Alleskönner für Touren und Alltag

E-Trekkingräder im großen Test

Sie träumen von großen Radreisen, planen eine Wochend-Tour oder suchen einen Kilometerfresser für den Alltag? Mit E-Trekkingrädern ist fast alles möglich, was das Radlerherz begehrt. Wir haben acht Modelle getestet.

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Auf E-Trekkingbikes werden Radler zu Entdeckern. Aber auch als verlässlicher Alltagsbegleiter eignen sich die Räder. Kein Radtyp ist vielseitiger!

Machen wir ein Experiment. Stellen Sie sich vor, Sie dürften Ihr Leben lang nur ein einziges E-Bike fahren. Richtig gelesen: Wirklich nur ein einziges Rad für die gesamte Lebensdauer, ein Lebensrad sozusagen. Eine grausame Vorstellung, denken Sie? Vielleicht ist es das, vielleicht aber auch nicht.
Die interessante Frage wäre nun, wofür Sie sich entscheiden würden: Mountainbike? Rennrad? Citybike? Den Genannten wohnt der Nachteil inne, dass sie hochspezialisierte Fahrradtypen sind. Mit dem Mountainbike fahren Sie durchs Gelände und auf grobem Geläuf, mit dem Rennrad überwiegend sportlich auf Asphalt, mit dem Cityrad legen Sie moderate Strecken im urbanen Raum zurück. Und wenn Sie sich partout nicht entscheiden mögen?
Unser Tipp: Das Trekkingbike wäre die richtige Entscheidung. Ohnehin nimmt der Trend zu generalistischen Rädern zu – gut zu beobachten am Gravelbike. Auch im E-Bike-Segment ist diese Entwicklung abzusehen, nicht zuletzt aufgrund der hohen Preise von bis zu 5000 Euro pro Rad. Die meisten Pedelec-Interessenten werden sich entscheiden müssen – und beim E-Trekkingbike landen.

31 Prozent können nicht irren

Knapp ein Drittel aller Radkäufer entscheidet sich bereits für die eierlegende Wollmilchsau. Trekkingräder sind beliebt, offenbar scheinen Käufer die Vielseitigkeit zu schätzen. Schließlich versprechen die Hersteller vollmundig: Das Rad soll im Gelände souverän agieren, weder lange Touren noch kurze Strecken scheuen, gleichzeitig einen hohen Nutzwert im Alltag oder auf längeren Radreisen bieten.
Trekking kommt aus dem Englischen und bezeichnet eigentlich eine mehrtägige Wanderung. Deswegen werden Trekkingräder auch gern mit Reiserädern gleichgesetzt, was unsauber und nicht trennscharf ist. Trekkingbikes bieten mehr als ein Reiserad – sie sind ebenso Alltagshelfer, Tourenbike und Sportrad. Am passendsten ist sicher die geläufige Bezeichung All-Terrain-Bike.
Tatsächlich sind die Räder der größtmögliche Fahrradkompromiss, den Sie auf dem Markt finden können. Mit den Alleskönnern entdecken Sie die Welt, erkunden neue Pfade, nehmen Pfunde ab, sammeln mühelos Kilometer – oder fahren nur mal kurz zum Bäcker. Trekkingbikes fühlen sich in beinahe jeder Umgebung heimisch und wohl.

Große und kleine Ausflüge: Mit E-Trekkingbikes lässt sich unbedenklich dem Ruf der Ferne folgen.

