Alu-Gravelbikes im Test

Großer Vergleich: Canyon Grail AL vs. Rose Backroad AL

Canyon oder Rose – welcher Versender macht das Rennen um das bessere Alu-Gravelbike?

Datum:

Zwei der beliebtesten Gravelbikes im direkten Vergleich: Canyon Grail AL zur Linken und rechts das Rose Back AL.

Gravelbikes sind beliebt und gefragt, doch nicht jeder möchte verständlicherweise gleich mehrere tausend Euro für ein sogenanntes Allroadbike hinlegen. Eine günstigere Alternative sind Gravelbikes auf Basis eines Aluminium-Rahmens. Der Werkstoff bietet viele Vorteile: Aluminium ist rostfrei, leicht formbar und bei gleicher Festigkeit leichter als Stahl. Zudem ist Alu ziemlich robust. Kippt das geliebte Rad mal um, kommt man in schlimmen Fällen mit einer Beule im Rahmen davon.
Der größte Nachteil von Aluminium ist den meisten Radfahrern gar nicht bewusst. Die Rahmen sind spürbar unkomfortabler als solche aus Stahl, Carbon oder Titan. Doch mit voluminösen Reifen, die tubeless und mit wenig Luftdruck gefahren werden (sollten!), lässt sich der Komfortverlust nahezu nivellieren. Gravelbikes aus Aluminium sind daher keine günstige Notlösung, sondern eine robuste und langlebige Alternative.

Canyon Grail 7 1by vs. Rose Backroad AL

Zwei der besten Alu-Gravelbikes auf dem Markt stammen von den beiden Fahrrad-Versendern Rose und Canyon. Wir haben die beiden beliebten Alu-Modelle Canyon Grail 7 1by für 1.799 Euro und Rose Backroad AL GRX 600 1x11 für 1.999 Euro in den acht Kategorien Ausstattung, Reifenfreiheit, Gewicht, Verarbeitung, Übersetzung, Vielseitigkeit, Fahrverhalten und Preis-Leistungs-Verhältnis gegeneinander antreten lassen. Wer gewinnt das große Versender-Duell und holt sich die goldene Alu-Gravelbike-Krone?

Auf einen Blick

Canyon Grail AL 1by

Rose Backroad AL 1x11

Gewicht

9,6 Kilogramm

9,7 Kilogramm

Rahmen

Aluminium

Aluminium

Gabel

Carbon

Carbon

Schaltung

Shimano GRX RX600/812, 1x11

Shimano GRX RX600/812, 1x11

Kurbel

Shimano GRX RX600, 40 Zähne

Shimano GRX RX600, 40 Zähne

Zahnkranzpaket

Shimano SLX, 11–42 Zähne

Shimano SLX, 11–42 Zähne

Bremsen

Shimano GRX600, hydr. Scheibenbremsen

Shimano GRX600/400, hydr. Scheibenbremsen

Reifen

Schwalbe G-One Bite, 40 Millimeter

Schwalbe G-One Bite, 40 Millimeter

Laufräder

DT Swiss C1850 Spline

DT Swiss P1850 Spline

Reifenfreiheit

maximal 45 Millimeter

maximal 45 Millimeter

Preis

1.799 Euro

1.999 Euro

Website

www.canyon.com

www.rosebikes.de

1. Ausstattung

Schon die erste Kategorie macht das Kopf-an-Kopf-Rennen deutlich. Beide Räder kommen mit einem Aluminium-Rahmen gepaart mit einer Carbon-Gabel zum Kunden. Verbaut sind Komponenten der Shimanos GRX-Reihe, und sowohl Rose als auch Canyon setzen auf einen Einfachantrieb. Erst auf den zweiten Blick werden Unterschiede sichtbar. So ist das Grail mit GRX 600-Bremskörpern und -STI-Hebeln ausgestattet, während Rose die Gruppen GRX400 und 600 mischt. Im Ergebnis bleibt das aber eine Randnotiz.

Am Rose finden sich Anschraubpunkte en masse. Wir haben acht am Rahmen und an der Gabel pro Seite drei gezählt. Dazu kommt die Möglichkeit, Schutzbleche und Gepäckträger zu montieren.

