Ich will Spaß, ich geb Gas!

E-Mountainbikes für Kinder im Vergleichstest

Dank Kinder-E-Mountainbikes können Kids ihren Eltern auch auf schweren Touren folgen. Wir wollten wissen, welche unterschiedlichen Bike-Konzepte es im Markt gibt und, vor allem, was die Kinder zu den neuen Power-Rädern sagen.

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Volle Konzentration: Die Testfahrer Michel (vorn) und Johann drehen auf dem Dirt Track Runden ohne Ende – möglich durch E-Unterstützung.

Ein Dirt-Track im Hamburger Norden. 150 Meter lang. Vier Tables. Ein hoher Anfahrthügel. Wenn Michel mit seinen gerade sechs Jahren hier trainiert, schiebt er den Anfahrthügel am Ende der Runde hoch und pausiert. Nach zehn gefahrenen Runden sind seine Wangen leuchtend rot, die Konzentration lässt nach, und die Familie tut gut daran, den Heimweg anzutreten.
Und heute? Heute dreht er eine Runde nach der anderen, fährt den Starthügel hinauf, nur um direkt an den älteren Downhill-Jungs vorbeizumanövrieren und gleich wieder Anlauf auf den ersten Table zu nehmen. Warum das so leicht geht? Weil Michel auf dem Twentyfour-Six von Ben-E-Bike sitzt, welches ihn bei Bedarf mit 250 Watt Leistung aus seinem Hinterradnabenmotor unterstützt.

Galerie: 7 Kinder-E-Mountainbikes im Test

Als Kind erst einmal auf Motorunterstützung verzichten?

Ein Sechsjähriger auf einem E-Bike? Der soll doch besser erst einmal richtig Fahrradfahren ohne E-Unterstützung lernen! Tatsächlich wird derzeit viel über Sinn und Unsinn von E-Bikes für Kinder diskutiert. Die einen meinen, Kinder seien noch nicht in der Lage, mit so viel Power umgehen zu können. Andere meinen, sie sollten erst einmal ihre physischen Möglichkeiten, sprich ihre Muskulatur, durch Eigenarbeit stählen.

Sieben Testfahrer/- innen, sieben Kinder-E-Mountainbikes, ein steiler Berg. Was ohne Unterstützung unfahrbar wäre, animiert hier zum Rennen

Das sei zum Teil richtig, meint Sören Zieher, Gründer und Chef bei Vpace, einem kleinen Unternehmen aus der Nähe von Ravensburg, das sich unter anderem mit Performance-orientierten Kinder-Mountainbikes ohne E-Antrieb einen Namen gemacht hat. Auf der anderen Seite könne so ein E-MTB für Kinder als Range-Extender dienen, die Kleinen könnten so längere Touren mit den Eltern zusammen fahren und somit die schöne gemeinsame Zeit des Radfahrens deutlich verlängern.
„Wenn bei der Auswahl der gemeinsamen Touren nicht alles auf den Nachwuchs abgestimmt werden muss, haben Eltern und Kinder letztlich mehr Spaß“, sagt Robin Krichel, Geschäftsführer von Ben-E-Bike. Die meisten seiner Kunden, so Krichel, hätten die Erfahrung gemacht, dass ihre Kinder plötzlich viel mehr Fahrrad fahren würden. Und selbst wenn sie sich zwischendurch helfen ließen, würde dies einen positiven Effekt auf ihre Gesundheit haben.

Verschiedene Konzepte für die Kids

Motor- und manuelle Unterstützung reichen manchmal auch zusammen nicht aus.

Haben sich fahrradaktive Eltern einmal entschlossen, ihr Kind auf ein E-MTB zu setzen, werden sie sich damit konfrontiert sehen, dass es völlig unterschiedliche Ansätze bei der Konzeption dieser Zweiräder gibt.
Auf der einen Seite sind die Unternehmen, die den Kindern möglichst leichte Fahrräder zur Verfügung stellen möchten. Das sind zum Beispiel Ben-E-Bike und Vpace als Nischenanbieter und – erstaunlich – Orbea als Vollsortiment-Hersteller. Jedes Bauteil bei dem von uns getesteten Twentyfour-Six von Ben-E-Bike hat Krichel so durchdacht und auf geringes Gewicht hin getrimmt, dass sein nur elf Kilogramm leichtes Bike problemlos von unserem sechsjährigen Testfahrer Michel gefahren, getragen und auch hochgehoben werden kann.
Auf der anderen Seite haben wir große Firmen wie Bulls, Scott, Bergamont und Giant. Sie haben großenteils Erwachsenentechnik in einen zwar geschrumpften, aber nicht besonders aufwendig konzipierten Rahmen gesteckt. Heraus kommen dabei Bikes, die mit rund 20 Kilo oder mehr außerhalb des Fahrbetriebs für Kinder nicht zu handeln sind. Das Bike eine Treppe hochtragen oder in einer vollgestellten Garage herumheben – Fehlanzeige.
Nun zählt hier aber nicht nur die Meinung des erwachsenen Testleiters, der – bitte sehen Sie es nach – die leichten Konzepte favorisiert. Die Meinung der Kinder soll hier ein tragende Rolle spielen. Und fragen Sie unsere Tester zwischen sechs und 13 Jahren nach ihren Favoriten, so zeigen viele auch auf das schwere Giant, und das nicht nur, weil es einen starken Motor und viel Federweg an der Gabel hat. „Es ist irre stark, hat viel Federweg und man fühlt sich sehr wohl und sicher darauf “, sagt Ludwig, der mit elf Jahren beste Springer im Feld.