Trekkingbikes: Theorie und Praxis

Die allermeisten dieser Bikes rollen auf 28-Zoll-Laufrädern. Zum Standard gehören Lichtanlage, Schutzbleche und belastbare Gepäckträger für Gepäckaufnahme wie Radtaschen. Außerdem sollten langlebige Komponenten verbaut sein – mit den Rädern fressen Sie schließlich viele Kilometer. Eine übersetzungsstarke Kettenschaltung ist im Zweifel vorzuziehen. Der Motor sollte ausdauernd sein und am Berg kraftvoll zusetzen. So weit die Theorie.
Spannend zu sehen, welche Räder die Hersteller in unseren Test schickten. Anscheinend interpretiert jede Marke Trekking anders. Das Testfeld ist dadurch ziemlich heterogen geworden und bildet die E-Trekking-Bandbreite von komfortabel bis sportlich sehr gut ab.
Im Test finden Sie auch zwei Tiefeinsteiger für Radler, die es entspannt angehen lassen wollen.Einen Spitzensporter, der nach engen Kurven und saftigen Anstiegen lechzt, zwei universelle Kraftpakete sowie drei ausgeglichene Räder für jene, die sich nicht entscheiden mögen – und zum Glück nicht müssen. Zusätzlich einen Exoten aus Bambus.

Ist das denn die Möglichkeit?!

Zweite Erkenntnis: Die Räder sind vielseitiger als man vermutet. Nehmen wir exemplarisch das Bicycles-Bike : Sieht unspektakulär aus und erinnert an ein bequemes Tourenrad für Sonntagsausflüge. Reingefallen! Es geht Ihnen wie dem Autor dieser Zeilen, der das Rad über knöcheltiefes, aufgeschwemmtes Gras, unangenehm hartes Kopfsteinpflaster und schlammige Erdfurchen jagte. Jeden Versuch, das Rad an seine Grenze zu bringen, parierte es beeindruckend bravourös.

Unser Praxistest verlangt den E-Trekkingbikes viel ab.

Nicht nur dieses Fahrrad überraschte uns positiv. Auch die Modelle von Centurion, KTM und Specialized sorgten für beinahe grenzenlosen Fahrspaß. Gräben, Pfützen, Matschwege – wir haben die Räder maßlos in die Mangel genommen. Die gute Nachricht: Die im Test vertretenen Modelle sind alles sehr empfehlenswerte Räder – die Hersteller haben ihre Hausaufgaben überwiegend erledigt. Abzüge fährt das Fischerrad ein, das mit Abstand günstigste Rad konnte qualitativ mit der hochkarätigen Konkurrenz nicht mithalten.
Sie sehen, dass das erwähnte Ein-Rad-Experiment nicht in Restriktion enden muss. Ganz im Gegenteil. E-Trekkingräder bieten die größtmögliche Schnittmenge. Sie sind die Eintrittskarte in die große weite Fahrradwelt. Sie müssen nur noch eintreten!

Alle E-Trekkingräder im Einzeltest

Fahrradmodell

Note

Preis

KTM Macina Sport XT11 ABS CX5

sehr gut

3.999 Euro

Centurion E-Fire Sport R4500i

sehr gut

3.999 Euro

Specialized Turbo Vado 4.0

gut

3.199 Euro

Prophete Entdecker Sport

gut

2.299 Euro

Bicycles Porto 9.5

gut

2.599 Euro

My Boo my Volta Gates

gut

4.499 Euro

Kreidler Vitality Eco 3

gut

2.399 Euro

Fischer Cita 3.0

befriedigend

1.399 Euro

Packsysteme im Überblick

Vom Tagesausflug bis zur Wochenendtour: E-Trekkingräder sind der ideale Begleiter für Radreisen. Wir verraten Ihnen, wie Sie Ihr Gepäck unterwegs transportieren können.
Rucksack
Der Klassiker unter den Transportmitteln. In puncto Ergonomie kaum zu schlagen, denn das Rad lässt sich trotz Zusatzgewicht auf dem Rücken gut kon­trollieren. Nachteil: Der Rucksack am Körper kann auch als störend empfunden werden – vor allem auf längeren Touren. Achten Sie darauf, dass Rückseite und Träger gepolstert sind, um schmerzhafte Druck­stellen zu vermeiden. Netzelemente verbesserndie Belüftung.
Volumen: empfohlen bis zu 35 Liter.

My Boo bietet zusätzlich zum Trekkingrad auch stilvolle Gepäckträgertaschen aus Leder an.

