BIKE-BILD-Redakteur Lennart Klocke

Mein Bike-Equipment des Jahres 2020

Viele Produkte gehen jedes Jahr durch die Hände unserer Redakteurin und unserer Redakteure. Komponenten, Bekleidung, Technik – was unserem Dauertest standgehalten und uns besonders begeistert hat, stellen wir vor. Das sind die Lieblingsprodukte 2020 unseres Redakteurs Lennart Klocke.

Datum:

Redakteur Lennart Klocke mit seinem Gravelbike.

Viele interessante Gadgets, Zubehörteile und Bekleidungsstücke haben in diesem Jahr unsere Redaktion erreicht. Und wir haben fleißig getestet. Hier stellt BIKE-BILD-Redakteur Lennart Klocke Ihnen zehn Ausrüstungsteile in zufälliger Reihenfolge vor, die ihn in diesem Jahr begleitet und besonders überzeugt haben.

1. Gravelreifen: Schwalbe G-One Allround

Das Angebot an Gravelreifen ist enorm, viele spannende Neuheiten sind gekommen – doch auf meiner Liste ganz oben steht ein alter Bekannter: Der Schwalbe G-One Allround in 40 Millimeter Breite. Wenige Reifen bin ich so lange gefahren wie diesen und kaum ein anderer konnten mich so umfassend überzeugen: Auf der Straße, im Gelände, im Alltag und bei Orbit-Langstreckenrennen performte der Allrounder exzellent. Die größten Vorteile sind für mich der überragende Pannenschutz und dass der Reifen extrem gut dichthält. Selbst nach einer Woche Radreise mit knapp 1000 Kilometern über Straße und Schotter musste ich nicht nachpumpen – klasse. Bei passendem Luftdruck greift der G-One Allround auch im Gelände ausreichend gut. Es mag schnellere Reifen (G-One Speed) und griffigere (G-One Bite) geben, für mich war der goldene Mittelweg optimal. Deswegen habe ich meinen Satz G-Ones im Dezember auch völlig zufrieden entsorgt: Der heruntergefahrene Vorderreifen konnte mich in einer matschigen Kurve nicht mehr halten und am noch abgefahreneren Hinterrad konnte die Dichtmilch einen Riss nicht mehr langfristig kitten. Nach so vielen problemlosen Kilometern absolut verschmerzbar.
schwalbe.com / ab ca. 30 Euro online erhältlich

Gute Kombination: Die Aerycs-Felgen und die G-One-Allround-Reifen von Schwalbe.

2. Gravellaufräder: Aerycs GCX Terra

Braucht man Laufräder speziell für den Graveleinsatz? Und was zeichnet diese aus? Um diese Fragen zu beantworten, habe ich viele Kilometer auf den GCX Terra 40 40 von Aerycs verbracht. Die Antwort in Kürze: mehr Dämpfung und ein robusterer Aufbau bei exzellenter Beschleunigung. Auch nach einem dreiviertel Jahr im Gelände keinerlei Aussetzer oder Unwucht. aerycs.de / 899 Euro / Hier geht’s zum Test

Äußerlich eine "normale" Jeans; die Commuter Pants von Katusha kommen mit dezenten Features für Radfahrer.

3. Alltagshose/Fahrradjeans: Katusha Commuter Pant

Wer als Vielfahrer oft in Alltagsklamotten unterwegs ist, kennt das Problem: Irgendwann scheuern die Hosen im Schritt durch und gehen kaputt. Abhilfe schaffen spezielle Jeans für Radfahrer: Äußerlich normal, jedoch mit einem höheren Stretch-Faktor und dezenten Reflektor-Elementen. Das Modell von Katusha hat sogar eine kleine Reißverschlusstasche an der Rückseite. Die Commuter Pants sitzen bei mir sehr gut und mit ihnen macht das Radfahren ins Büro deutlich mehr Spaß. katusha-sports.com / 110 Euro / Hier geht’s zum Test.

Die Zwei-Loch-Cleats von Speedplay passen grade so in die Schuhsohle.

