Für Straße und Schotter

Allroad-Rennrad Votec VRC im Test

Das Votec VRC steht exemplarisch für eine neue Art des Rennrades: schnell, vielseitig, robust. Wir haben das Allroad-Bike ausführlich auf und neben der Straße getestet.

Datum:
Votec VRC

Schicker, robuster Rahmen plus viel Reifenfreiheit: Das Votec VRC ist ein Rennrad, das auch auf unbefestigte Wege mitgenommen werden kann.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Für so manchen Radsportler könnte das Votec VRC Comp die bessere Alternative zur Anschaffung eines Gravelbikes sein: Der Straßenradsport-Charakter bleibt erhalten, unbefestigte Wege werden für Training und Tour eröffnet. Für den Renneinsatz bietet das Votec im Bereich Laufräder/Reifen einiges an Tuningpotenzial.

Pro

  • Radsport auf allen Wegen
  • robuste Konstruktion
  • Sram Rival AXS inkl. Powermeter
  • Preis-Leistung
  • innovative Sattelstützenaufnahme
  • inkl. Tubelesskit
  • Schutzblechfassungen

Kontra

  • für ein Rennrad relativ schwer
  • Schlauchwechsel schwierig
  • Kein Spezialist für Straße oder Schotter

Votec VRC Comp

Radsport verändert sich: Dass die Zeiten von 23-Millimeter-Reifen vorbei sind, bestreitet niemand mehr, Scheibenbremsen sind zurecht Standard. Auch die Rahmengeometrien sind in den meisten Fällen längst deutlich entspannter. Ein horizontales Oberrohr findet man nur noch an ausgewiesenen Aero-Rennrädern, alle anderen cruisen mit abgesenktem (gesloptem) Oberrohr. Die Folge: Endurance-Rennräder, für die meisten Hobbyfahrer das Bike der Wahl, sind sehr komfortabel und im Einsatzbereich sehr vielseitig. Vergrößert man nun die Reifenbreite, entsteht gar eine neue Nische, die neue Wege für Radsportler eröffnet – ohne gleich, wie das vielbeachtete Gravelbike, komplett ins Gelände auszuweichen: Allroad.

Für wen eignet sich ein Allroad-Rennrad?

Anhand des Votec VRC Comp lässt sich gut erklären, was ein Allroad-Rennrad auszeichnet, für welchen Einsatzbereich es sich eignet und wo die Limitationen dieses Konzepts liegen. Vereinfacht gesagt, ist das VRC ein Endurance-Rennrad, das bis zu 35 Millimeter breite Reifen aufnehmen kann. Schnell genug für die Straße, mit genügend Grip und Dämpfung für Rumpel-Asphalt, Parkwege sowie trockenen, festen Schotter. Wichtig: Das Allroad-Konzept richtet sich an Radsportler. Anders als ein Gravelbike, das neben Sport auch für Bikepacking, Trails und Commuting ausgelegt sein kann, geht es hier in erster Linie um Training und schnelles Fahren. Auch Radmarathons und lange Straßenrennen sind mit Bikes wie dem Votec VRC drin.

Das Votec VRC mit 35-Millimeter-Reifen kann nicht nur Straße, sondern auch einfache Offroad-Passagen.

Allroad-Rennrad im Test: Votec VRC

In der aktuellen 2022er-Ausführung gibt es das Votec VRC in einer Rahmenfarbe (schwarz) mit zwei Ausstattungsoptionen: VRC Pro mit Ultegra Di2 (3499 Euro) und VRC Comp mit Sram Rival AXS (2999 Euro), wir haben letztere Variante getestet. Mit Sram Rival bringt das VRC 9,2 Kilogramm auf die Waage, spielt gewichtstechnisch also eher in einer Liga mit Gravelbikes als mit Rennrädern. Das Gewicht wird vom robusten Carbonrahmen, von den stabilen Allroad-Laufrädern von Mavic sowie von den relativ schweren Sram-Rival-Komponenten nach oben gedrückt – elektronisch heißt nicht automatisch leichter.

Das 48er-Kettenblatt wirkt ungewohnt klein, dank 10er-Ritzel hinten kann man jedoch auch dicke Gänge treten.

