22 Gravelbikes im Vergleich (Modelle 2020)

Der größte Gravelbike-Test aller Zeiten – jetzt in BIKE BILD

Spaß statt Straße: Rennräder auf breiten Reifen sind das große Thema der Fahrradindustrie. Warum lösen diese Gravelbikes genannten Räder so viel Begeisterung aus? Wir verraten, was hinter der Faszination Gravelbike steckt. Außerdem haben wir 22 Modelle getestet – der größte Gravelbike-Vergleichstest aller Zeiten.

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Egal ob Sie ambitionierter Radsportler oder abenteuerlustiger Bikepacker sind – ein Gravelbike bringt Sie an Ihr Ziel.

Das klassische Rennrad stirbt aus. Superschmale Straßenreifen, das horizontale Oberrohr und die stark gebeugte Race-Haltung sind nur noch für Rennfahrer. Der Komfortfaktor der Rahmen indes steigt, und Rennradlenker sieht man vermehrt auch im Gelände. Passend dazu werden die Reifen im Durchschnitt jedes Jahr ein wenig breiter. Die Folgen: mehr Natur, mehr Vielfalt, mehr Spaß – mehr Rad fahren so, wie es sein sollte. Das Rennrad? Überholt. Es lebe das Gravelbike!
Das Wort Gravel (englisch: Schotter, Kies) steht bei manchen Rad-Traditionalisten noch im Verdacht, ein weiteres Marketing-Buzzword zu sein. Tatsächlich beschreibt das Wort Gravel die Idee dahinter nur unzureichend. Spricht man von einem Gravelbike, meint man eigentlich ein Rennrad für alle Wege. Nicht nur Asphaltstraßen, sondern auch sandige Radwege, matschige Waldböden und steinige Gebirgspfade – also alles, was sich zwischen den Extrempolen Straßenrennrad und Mountainbike bewegt. Gravelbikes zeichnen sich durch eine großzügige Übersetzungsbandbreite am Schaltwerk aus, mit der auch steile Anstiege im Gelände erklettert werden können. Scheibenbremsen sind die beste Wahl, um bei Dreck und Regen zu stoppen. Sie sind darum an allen Gravelbikes zu finden.

Das Gravelbike im Detail – Unterschiede zum klassischen Rennrad

Das wesentliche Merkmal der Gravelbikes jedoch sind die Reifen, weswegen dieser Radtyp eingedeutscht auch als Breitreifenrennrad bezeichnet wird. Gravelreifen, zwischen 35 und 45 Millimeter Breite, gibt es als Slicks, mit Allround-Profilen oder mit groben Offroad-Stollen. Je nachdem, was man möchte. Hier offenbart sich das ganze Wesen des Radtyps. Es ist nämlich kein enger Begriff, der eine kleine Radgattung klassifiziert. Vielmehr ist das Gravelbike eine Plattform für die verschiedensten Anwendungsbereiche und Unternehmungen. Somit ist „Gravelbike“ eben kein Marketing-Buzzword, sondern die nächste Evolutionsstufe des sportlichen Fahrrads.

Gravelbikes bieten die Lizenz zum Spaßhaben, auch abseits ausgetretener Pfade.

Früher galt unter Fahrrad-Fanatikern die Regel N+1. Sie besagt, dass man immer ein Rad mehr braucht, als man schon hat: Stadtfahrrad, Straßenrenner, Cross-Country-MTB, Fully, Reiserad, Cyclocrosser und so weiter. Das Gravelbike schickt sich nun an, diese Regel außer Kraft zu setzen, die neue Radgattung ist so vielseitig wie keine vor ihr. Wer also ein Gravelbike kauft, holt sich gleich mehrere Fahrräder ins Haus. Mit pannensicheren Reifen und der Alltags-Dreieinigkeit aus Lichtanlage, Schutzblechen und Gepäckträger werden Gravelbikes zur Pendlermaschine für jeden Tag. Die robusten Rahmen widerstehen den Widrigkeiten des Alltags und verfügen oft über spezielle Fassungen für Spritzschutz und Gepäckträger.

Galerie: Die wichtigsten Merkmale von Gravelbikes

Mit den richtigen Reifen wird das Gravelbike trailtauglich

Wer indes Reifen mit einem Mischprofil für Straße und Schotter aufzieht, kann sein Gravelbike als Sportgerät nutzen und im Wald und über Feldwege praktisch Rennrad fahren. Radsport abseits der Straßen, ohne Autos oder Ampeln – ein Traum! Noch weiter hinaus in die Wildnis geht es mit 29er-Stollenreifen, für bessere Lenkeigenschaften im Gelände und mehr Stabilität wählen viele Abenteurer auch die etwas kleineren 27,5-Zoll-­Räder mit großvolumigen Reifen. Optimal ergänzt wird diese Offroad-Ausstattung durch einen Antrieb mit nur einem Kettenblatt – alles Komponenten, die man sonst an einem Mountainbike findet.
Wer die volle Flexibilität für seine Gravel-Plattform möchte, profitiert von Upgrades: Steckschutzbleche und -lichter beispielsweise machen das Sportrad blitzschnell zum Pendler, durch einen zweiten Laufradsatz mit Geländereifen wiederum wird es im Handumdrehen trailtauglich.

