Neuer Semi-Slick

Gravelreifen G-One RS im Praxis- und Labortest

Schwalbe hat eine Lücke im Gravelportfolio geschlossen: der G-One RS ist ein schneller Semi-Slick-Reifen für Gravelrennen und befestigte Schotterwege. Wir haben den Reifen im Labor und auf der Straße getestet.

Datum:
G-One-RS

Den neuen Schwalbe G-One RS habe ich in 35 Millimeter Breite auf einer Aerycs-Felge mit 22 Millimeter Maulweite getestet.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Starker Auftritt! Mit dem G-One RS legt Schwalbe die Messlatte für schnelle Gravelreifen wieder ein Stück höher. In allen Performance-Punkten kann der Reifen überzeugen.

Pro

  • äußerst schnell
  • Grip bei Trockenheit
  • Montage
  • Dichtigkeit
  • Design

Kontra

  • Preis
  • Grip bei Nässe und Matsch

Schwalbe G-One RS

Es war schon ein bisschen kurios, als ich im Frühjahr zum Gravelreifentest im Labor von Schwalbe gewesen bin: Ich sagte zu Produktmanager Peter Krischio, dass ich auch in privater Sache hier sei, und zwar um ihn zu fragen, wann Schwalbe denn endlich einen guten Semi-Slick für Gravelbikes auf den Markt bringt. Peter grinste nur, griff in den Laborschrank hinter sich und holte einen neuen Reifen heraus. „Da hast du deinen Semi-Slick, der neue G-One RS.“

Semi-Slick-Reifen am Gravelbike

Semi-Slicks sind für mich die beste Option am Gravelbike: Die Lauffläche in der Mitte ist glatt oder nur leicht profiliert, wie bei einem Straßenreifen, an den Außenkanten gibt es Noppen, die in schottrigen Kurven und im Gelände den nötigen Grip geben sollen. Diese Art Reifen ergibt für mich am meisten Sinn, weil ich mich mit dem Gravelbike vorwiegend auf einfachen Schotterwegen und schlechten Nebenstraßen unterwegs bin und dort lieber etwas schneller fahre, anstatt mit dicken Stollenreifen jedes Sumpfloch auf meinem Weg mitzunehmen.

Der neue Schwalbe G-One RS ist als Reifen für Gravelrennen konzipiert. Vor Veröffentlichung gewannen Schwalbe-Athleten mit dem RS bereits das "The Traka" in Girona und das Gravel Locos.

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Natürlich ist der G-One RS nicht der erste Gravelreifen mit Semi-Slick-Profil. Mitbewerber im Schottersegment wie WTB, Panaracer und Co. haben schon länger ähnliche Modelle im Sortiment, auch Schwalbes inzwischen etwas in die Jahre gekommener G-One Speed fährt in eine ähnliche Richtung wie die Neuerscheinung. Der Konkurrent, den es für den G-One RS zu schlagen gilt, ist für mich jedoch der exzellente Pathfinder Pro von Specialized. Dessen schmale, glatte Lauffläche sorgt dafür, dass die Bikes des US-Herstellers auf der Straße äußerst schnell rollen, gleichzeitig geben die Außennoppen Grip auf trockenen Graveltracks. Daher die Frage: Ist der Schwalbe G-One RS besser als der Specialized Pathfinder Pro?

Am Schuppenprofil verfängt nicht viel Matsch.

Schwalbe G-One RS: Technische Daten und Preis

Zunächst die wichtigsten Zahlen: Der Schwalbe G-One RS wird in 35, 40 und 45 Millimeter Breite für 28-Zoll-Räder angeboten. Zum Einsatz kommt Schwalbes Super Race-Karkasse, die sonst bei den Top-Straßenreifen verwendet wird. Beim Thema Pannenschutz lassen die Macher aus Reichshof nichts anbrennen und setzen auf eine V-Guard-Einlage. Die Addix Race-Gummimischung soll für den richtigen Grip sorgen. Inzwischen selbstverständlich: Alle Reifen sind für den Tubeless-Betrieb (TLE) ausgelegt. Unser Labor-Testmuster in 40 Millimeter wiegt 485 Gramm, ein durchschnittlicher Wert für einen Gravelreifen und misst auf unserer Testfelge an der breitesten Stelle 41 Millimeter. Mit einem UVP von 72,90 Euro ist der G-One RS alles andere als ein Schnäppchen – und leider ist der Reifen auch erst ab Ende August verfügbar.

Montage und Fahreindruck

Erfreulicherweise muss ich zur Montage nicht viele Worte verlieren, das Aufziehen auf die Felge verlief sehr leicht, zum Aufpumpen reichte eine normale Standpumpe. Schön auch, dass der G-One RS den Luftdruck über mehrere Tage so gut hält, dass man nicht vor jeder Fahrt wieder nachpumpen muss.

Der richtige Luftdruck trägt entscheidend zum optimalen Verhältnis aus Grip, Rollwiderstand und Komfort bei. Ich pumpe auf zwei Bar auf (9 Kilogramm Rad plus 75 Kilogramm Fahrer).