Die Rival-Schaltung sorgt indes dafür, dass das Thema Gewicht beim Fahren praktisch keins ist: Dank zwölf Gängen mit bis zu 36 Zähnen an der Kassette ist man am Berg so gut wie nie aufgeschmissen. Vorn wird elektronisch zwischen 48 und 35 Zähnen gewechselt, trotz dieser recht kleinen Kettenblätter hat man auf dem 10er-Ritzel (Vorteil Sram 12-fach) den passenden Gang für schnelle Bergabfahrten. Im Test des VRC konnte die elektronische Funkschaltgruppe ebenso überzeugen wie an anderen Gravelbikes und Rennrädern zuvor. Für Sram AXS sprechen das einfache Akku-Handling, die simple Bedienlogik und die Möglichkeit, die Schaltung den eigenen Vorlieben via App anzupassen. Darüber hinaus sind die Rival-Griffe auch auf längeren Ausfahrten äußerst angenehm. Kleines Manko: Ganz so geräuschlos wie Shimano läuft Sram Rival nicht, die Flattop-Kette bleibt trotz gründlicher Schmierung und optimaler Umwerfer-Einstellung beim Treten hörbar.

Vorteil Zwölffach: Sram Rival bietet mehr Gänge als vergleichbare Elffach-Gruppen, sowohl am Berg, als auch in der Abfahrt.

Ein Grund, sich gegen die Rival-Schaltgruppe zu entscheiden, ist das jedoch nicht. Ein Grund, sich für die Rival zu entscheiden ist das passende Powermeter, das Votec dem VRC spendiert hat. Der Leistungsmesser von Quarq sitzt in der Kurbelwelle, harmoniert perfekt mit der AXS-Welt von Sram und ist zum Batteriewechsel schnell entnommen. Klares Plus für das VRC, Radsportler sparen sich die oft teure Nachrüstung des für ambitionierte Fahrer notwendigen Leistungsmessers.

Nix Flare: Votec hat dem VRC einen klassischen Rennradlenker spendiert.

Der Rahmen des Votec VRC

Votecs VR Knot soll den Komfort erhöhen und die Montage der Sattelstütze erleichtern.

Der Hingucker des VRC ist der Carbonrahmen, der von einem renommierten Heidelberger Designbüro (vonrafael) angefertigt wurde: Form und Farbe sind schlicht gehalten, der Votec-Schriftzug am Oberrohr hält sich dezent zurück. Highlight ist der VR-Knoten an der Sattelklemmung, die Konstruktion sorgt nicht nur für mehr Flexibilität, sondern ermöglicht es auch, die Sattelstütze für Reisen schnell ab- und anzumontieren und dabei die gleiche Höheneinstellung und die gleiche Ausrichtung beizubehalten. Ein nettes Feature aber nicht kriegsentscheidend, insbesondere, weil an den meisten Sattelstützen inzwischen Markierungen für den Einschub sind.

Der Cableport sieht zwar schick aus, leider könnte die scharfe Kante an der Bremsleitung reiben.

Im Rahmen finden laut Hersteller Reifen mit bis zu 35 Millimeter Breite Platz. 36 oder 37 Millimeter sollten inoffiziell ebenfalls drin sein. Ausgestattet ab Werk ist das VRC mit 32er Semi-Slicks von Vittoria: Die Terreno Zero kommen mit Schlauch, ein Tubeless-Kit gehört aber ebenso zum Lieferumfang. Wir sehen keinen Grund, auf die Tubeless-Umrüstung zu verzichten: Das Fahren auf Schotter wird dank niedrigerem Luftdruck komfortabler, darüber hinaus sinken der Rollwiderstand und das Pannenrisiko. Die 32-Millimeter-Reifen sind eine gute Wahl: die glatte Lauffläche bringt Speed auf Asphalt, die Außenkanten sind immerhin etwas profiliert, sodass man sich auch auf Parkwegen sicher in die Kurve legen kann. An ihre Grenzen kommen die Terreno Zero, sobald man bei Nässe den Asphalt verlässt oder sich gar auf Schotter- und Sandwege begibt. Dafür bräuchte man eben doch echte Gravelreifen mit Noppen.