Gepäckträgertasche
Packtaschen lassen sich mittels eines Klicksystems unkompliziert am Gepäck­träger befestigen. Vorteil: Sie können das Gewicht links und rechts verteilen und sich auf dem Rad uneinge­schränkt bewegen. Viele Modelle bestehen aus einer Lkw­-Plane und sind geschützt vor Regen.Achten Sie auf das maxi­male Tragegewicht des Gepäckträgers!
Volumen: bis zu 70 Liter.
Rahmentasche
Entwickelt für Räder ohne Gepäckträger. Per Klett­verschluss kann die Rahmentasche am Oberrohr im Rahmendreieck befestigt werden. Trapezrahmen und Tiefeinsteiger sind im Nachteil. Weiterer Nachteil: Die Rahmenfläche wird effektiv vergrößert, wodurch sich auch die Angriffsfläche bei Wind vergrößert.
Volumen: bis zu 6 Liter.
Satteltasche
Vielen Radlern sind Mini­-Satteltaschen für Werkzeug und Flickzeug bekannt. Bei Bikepackern sind wesentlich voluminösere Varianten beliebt. Per Klettverschluss oder Klicksystem werden diese Modelle befestigt. Perfekt, um Kleidung mitzu­führen. Manche Modelle bieten Volumen füreinen Schlafsack. Vorteil: Satteltaschen können schnell montiert und demontiert werden. Viele Modelle sind wasserdicht.
Volumen: bis zu 15 Liter.
Lenkertasche
Wenn man während der Fahrt schnell etwas zur Hand haben möchte, Handy oder Powerbank, Karten­material oder Energieriegel, bieten sich Lenker­taschen an. Viele Modelle sind wasserdicht. Lenker­taschen lassen sich leicht befestigen. Achten Sie darauf, dass die Tasche das Vorderlicht nicht ver­deckt.
Volumen: bis zu 15 Liter.

So hat BIKE BILD die E-Trekkingräder getestet

Unser Testverfahren für Pedelecs baut zweistufig auf. Zunächst werden die Räder beim Testinstitut Velotech auf dem Prüfstand technisch untersucht. Im Fokus stehen Antrieb und Bremsleistung. Bei E-Trekking-Bikes ist uns die Reichweite wichtig: Macht das Rad auch lange Touren mit? Simuliert wird eine realistische Strecke, bestehend aus Passagen in der Ebene, im hügeligen Terrain, gepaart mit Anstiegen.

Motor- und Bremsleistung messen wir im Labor.

Am Berg wünschen sich Pedelec-Fahrer Hilfe. Der U-Faktor gibt an, wie stark der Motor unterstützt, wenn man am Berg in die Pedale tritt.
Am Ende werden die Motoren beim Stresstest ans Limit gebracht: 20 Minuten lang wird ein 10-Prozent-Anstieg im kleinsten Gang und bei einer Fahrerleisung von 110 Watt simuliert. Wichtig, wenn Sie hügelige Strecken mit viel Gepäck in Angriff nehmen. Sicherheit und gute Bremsen sind Voraussetzung, diese lassen wir bei Trockenheit und Nässe von Velotech untersuchen.
E-Bikes sind natürlich keine reinen Laborobjekte, sondern werden in der Natur von Menschen bewegt, deswegen sind uns Praxiseindrücke sehr wichtig. Erfahrene Testfahrerinnen und Testfahrer bewerten das Fahrgefühl. Das schlägt sich in der Bewertung nieder: Fahrspaß, Design und Ausstattung halten sich mit den drei Motorkategorien (Reichweite, U-Faktor und Stresstest) die Waage.
Die meisten Trekkingbikes sind kostspielig, daher sollten sie auch langlebig sein und mit hochwertigen Komponenten ausgestattet. Dem tragen wir bei Ausstattung Rechnung.
Alle Infos und Erklärungen zum Labortest finden Sie unter:         www.bike-bild.de/so-testet-bike-bild-e-bikes.