Gelände-Spezialist

Gravelreifen WTB Raddler im Test

Ein radikaler Gravelreifen: Der neue Raddler von WTB ist auf kompromisslosen Offroad-Einsatz ausgelegt.

Datum:
WTB Raddler

Der WTB Raddler ist ein geländeorientierter Gravelreifen in 40 oder 44 Millimeter Breite.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Für einen 40-Millimeter-Reifen bietet der Raddler die maximale Geländeperformance und geht dafür keine Kompromisse ein. Traktion, Tempo und Tubeless-Aufbau sind top!

Pro

  • hervorragender Grip im Gelände
  • gute Beschleunigung
  • einfache Montage
  • hält dicht
  • cooles Design

Kontra

  • kein Straßenreifen

WTB Raddler

Die Reifenwahl bestimmt den Charakter eines Gravelbikes: Je schmaler und glatter der Pneu, desto näher kommt das Bike dem Rennrad. Umgekehrt gilt, je breiter der Reifen und je grober das Profil, desto geländetauglicher das Gravelbike. Der Raddler von WTB geht ganz klar in letztere Richtung, sein grobes Stollenprofil ist voll und ganz für den Einsatz auf unbefestigten Wegen ausgelegt. Basierend auf dem Gravelreifen WTB Riddler, hat der Raddler noch längere Noppen. Im Wesentlichen besteht die Lauffläche des Raddler aus zwei Bereichen: In der Mitte befinden sich kurze Noppen für effizientes Vorankommen, an den Kanten hat WTB schräge, längliche Noppen angesetzt, um auch in schwierigen Kurven im Gelände ausreichend Sicherheit zu geben. Der WTB Raddler ist in 40 und 44 Millimeter Breite für 28-Zoll-Räder erhältlich, wir haben die schmalere Variante getestet.

WTB Raddler: Tubeless-Montage und Aufbau

Wir finden, Tubeless ist zurecht der Standard am Gravelbike. Die Vorteile in den Punkten Rollwiderstand, Pannenschutz und Komfortplus überwiegen gegenüber dem klassischen Intube-Aufbau. Ein Kontrapunkt ist bei Tubeless oft die Montage, nicht jedoch in diesem Fall: Auf unserer Testfelge (Hunt 4 Seasons Disc) ließ sich der Raddler ohne Reifenheber montieren, für das Einrasten der Reifenflanken reichte eine normale Standpumpe aus. Zwischenfazit: Einfacher geht’s nicht. Dass der Reifen leicht in die Felge springt, heißt jedoch nicht, dass die Luft schnell wieder entweicht, der Druckverlust hielt sich auch über Wochen in Grenzen. Übrigens: Das beste Ergebnis bei der Tubeless-Erstmontage erzielen wir stets, wenn mit dem Reifen sofort nach dem Aufziehen eine Ausfahrt gemacht wird. So verteilt sich die Dichtmilch optimal an allen potenziellen Schwachstellen.
WTB Raddler Freisteller

WTB Raddler: Lauffläche und Seitenwand

Weiterhin seien an dieser Stelle auch noch ein paar Worte zum Thema Felgen-Innendurchmesser gesagt: Wir haben die Raddler auf Laufräder mit 19 Millimeter Innenweite aufgezogen. Damit sind wir am unteren Ende der von WTB empfohlenen Weite, der Hersteller gibt an, dass die Reifen optimal zwischen 19 und 24 Millimeter Innenweite funktionieren. Probeweise hatten wir den Raddler auch kurz auf einer 21er-Felge getestet: Hier wirkte der Reifen noch etwas harmonischer und weniger in „Glühbirnen-Form“ gepumpt. Wer also einen breiten Gravelreifen optimal nutzen möchte, sollte auch sicherstellen, dass die Laufräder die passenden Innenweite haben.

Praxistest mit dem WTB Raddler

Nach der erfreulichen Montage verlief auch die erste Probefahrt mit dem WTB Raddler problemlos. Direkt nach dem Aufziehen der Tubeless-Reifen ist der Luftdruck meist noch zu hoch, für den Einsatz im Gelände sollten es nach unserem Empfinden deutlich weniger als 3 bar sein. Dank der Tubeless-Technologie von WTB, die bis heute zuverlässig dichtgehalten hat, braucht man keine Durchschläge oder Snake Bites fürchten. Nach ein paar Fahrten steht fest: Der Raddler ist ein echter Schotter-Reifen: Am liebsten frisst er sich durch Sand oder über grobe Steine, auch auf Waldwegen verrichtet er seine Arbeit mit Bravour. Die Kombination aus Vortrieb im Gelände und Sicherheit in den Kurven ist WTB wirklich gut gelungen. Weil er es ganz genau wissen wollte hat unserer Tester, eigentlich geländescheuer Straßenfahrer, den Raddler sogar mit auf einen kleinen Trail genommen. Nach ein wenig Überwindung konnten wir den Raddler auch hier sicher mit Speed durch die Kurven scheuchen, ohne das Gefühl von Kontrollverlust zu haben.
WTB Raddler Detail

Diese schrägen Noppen halten den Raddler im Gelände sicher in der Kurve.

Klar, dass der WTB Raddler nicht wirklich kompromissbereit ist, wenn es auf die Straße geht. Die Noppen-Lauffläche im Mittelteil verursacht ein deutliches Fahrgeräusch und der Rollwiderstand fühlt sich natürlich höher an, als bei einem Slick. Mit mehr als 30 Stundenkilometern wollten wir auf der Straße die Kurvenlage nicht ausreizen, die Außennoppen vermitteln in diesen Situationen ein schwammiges Gefühl, insbesondere bei wenig Luftdruck. So gut die Kurventraktion im Gelände ist, auf der Straße legen wir uns lieber nicht so sehr in die Kurve. Hier aber keine Kritik: Wer sich für den Raddler entscheidet, gehört ins Gelände und für die zehn Kilometer Straßenanfahrt zum nächsten Wald taugt dieser Gravelreifen allemal.

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Der 500 Gramm schwere Reifen lässt sich sowohl auf der Straße, als auch auf Kieswegen gut beschleunigen. Keine Klagen auch in puncto Komfort: Wer den für sich optimalen Luftdruck gefunden hat, nimmt kleine Unebenheiten einfach mit, ohne sich über Stöße zu ärgern. Die Zielgruppe des Raddler dürften Mountainbikefahrer sein, die auch auf dem Gravelbike keinen Trail umfahren und Geländetauglichkeit vor Geschwindigkeit auf der Straße stellen. Wer indes viel auf der Straße fährt, ist mit einem Slick zwischen 35 und 40 Millimeter besser bedient. Bikepacker und Gravel-Allrounder sollten auf Reifen mit Mischprofil, glatte Lauffläche plus Noppen an der Außenseite, zurückgreifen.

WTB Raddler

Lennart Klocke

von Lennart Klocke

Zwei schmale Reifen, ein tiefer Lenker und eine freie Landstraße: Mehr braucht Lennart Klocke nicht zum Glücklichsein. Als BIKE BILD-Autor testet der Rennrad-Fan am liebsten neues Equipment und Fahrrad-Gadgets.