Ein weiterer, kleiner Unterschied betrifft die Laufräder: Beide Hersteller setzen auf Qualitätsprodukte von DT Swiss; Rose auf den Alu-Laufradsatz P 1850 Spline und Canyon auf den Alu-Laufradsatz C 1850 Spline. Der C 1850-Satz (baugleich mit C 1800) ist der günstigste Cross-Laufradsatz bei DT Swiss – damit für den Einsatz im Gelände prädestiniert. Der Satz ist zugelassen für ein maximales Fahrergewicht von 130 Kilogramm, besitzt eine moderne Allroad-Maulweite von 22 Millimetern und wiegt 1741 Gramm. Der P 1850-Satz (baugleich mit P 1800) ist zwar leichter (1667 Gramm), hat aber "nur" eine Maulweite von 18 Millimetern und ist zugelassen für ein zehn Kilogramm niedrigeres Gesamtgewicht von 120 Kilogramm. Auch hier ist der Unterschied überwiegend theoretischer Natur, sollte man als Fahrer nicht mehr als 110 Kilogramm wiegen oder dauerhaft 30 Kilogramm Gepäck und mehr bei sich führen. Und selbst dann, muss man fragen, ob die Laufräder der limitierende Faktor sind oder nicht andere Komponenten – Sattelgestell und Sattelstütze etwa – vorher schlapp machen.
Daher: Knappes Rennen in Bezug auf die Ausstattung. Schaltung und Bremsen, sowie die Laufradsätze sind auf Augenhöhe. Am Ende geht der direkte Vergleich dennoch ans Rose, weil beim Backroad mehr Bohrlöcher zum Anbringen von Schutzblechen, Gepäckträger, Lowrider und Trinkflaschen zur Verfügung stehen. Beim Canyon fehlen an der Carbon-Gabel und auf dem Oberrohr mögliche Montagepunkte.
Canyon vs. Rose: 0 zu 1

Galerie: Die wichtigsten Merkmale von Gravelbikes

2. Reifenfreiheit

Unentschieden: Beide Räder bieten eine maximale Reifenfreiheit von 45 Millimetern. Im Vergleich zu anderen Gravelbikes in diesem Segment ist das ein sehr guter Wert und dürfte für viele Einsatzzwecke ausreichen.
Canyon vs. Rose: 1 zu 1

>> Getestet: Canyons neues Carbon-Gravelbike Grizl

Die Sitzposition fällt auf dem Grail für ein Gravelbike ziemlich sportlich aus. Mit 1.799 Euro ist das Grail AL 1by 200 Euro günstiger als das vergleichbare Backroad AL.

3. Gewicht

Wir haben mehrmals nachgewogen und einen Mittelwert aus insgesamt fünf Messungen gebildet. Bei Roses Backroad AL kamen wir in der Rahmengröße (57 cm) auf 9,7 Kilogramm. Ein Hauch leichter ist das Canyon Grail AL in der gleichen Rahmengröße: 9,6 Kilogramm. Wie schon bei der Reifenfreiheit darf man beiden Rädern ein großes Kompliment machen – viel leichter geht es in diesem Preissegment einfach nicht.
Canyon vs. Rose: 1 zu 0

Kabelsalat adé: Rose lässt die Brems- und Schaltzüge elegant unter dem Vorbau verschwinden.

4. Verarbeitung

Auch dieser Punkt ist vergleichsweise schnell abgehandelt. Zwar befinden sich beide Räder auf einem hohen Verarbeitungsniveau, doch das Rose zeigt, wie aus einem gut ein exzellent wird. Die Schweißnähte sind am Alu-Rahmen des Backroad formvollendet verspachtelt und geschliffen, sodass man eher an einen Carbon-Rahmen denkt als an Alu. Wie man es nicht machen sollte, kann man am Grail zwischen Sitz- und Oberrohr begutachten. Klarer Sieg schon deswegen für Rose. Loben müssen wir überdies auch die Kabelführung im Cockpit.

>> Getestet: Rose Backroad mit Carbon-Rahmen

Canyon vs. Rose: 0 zu 1

5. Übersetzung

Beide Räder rollen mit 40 Zähnen vorn und einer Übersetzung von 11 bis zu 42 Zähnen hinten vom Band. Damit ist bei beiden Rädern eine leichte Untersetzung von zwei Zähnen gegeben. Für ein Gravelbike könnte man sich noch mehr Untersetzung wünschen, das ist aber eine Diskussion für sich. Da wir hier nur den direkten Vergleich beider Räder im Auge haben, bleibt es bei einem Unentschieden.
Canyon vs. Rose: 1:1

Für 1.999 Euro bekommen Kunden ein vielseitig einsetzbares Alu-Gravelbike.