Die Reifen von Vittoria rollen ordentlich auf der Straße und bieten auf trockenem Gravel ausreichend Grip.

Eine gute Wahl passend zu den Reifen sind die Laufräder, Mavic Allroad S Disc. Die Alu-Felgen stellen in puncto Gewicht zwar keine Benchmarks auf (1765 Gramm), sind allerdings äußerst stabil, hookless und für den Tubelessbetrieb entwickelt. Die Maulweite von 22 Millimeter passt überdies gut zu den 32-Millimeter-Reifen, die somit weniger in Glühbirnenform gedrückt werden, sondern schön gleichmäßig aufbauen. Die Reifen-Laufrad-Kombination am VRC kann nur als äußerst stramm bezeichnet werden. Wir empfehlen Tubeless auch deshalb, weil man den Mantel unterwegs zum Schlauchwechsel praktisch nicht von der Felge bekommt. Wer einen Einstich hat, muss sich auf die Dichtmilch verlassen oder mit einem Repair-kit zu Werke gehen.

Die Gabel von Votec nimmt die Bremsleitung sehr elegant auf.

Allroad-Rennrad oder Gravelbike?

Auch beim Votec VRC gilt: Reifen und Laufräder entscheiden über das Fahrverhalten und den Einsatzbereich. Mit Carbon-Felgen und 28-Millimeter-Slicks wird das VRC zum respektablen Straßenrenner, der auf jeder Gruppenausfahrt vorn fährt. Anders als bei Gravelbikes, die theoretisch auch alle Arten von Reifen und Laufrädern aufnehmen können, ist das VRC konsequenter ein Rennrad als ein Alleskönner. Diesen Befund untermauern zum Beispiel der Rennlenker mit klassischem Drop statt Gravel-Flare, der lange Vorbau (110 mm in Größe L) und die Gangauswahl im Bereich jenseits von 30 Stundenkilometern. Nicht falsch verstehen, das VRC ist kein Sprinter, sondern ein Langläufer. Es vermittelt die auf unbefestigten Wegen so wichtige Laufruhe und liegt sicher auf der Straße.

Auf den ersten Blick ein Endurance-Rennrad, auf den zweiten Blick offenbaren sich die Offroad-Kapazitäten.

Für wen ist das Votec VRC geeignet?

Das VRC richtet sich an Radsportler, die bei Gran Fondos und Radmarathons an den Start gehen, ohne auf das letzte Watt an Aerodynamik Wert zu legen. Dank Powermeter kann man die Leistungsentwicklung verfolgen und die Belastung kontrollieren, mit der breit abgestuften Gangschaltung ist man in eigentlich jedem Terrain gut aufgehoben. Das VRC wird ebenso Radfahrer glücklich machen, die den Straßenverkehr auf dem Weg zum Training umgehen möchten, oder einen Teil ihrer Runde auf autofreien Feldwegen absolvieren möchten. Überdies ist das VRC ein Do-it-all-Rennrad für Ganzjahrestraining: Im Rahmen finden sich gut versteckt Schraubfassungen für Schutzbleche und die breiten Reifen dürften auch bei Nässe und Dreck in den Wintermonaten gut performen.

Technische Daten Votec VRC Comp

  • Preis: 2999 Euro
  • Gewicht: 9,2 Kilogramm
  • Rahmen/Gabel: Carbon
  • Schaltgruppe: Sram Rival AXS (elektronisch), 2x12-fach, 48/35 Zähne vorn, 10-36 Zähne hinten
  • Bremsen: Sram Rival, hydraulische Scheibenbremsen (160/140 Millimeter)
  • Reifen: Vittoria Terreno Zero, 32 Millimeter
  • Laufräder: Mavic Allroad S Disc, Aluminium (tubeless-ready)

Zur Homepage von Votec

Votec VRC Comp

Lennart Klocke

von Lennart Klocke

Zwei schmale Reifen, ein tiefer Lenker und eine freie Landstraße: Mehr braucht Lennart Klocke nicht zum Glücklichsein. Als BIKE BILD-Autor testet der Rennrad-Fan am liebsten neues Equipment und Fahrrad-Gadgets.