Beim Fahren wird sofort klar, die Macher haben den Fokus auf Speed gelegt. Laut Schwalbe hat der neue G-One RS 20 Prozent weniger Rollwiderstand als der ohnehin schon flotte G-One R mit durchgehendem Noppenprofil. Der RS beschleunigt auf der Straße fantastisch und ist auch auf trockenen Schotterwegen bestens aufgehoben. Die Kurventraktion und Bremsperformance auf selbigen Untergründen ist ebenfalls hervorragend. Nun könnte man meinen, sobald es etwas holpriger, sandiger, matschiger wird, stößt der G-One RS an seine Grenzen. Doch bis man auf Trails zum Absteigen gezwungen ist und den Halt verliert, muss es schon sehr nass werden. Wer etwas Übung im Gelände hat, kommt auch mit dem Semi-Slick-Profil in den meisten Situationen sehr gut zurecht. Beim Thema Komfort gehört Schwalbe (Stichwort: Super Race Karkasse) zu den besten Reifenherstellern, unglaublich, wie gut der RS federt, einzelne Steine schluckt und ein weiches Fahrgefühl vermittelt. Das ist nicht nur sehr angenehm, sondern spart dem Fahrer auch Kraft, die bei anderen Pneus in das Abfangen ruppiger Bodenwellen gesteckt wird.

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Achtung: Für Vorder- und Hinterrad gibt es unterschiedliche Laufrichtungen, entweder für mehr Bremstraktion (hinten) oder besseren Lenkgrip (vorn).

G-One RS im Labortest

Da ich ohnehin schon für den Gravelreifentest in der Ausgabe 02/22 im Labor von Schwalbe war, haben wir den neuen RS in 40 Millimeter Breite gleich unter Geheimhaltung mitlaufen lassen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: So rollt der RS bei 20 Stundenkilometern nochmal 2 Watt leichter als der ebenfalls sehr schnelle G-One R mit Noppenprofil. Pannen- und Durchschlagschutz sind ebenfalls auf Top-Niveau, dazu passt auch, dass ich auf meinen Testfahrten bis heute keinerlei Pannen oder Probleme hatte. Im Test zur Luftdichtigkeit verlor der G-One RS im Tubelessbetrieb über 24 Stunden 0,61 Bar, ich würde sogar sagen, dass ein ordentlich eingewalkter Reifen im Alltag noch etwas besser dichthält.

Tubeless Easy (TLE) von Schwalbe ist inzwischen so ausgereift, dass wir das Fahren ohne Schlauch ganz klar empfehlen.

Testfazit zum Schwalbe G-One RS

Beim besten Willen kann ich am G-One RS kein Haar in der Suppe finden: Die Reifen halten super dicht und performen in allen Fahrsituationen einfach herausragend. Klar, wer hauptsächlich im Gelände und auf sehr losem Untergrund fährt, sollte lieber den G-One R mit durchgehendem Noppenprofil fahren. Auf befestigten Oberflächen gehört der RS zu den schnellsten Reifen auf dem Markt.

"Road-Speed mit Cyclocross-Grip" – So fasst Schwalbe die Vorteile des G-One RS zusammen.

Update: Pannenschutz am G-One RS

Auf dem Prüfstand holte der G-One RS mit V-Guard im Pannenschutztest Bestnoten – in der Praxis verhielt es sich so, dass beide Testmustern nach den ersten 500 Kilometern schon kleine Scherben eingesammelt haben, die sich durch den Mantel fraßen. Dank Tubelessbetrieb konnte ich beide Male mit ein paar Spritzern Dichtmilch am Bein problemlos nach Hause fahren und dort die Löcher stopfen. Dennoch bleibt festzuhalten, trotz Pannenschutzeinlage ist der G-One RS vor Einstichen nicht komplett geschützt.

Alternativen zum G-One RS

Das heißt nicht, dass der G-One RS alternativlos ist. Der oben bereits erwähnte Pathfinder von Specialized rollt in der Praxis ähnlich schnell und ist vielerorts für deutlich weniger Geld zu haben. Für mich herrscht zwischen diesen beiden Semi-Slicks Gleichstand.
Im Labor und in der Praxis konnte mich der Challenge Getaway auch sehr überzeugen – wäre da nicht die Montage, die gern schon als zweistündige Trainingseinheit verbucht werden kann. Der G-One RS ist zwar alltagstauglich, aber in erster Linie als Renn-Material konzipiert. Die meisten Anwender, die einfach nur Graveln wollen, dürften auch mit Schwalbes Klassikern G-One Allround und G-One Bite glücklich werden.

Schwalbe G-One RS

Lennart Klocke

von Lennart Klocke

Zwei schmale Reifen, ein tiefer Lenker und eine freie Landstraße: Mehr braucht Lennart Klocke nicht zum Glücklichsein. Als BIKE BILD-Autor testet der Rennrad-Fan am liebsten neues Equipment und Fahrrad-Gadgets.