Stillgestanden, Natur genießen. Gravelbikes, auch Breitreifenrennräder genannt, bringen Radler dorthin, wo das klassische Rennrad seinen Dienst versagt

Sporträder zwischen Alltag und Abenteuer, Rennrad und Mountainbike

Klar, dass die Fahrradindustrie auf den Gravelzug aufgesprungen ist. Innerhalb weniger Jahre hat so gut wie jeder Sportradhersteller ein eigenes Gravelbike auf den Markt gebracht. Das Spannende: Es gibt so viele Interpretationen dessen, was ein Gravelbike ist, wie es Hersteller gibt. Alle bewegen sich im Koordinatensystem zwischen Alltag und Abenteuer, zwischen Rennrad und Mountainbike.
Mit dem Gravelbike wurde das Rad nicht neu erfunden. Aber diese neue Art Fahrrad verbindet wie keine vor ihr das Angenehme mit dem Nützlichen und eröffnet neue Horizonte. Wir sind uns sicher: Jeder, der gern Rad fährt, wird an einem Gravelbike seine Freude haben.

Der prüfende Blick des Redakteurs. Wir haben uns viel Zeit für jedes Gravelbike bei der Bewertung und Betrachtung genommen.

Deutschlands größter Gravelbike-Test

Unser Gravelbike-Test ist der größte Fahrradtest, den unsere Redaktion bisher gestemmt hat – und wohl der größte Gravelbike-Test, der von einem Fahrradmagazin bisher veröffentlicht wurde. Hunderte von Kilometern verbrachten wir auf dem Sattel der insgesamt 22 Bikes und sprachen mit Herstellern und Branchenexperten. Wir tauschten uns untereinander intensiv aus und haben herzhaft über Lenkerformen, Reifenbreiten und Sättel diskutiert und manchmal auch gestritten.
Pluralität gehört zum Wesen der Gravelsparte. Nehmen wir Scott, eine Marke mit sportlichen Wurzeln, als Beispiel für einen Ansatz, der am racigen Rand der Gravelnormalverteilung steht. Ihrem Addict Gravel auf Basis des Rennradrahmens spendieren die Schweizer nur einen 35-Millimeter-Reifen. Manches Disc-Rennrad rollt ähnlich breit vom Band.
Den entgegengesetzten Weg schlagen die Schweizer Kollegen von BMC ein. Die Modellreihe URS fußt auf einer gänzlich neu entwickelten Plattform mit spezifischer Geometrie, einer Mischung aus Mountainbike und Rennrad. Die Schweizer zeigen, was derzeit technisch möglich ist: Dämpfungs-Elastomer, elektronische Schaltung, Reifenfreiheit, Gravelfeatures. Daneben ist von Gravellern mit Cross-DNA (Stevens und Orbea) sowie Abenteuerrädern (Salsa oder Merida) bis zu Pendler-Alltagsbikes (Bergamont und Canyon) viel dabei. Die Gravelwelt ist bunt, spannend und innovativ.
Die Räder sind in drei Preiskategorien unterteilt: bis 2.499 Euro, von 2.500 bis 4.999 Euro und darüber. Gravelbikes sind nicht günstig, Scheibenbremsen, hochwertige (Carbon-)Rahmen, robuste Laufräder, Entwicklungskosten, all das hat letztlich seinen Preis.

Diese Gravelbikes haben wir getestet

Gravelbikes bis 2.499 Euro

Canyon Grail AL 7.0

1.699 Euro

Cube Nuroad SL

1.699 Euro

Fuji Jari 1.1

1.999 Euro

NS Bikes Rag+1

1.899 Euro

Stevens Prestige

1.799 Euro

Gravelbikes von 2.500 bis 4.999 Euro

Argon 18 Dark Matter

4.540 Euro

Bergamont Grandurance Elite

2.799 Euro

Canyon Grail CF SL 8.0

3.599 Euro

Centurion Crossfire Gravel 4000

2.599 Euro

Merida Silex+ 6000

2.899 Euro

Orbea Terra M20D

3.259 Euro

Rondo Ruut CF2

2.999 Euro

Salsa Warbird

3.499 Euro

Standert Pfadfinder

3.499 Euro

Storck Grix

2.899 Euro

Trek Chckpoint SL5

2.999 Euro

Gravelbikes ab 5.000 Euro

Airstreeem Gravel One

5.176 Euro

Basso Palta

5.199 Euro

BMC Urs One

8.999 Euro

Cervélo Aspero

6.000 Euro

OPEN WI.DE.

7.500 Euro

Scott Addict Gravel 10

6.499 Euro