website

www.canyon.com

Fahrverhalten: sportlich, dynamisch, komfortabel

Das Fahrverhalten empfanden wir im Praxistest als überaus sportlich, hierfür sorgt schon das Höhenverhältnis aus Sattel und Vorbau; kleiner Nachteil: Letzterer kann nicht in der Höhe angepasst werden. Damit die Überhöhung moderat bleibt, muss das Oberrohr stark abfallen, sodass – je nach Sitzhöhe – die Sitzposition auf dem Niveau eines Trekkingbikes zu verorten ist. Ins Konzept passt folgerichtig die Starrgabel, die Lenk- und Untergrundimpulse direkt an den Piloten weiterleitet. Das sorgt für direkten Fahrspaß.
In Kombination mit den 27,5-Zöllern und den 57 Millimeter breiten Reifen, die auch auf Naturpisten Grip bieten, entsteht auch kein großer Komfortnachteil. Wer trotzdem Sorgen hat, das Bike würde sich unter Umständen zu hart fahren, dem sei gesagt: Was die dicken Reifen (bitte mit wenig Luftdruck fahren!) an Unebenheiten nicht wegbügeln, schluckt die gespreizte Sattelstütze aus Carbon, eine Innovation, die Canyon vor mehreren Jahren bei seinen Highend-Rennrädern implementiert hat und dort seither sehr hohe Komfortwerte bringt.
Fazit: Überragendes Gesamtpaket aus Design, Technik, Fahreigenschaften. Entwarnung: Dieses teure Traumbike kann man leasen.

Das Precede:On von Canyon ist ein gelungenes Designstück: klare Linien, kräftige Carbonrohre, keine sichtbaren Kabel.

Daniel Eilers

von Daniel Eilers

Daniel Eilers ist Redakteur bei BIKE BILD. Räder sind für ihn zweierlei: das perfekte Sportgerät und klügste Fortbewegungsmittel unserer Zeit.