6. Fahrverhalten

Das Interessante an diesem Vergleich ist die Tatsache, dass sich beide Räder ganz unterschiedlich fahren. Das ist erstaunlich, nimmt man an, dass bei vergleichbaren Komponenten eigentlich kaum ein Unterschied auszumachen wäre. Sogar das Gegenteil ist der Fall! Ursächlich hierfür sind die unterschiedlichen Geometrien beider Modelle. So hat uns zum Beispiel die Dimension des Oberrohrs am Grail überrascht: In Rahmengröße L misst es sage und schreibe 59,1 cm. Das ist wahnsinnig lang! Entsprechend gestreckt und sportlich sitzt man auf dem Rad. Für Radfahrerinnen und Radfahrer, die vom Rennrad kommen, hat die Position ein Déjà-vu-Erlebnis. Auch der 9er-Vorbau macht deutlich, dass das Grail auf Geradeauslaufen ausgelegt ist. Entsprechend unaufgeregt steuert man es auf langen Geraden auch. Hat man kilometerlange Schotterpisten ohne Kurven vor sich: perfekt. Will man auf Asphalt Tempo machen: perfekt. Geht's in den Wald oder ins kurvige Geläuf, punktet das Rose mit seiner Kompaktheit und dem kürzeren Vorbau. Das Backroad ist um einiges wendiger als die Canyon-Konkurrenz, bietet eine komfortablere Sitzposition und lässt sich stets sicher beherrschen. Da sich beide Modelle unter dem Punkt Fahrverhalten stark voneinander abgrenzen, fällt ein Vergleich schwer und ist eigentlich nicht möglich. Auf ihre Weise machen beide Räder Spaß. Daher:
Canyon vs. Rose: 1:1

Das Grail AL 1by kommt – wie der Name zeigt – mit Shimanos Einfach-GRX daher. Das fehlende zweite Kettenblatt spart Gewicht. Wer will, kann beim Canyon aber auch auf Zweifach umrüsten.

>> Im Test: Canyon Grail CF mit Carbon-Rahmen

7. Vielseitigkeit

An dieser Stelle spielt Rose wieder die vielfältigen Anschraubpunkte aus. Ob als Reise-, Sport oder Pendlerrad – das Backroad gibt in jedem erdenklichen Szenario eine gute Figur ab. Nehmen wir mal den Weg zur Arbeit: Berufspendler freuen sich nicht nur über die Möglichkeit, Gepäckträger und Co. anzubauen, sondern auch über die unter dem Bewertungspunkt Fahrverhalten angesprochene Wendigkeit und leichte Beherrschbarkeit sowie die insgesamt sehr komfortable Sitzposition. Auch beim Thema Flare (breite Ausstellung des Unterlenkers) waren die Rose-Ingenieure denen aus Koblenz voraus – im ruppigen Gelände ist ein breiter Griff im Unterlenker jedenfalls Trumpf und bietet Stabilität. Das Grail hat gegenüber dem Backroad AL wiederum auf Asphalt-Autobahnen die Nase vorn – aber wohl nur dort. In seiner Gesamtheit bietet das Rose deutlich mehr Möglichkeiten.
Canyon vs. Rose: 0:1

>> Im Video-Test: Canyon Grail AL 7.0

8. Preis-Leistungs-Verhältnis

In der Kaufentscheidung spielt das Preis-Leistungs-Verhältnis meistens eine überragende Rolle. Warum das in diesem konkreten Fall nicht zielführend ist, dazu mehr unter Fazit. Aber zurück zur Bewertung des Preis-Leistungs-Verhältnisses: Trotz nahezu identischer Ausstattung liegt das Canyon preislich aktuell 200 Euro unter dem Rose. Hinzu kommt, dass Canyon beim Grail über die Pandemie hinaus das Preisniveau stabil gehalten hat. Rose musste indes die Preise bei diesem Backroad AL, das seinerzeit mit 1.799 Euro gestartet ist, auf nunmehr 1.999 Euro anheben. Mehr fürs Geld bekommt man daher mittlerweile bei Canyon.
Canyon vs. Rose: 1:0

Fazit

Nach Punkten hat Rose die Nase mit 6 zu 5 vorn. Ausschlaggebend für den Sieg sind das Design (bessere Rahmenverarbeitung, Kabelführung im Cockpit) und das breitere Einsatzspektrum. Das Grail ist dafür (minimal) leichter und bietet ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch viel entscheidender könnte das Fahrverhalten sein: Für welches Bike Sie sich entscheiden, sollte – weil beide Räder sehr, sehr nah beieinander liegen – davon abhängen, was Sie mit dem Fahrrad vorhaben. Oder anders gesagt: Suchen Sie in erster Linie ein Rennrad-Ersatz mit breiten Reifen, ist das leichte und günstige Grail mit seiner sportlichen Geometrie das bessere Rad. Suchen Sie ein Gravelbike zum Pendeln oder für gemütliche Touren in der Natur (inklusive Reise-Abenteuer), dürfte das besser verarbeitete Backroad trotz des höheren Preises das richtige Bike für Sie sein.

>> Lesen Sie auch: Gravelbike-Spezial mit über 30 Modellen im Einzeltest