Steil bergab geben die großen Vpace-Laufräder Sicherheit.

Und es gibt weitere Gründe für stabile E-MTBs. „Unsere Bikes sollen so robust wie möglich sein“, sagt Felix Diehl von Scott, der auch für das Bergamont aus der Unternehmensfamilie sprechen kann und darauf hinweist, dass es im Gelände oft ruppig zugeht. Auch das Design sei sehr wichtig, damit die Kids überhaupt Lust hätten, das Bike zu fahren.
Das leuchtet uns ein. Allerdings liegen bei den Kids andere Räder vorne: Vpace („das ist echt schön“) und Giant („die Farbe ist super“) machen hier das Rennen, gefolgt von Orbea und Ben-E-Bike.

Das Zusammenspiel zwischen E-Bike-Antrieb und Kind

Was ist mit der Motorenleistung? Überfordert sie die Kinder? Unsere Erfahrung sagt, dass die Kinder sehr schnell ein Gefühl dafür entwickeln, welche Unterstützung sie beherrschen können. Das Ben-E-Bike wurde von den kleineren Fahrern fast immer in der zweiten von fünf möglichen Unterstützungsstufen bewegt. Und auch bei den von Bosch-Motoren gepushten Bikes waren die meisten Fahrer spätestens mit dem Tour-Modus mehr als zufrieden.

Ludwig (links, 11) und Michel (6) im Handlingtest. Beide konnten das Ben-E-Bike hochheben. Das 20-Kilo-Scott schaffte keiner.

Apropos Risiko: Wer sieht, wie sich die Kids in Bike-Parks bewegen, wie sie durch Anlieger zu Tal brettern und Drops von einem Meter Höhe nach kurzer Übungszeit bewältigen, der hat bei motorunterstützten Bergauffahrten keine Angst mehr um den Nachwuchs. Die Lernkurve der Mini-Biker ist steiler als mancher Anstieg.
Es sei hier betont, wir sprechen über E-MTBs, die von den Kleinen hauptsächlich im Gelände bewegt werden sollen. Nichtsdestotrotz, es wird auch im Verkehr gefahren. Darum sollten Eltern natürlich immer im Vorfeld Gefahren erläutern und dann gefahrene Manöver umgehend besprechen und analysieren.

Akku leer, Tour vorbei?

Wer der Vernunft seiner Sprösslinge nicht traut, der kann via Software und App bei den Bikes von Ben-E-Bike und Orbea die Unterstützung des Gefährts anpassen und drosseln. Sehr gut.
Zurück zu den Konzepten. Es gibt in unserem Testfeld Fahrräder, die ohne Motorunterstützung eigentlich nicht mehr zu fahren sind. Sollte der Akku einmal leer sein, bremsen Gewicht und auch die Bauart des Motors die Kinder dermaßen ein, dass nur noch die Abfahrt vom Berg als Alternative taugt.
Anders ist das – wieder – bei den drei Anbietern der leichten Räder. Sowohl das Ben-E-Bike – aufgrund des äußerst geringen Gewichts – als auch das Orbea lassen sich aufgrund ihres in der Hinterradnabe verbauten Motors sehr gut ohne E-Anschub fahren. Ganz eigen kommt dann noch das Vpace daher. Hier lässt sich die gesamte Antriebseinheit von Fazua entnehmen, wodurch das Gewicht auf zwölf Kilogramm zusammenschmilzt.

Bewertung beim Testleiter. Fahrer Ludwig teilt seine Einschätzung mit. Die Meinung der Kinder wich mehr als einmal von der des Erwachsenen ab.

Zufriedene Testfahrer

Noch etwas Besonderes: Die meisten Hersteller setzen auf 24-Zoll-Laufräder. Giant spendiert seinem Fathom E+ Junior 26 Zoll, was sofort kürzere Fahrer ausschließt. Ben-E-Bike hingegen baut in einem kleinen Rahmen nur vorne ein größeres Laufrad ein, welches die meisten Unebenheiten schlucken soll.
Einen noch anderen Weg geht Vpace. Hier werden Kinder-MTBs grundsätzlich mit Laufrädern geliefert, die eine Nummer größer ausfallen als normal – gemäß dem 29er-Prinzip bei Erwachsenen. Heißt, obwohl 26er-Laufräder, lässt sich Emil ab einer Körpergröße von 1,30 Meter sicher fahren.
Eins hat unser Test gezeigt, in dem jedes Kind – soweit es die Größe erlaubte – jedes Bike gefahren ist. Kinder finden E-Bikes im Gelände super. Sie fahren länger und haben somit auch mehr Möglichkeiten, ihre Manöver, ihre gesamte Technik und Erfahrung zu verbessern. Doof ist nur, wenn sie das Bike – wie in unserem Test-Fall – wieder abgeben müssen.

Alle Kinder-E-Mountainbikes im Überblick

Fahrradmodell

Preis

Orbea eMX 24

1.899 Euro

Vpace Emil

2.990 Euro

Bulls Twenty4 E Junior

1.999 Euro

Bergamont E-Revox Junior

1.999 Euro

Giant Fathom E+ Jr.

1.999 Euro

Ben-E-Bike Twentyfour-Six E-Power

1.799 Euro

Scott Roxter eRide

1.999 Euro

Galerie: 7 Kinder-E-Mountainbikes im Test