4. Pedalsystem: Speedplay Syzr

Über die Syzr-Klickpedale von Speedplay finden sich im Netz eher mittelmäßige Bewertungen. Auch meine Kollegin bemängelte im Test, dass Speedplays Zwei-Loch-Pedale bei Dreck und Schlamm mehr Krafteinsatz zum Einklicken erfordern. Da ich ein großer Fan der Rennradpedale von Speedplay bin, ließ ich es auf einen Versuch bei dieser MTB- und Offroad-Variante ankommen. Genau wie bei den Straßenmodellen kann man bei den Syzr auch den Float, also den Bewegungsradius der Cleats, einstellen – was das Pedalieren sehr angenehm und schmerzfrei macht. Den Syzrs merkt man an, dass Speedplay gern alles anders als die Mitbewerber macht, der Federmechanismus befindet sich zum Beispiel an der Vorderseite des Pedals. Schon das Einklicken ist daher ungewöhnlich und erfordert etwas Übung, bis man den sprichwörtlichen Dreh raushat. Warum diese Pedale auf der Liste gelandet sind? Sie funktionieren für mich so gut wie die Straßenpedale in Sachen Kraftübertragung und Einstellbarkeit. Ich sehe die Speedplay Syzr aus bestens geeignet für eine Radreise an, denn mit diesem System kann man in Zwei-Loch-Radschuhen gehen und bekommt fast die gleiche Performance wie von einem Rennpedalsystem. Leider auch sehr teuer.
speedplay.com / 199,95 Euro
Speedplay Syzr

Die Syzr-Pedale sind die Offroad-Modelle von Speedplay.

Nimmermüder Dauerläufer mit leichtem Druckverlust: Der Continental GP 5000 TL in 32 Millimeter Breite.

5. Straßenreifen: Continental GP 5000 TL

Auf dem Rennrad war der Continental 5000 TL (tubeless) in 32 Millimeter Breite ein echter Dauerläufer. Irgendwann wollte ich gern neue Modelle testen und schaute ungeduldig auf den Verschleißindikator, der anzeigt, wann ein Reifen heruntergefahren ist. Der Conti ließ sich dabei viel Zeit. In Sachen Allroad-Performance, also Straße und leichte Schotterwege, für mich die Benchmark auf dem Markt der Rennradreifen. Toller Grip, viel Komfort. Aufgrund der 32 Millimeter Breite sicherlich kein Sprinter, dafür ein Tourenmeister. Bemerkenswert ist, dass ich nie eine einzige Panne erlebt hatte. Einziger Nachteil ist, dass der Reifen relativ schnell Luft verliert und circa alle zehn Tage nachgepumpt werden muss.
continental-reifen.de / 74,90 Euro (meist deutlich günstiger zu haben) / Hier geht’s zum Test.

Der Schweißfänger an der Stirn macht sich an heißen Tagen bezahlt.

6. Sportbrille: EvilEye Vizor HR Pro

Selbst bei meiner Lieblingsrennradbrille gab es im Sommer ein Problem: Bei Hitze lief mir der Schweiß von der Stirn an die Innenseite der Brille. Nervig, wenn man dauernd anhalten und die Scheibe sauberwischen muss. Evileye, früher mal Adidas Eyewear, hat Sportbrillen mit Schweißfänger wie die Vizor HR Pro im Sortiment. Auch wenn die Brille nicht ganz so perfekt sitzt wie meine andere Sportbrille, im Sommer macht der Schweißfänger diesen Nachteil wieder wett. Damit der Schaumstoff direkt an der schweißtreibenden Stirn sitzt, kann die Neigung der Bügel einstellt werden.
evileye.com / 209 Euro

Die Rückenverlängerung ("Beaver tail") kann eingeklappt werden.


7. Fahrradjacke: Urban Tech Hoody von Bioracer

Dass es für Fahrradpendler inzwischen funktionale Mode gibt, zeigen die oben genannten Jeans von Katusha. Das passende Oberteil kommt von Bioracer, der Urban Tech Hoody. Dieses sieht nicht nur cool aus, sondern hat, obwohl es ganz in schwarz gehalten ist, reflektierende Elemente an den Schultern und an der Rückseite. Highlight ist der Biberschwanz, eine ausklappbare Verlängerung des Rückens. Klingt komisch, aber wer sportlich-gebeugt auf dem Fahrrad sitzt, freut sich über einen trockenen, warmen Rücken. Für Radsport über mehrere Stunden könnte die Atmungsaktivität besser sein, aber für die halbe Stunde ins Büro und eben auch den Spaziergang in der Mittagspause (natürlich mit eingeklapptem Biberschwanz) die optimale Jacke.
bioracer.com /180 Euro/ Hier geht’s zum Test.

Praktisch, wenn man vor Fahrtantritt noch das Wetter checken möchte: Die Wlan-Wetterstation von Wetteronline.

8. Technik: Wetterstation mit Regenradar

Die Wlan-Wetterstation von Wetteronline sieht aus wie ein aufgestelltes Ipad, kostet so viel wie ein billiges Tablet und ist im Wesentlichen die Regenradar-App des Online-Dienstes auf einem großen Display. Braucht der Radfahrer-Haushalt also noch ein weiteres Elektrogerät? Im Pendleralltag erwies sich das Wetterdisplay durchaus als praktisch: Ich habe das Gerät so eingestellt, dass es morgens zur Kaffee-Zeit startet und sich eine halbe Stunde später ausschaltet (so läuft es nicht den ganzen Tag durch). Das perfekte Zeitfenster um zu entscheiden, ob ich die Regenjacke einpacken muss und ob ich eventuell aufgrund von Gegenwind mehr Zeit einplanen muss. Darüber hinaus informiert das Regenradar-Display über das Wetter im Tages- und Wochenverlauf sowie über Windstärke und -richtung, Pollenflug und Sonnenauf- und untergang. Viele relevante Infos, die den Alltag als Pendler und Radsportler etwas angenehmer gestalten – allerdings auch kein Mehrwert gegenüber den Informationen, die man auf der Website von Wetteronline oder ähnlichen Diensten bekommen kann.
wetteronline.com / 279 Euro

9. Ein-Mann-Zelt: Exped Mira HL I

1179 Gramm wiegt das Mira HL, das Ein-Personen-Zelt offenbarte sich als idealer Reisebegleiter im Jahr des Social Distancing. Mit 41 Zentimetern Länge fand das zusammengepackte Mira HL auf der Lenkertasche zwischen den Bremsgriffen Platz – eine gute Lösung, wenngleich das Zeit von Exped kein Bikepackingzelt ist. Wer schon einmal ein Campingzelt aufgebaut hat, sollte auch beim Aufstellen des Mira keinerlei Probleme bekommen: Die korrekten Verbindungen von Innen- und Außenzelt sind farbig markiert, die Schlaufen für die drei Tragestangen sind schnell gefunden. Beim ersten Mal dauert das Aufstellen vielleicht zehn Minuten beim zweiten Mal schafft man es schon in weniger als fünf. Das Mira HL I bietet genügend Platz zum Schlafen und Sitzen, sowie für Gepäckstücke zwischen Innen- und Außenzelt. Clevere Details machen das Zelt von Exped herausragend: Das kleine Distanzstück am Reißverschluss sorgt selbst bei geschlossenem Zelt für Belüftung. Die farbig markierten Klickverschlüsse, die den Aufbau beschleunigen. Oder die Transporttasche, in der Innen- und Außenzelt separiert werden – perfekt wenn man schon packt, obwohl das Außenzelt noch feucht von der Nacht ist.
exped.com / ca. 430 Euro.

Die Unlimited Bibshorts von Castelli bieten kleine Transportfächer für längere (Gravel-)Touren.

10. Radhose für Gravel: Castelli Unlimited Bibshort

Warum haben Radhosen keine Taschen? Castellis Unlimited Bibshorts zeigen, dass Fächer zum Verstauen von Riegeln, Werkzeug oder Wertsachen an einer Rennradhose eigentlicht ganz praktisch sind. Die Unlimited-Shorts sind aus der Gravel-Kollektion oder Italiener, können aber genauso gut auf dem Rennrad oder auf Tour angezogen werden. Sie verfügen über zwei Taschen an den Oberschenkeln und zwei Taschen am Rücken. Darüber hinaus sind sie besonders robust konstruiert, sodass sie auch bei einem Sturz – was im Gelände tendenziell häufiger vorkommt – nicht gleich aufreißen. Nicht nur das Taschen-Feature macht die Unlimited Bibshorts zu einer Lieblingsradhose des Jahres, auch das Sitzpolster hat auf der Langstrecke ganz hervorragend funktioniert. castelli-cycling.com / 119,95 Euro / Hier geht’s zum Test.
Lennart Klocke

von Lennart Klocke

Zwei schmale Reifen, ein tiefer Lenker und eine freie Landstraße: Mehr braucht Lennart Klocke nicht zum Glücklichsein. Als BIKE BILD-Autor testet der Rennrad-Fan am liebsten neues Equipment und Fahrrad-Gadgets.