Breite, Umfang, Profil, Gewicht

Die große Übersicht zum Thema Fahrradreifen

Die Suche nach dem optimalen Fahrrad-Reifen kann in einer Irrfahrt münden. BIKE BILD stellt ein paar Wegweiser auf.

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Allrounder oder Spezialist? Für jeden Einsatzbereich gibt es den passenden Fahrradreifen. (Foto: www.pd-f.de / Florian Schuh)

Der Reifen gehört zu den wichtigsten Bauteilen eines Fahrrads. Denn welches andere Bauteil hat schon den direkten Kontakt zur Straße? Worin jedoch unterscheiden sie sich? Welche Komponente sorgt für Komfort oder eben auch nicht, bringt Grip oder eine Rutschpartie? Der Reifen ist viel wichtiger als viele Biker denken. Und trotzdem wird er von vielen unterschätzt. Um so wichtiger ist es, ein paar Hinweise zu beachten.

Überblick: Die wichtigsten Reifengrößen am Fahrrad

Früher schien alles einfacher – Fahrräder rollten auf 28-Zoll-Reifen, alles andere war Kinderspielzeug. Doch dann kamen die Mountainbikes auf und mit ihnen die 26er-Räder. Heute sind das nur zwei Spielarten der Reifengrößen für Erwachsene. Denn mit den 29ern und 27,5-Zoll-Rädern sind zwei weitere Varianten auf den Markt gekommen. Alle Zahlen geben den Durchmesser in Zoll an, gemessen von Außenkante zu Außenkante. Ein besonders hoch bauender 28erReifen wird als 29er geführt. Und 27,5, teilweise auch als 650B geführt, ist eine vergleichsweise neue Größe, die einen Kompromiss aus der Wendigkeit des 26-Zoll-Reifen mit der Laufruhe des 29ers bildet. Besonders beliebt bei Mountainbikes, Reiserädern oder auch Gravelbikes. Dabei gilt – je größer, desto mehr Material muss verbaut werden. Und dieses treibt das Gewicht nach oben.

Die richtige Reifenbreite finden

Diese Reifenbreite wird in Millimetern angegeben, in der Regel nach der Angabe zum Durchmesser. Ein 23er ist ein sehr schmalen Rennradreifen, wie er kaum mehr genutzt wird. 60 wiederum ist das Maß für großvolumige Ballonreifen. Lange hieß es, ein schlanker Reifen laufe schneller. Heute weiß man, dass es eher auf das Profil ankommt und dass auch ein großvolumiger Reifen schnell rollen kann. Insofern werden Rennräder heute oft mit 25er- oder 28er-Reifen ausgeliefert. Ähnlich schnell, aber eben mit etwas mehr Komfort ausgestattet. Inzwischen werden auch andere Angaben verwendet, etwa wie ETRTO-Maße. Dort steht am Anfang die Breite, gefolgt vom Durchmesser. 32-622 etwa bedeutet einen Reifen mit 32er Breite und 622 Millimeter Raddurchmesser, was wiederum 28 Zoll entspricht. Die Reifenbreite ist eine der wenigen Größen, mit der der Radler Einfluss aufs Fahrverhalten seines Bikes nehmen kann. Nur ganz wenige Rahmen lassen verschiedene Radgrößen zu.

Das optimale Reifenprofil für jedes Fahrrad

Viel hilft viel? Das gilt nur bedingt – welcher Reifen der richtige ist, hängt immer am Einsatzzweck ab. Was für den Matsch gut ist, ein grobes Profil, ist im Allgemeinen für die Straße nicht gut: Grobe Stollenreifen sind auf der Straße im Nachteil. Das gleiche gilt umgekehrt: Slicks, Reifen ohne Profil, finden im Gelände keinen Grip. Einen Kompromiss bilden Reifen mit einem Laufsteg in der Mitte und mehr Profil an den Kanten. Wer von vornherein weiß, dass Tourenfahrten mit Straßen und Schotterwegen den Schwerpunkt der Nutzung bilden, kann zum Klassiker mit leicht angedeutetem Profil greifen.

Drahtreifen oder Faltreifen?

Eine wichtige Größe in Sachen Reifen ist auch die Systemfrage: Ein Klassiker ist der Drahtreifen. Wie der Name verrät, sorgen zwei Drähte für den festen Halt auf der Felge. Und manchmal auch dafür, dass es Probleme bereitet, den neuen Reifen auf das Felgenhorn zu heben. Etwas Spülmittel hilft dabei. Den Drahtreifen gibt es in verschiedenen Preiskategorien. Der zweite Reifentyp ist der Faltreifen. Anders als der Drahtreifen, den seine zwei Drähte in die runde Form bringen, lassen sich Faltreifen tatsächlich falten und damit platzsparend verstauen. Für Reiseradler etwa ist das ein echtes Plus. Statt des Drahts werden Kevlar- oder Aramidfasern eingearbeitet und sorgen für Stabilität. Sie sind leichter als Drahtreifen.
Schlauchreifen wiederum sind ähnlich leicht wie Faltreifen. Bei ihnen wird der Schlauch direkt an den Mantel gefügt und dann als Einheit auf die Felge geklebt. Was in der Theorie schon kompliziert klingt, ist in der Praxis nur etwas für sehr ambitionierte Rennradfahrer oder Profis. Denn im Fall eines Plattfußes muss der alte Reifen abgenommen und der neue aufgeklebt werden. Kein Problem, wenn der Materialwagen mit Ersatzrad hinter einem Fährt. Auf Touren oder beim Pendeln ist das keine Option.

Im Trend: Tubeless-Reifen

Immer beliebter werden derzeit Tubeless-Reifen. Sie verzichten einfach auf den Schlauch. Stattdessen sitzt der Reifen so fest auf der Felge, dass er luftdicht abschließt. Und wo kein Schlauch ist, da kann auch nichts einreißen. In der Luftkammer befindet sich eine spezielle Latex-Flüssigkeit (Dichtmilch), die kleine Löcher verschließt. Das ist gut für den Pannenschutz – und auch gut für den Komfort. Denn diese Reifen können mit geringerem Druck gefahren werden. Mountainbikes und Cyclocross-Räder rollen oft auf diesen Reifen und auch im Rennrad- und Trekkingbereich werden sie beliebter.

Optimaler Pannenschutz für Fahrradreifen

Reifen bestehen, vereinfacht gesagt, aus einer mehr oder weniger dicken Schicht Gummi. Trotzdem finden gerade im Großstadtbetrieb immer wieder Scherben ihren Weg durch das Gewebe, insbesondere bei günstigeren Fabrikaten. Oft wird ein zusätzlicher Pannenschutz eingearbeitet, etwa Schichten aus Aramid oder Kevlar. Das macht den Reifen widerstandsfähiger, aber eben auch schwerer. Hersteller wie etwa Continental und Schwalbe nutzen statt einer zusätzlichen Gewebeschicht eine Extralage Kautschuk. Alle, die auf Nummer sicher gehen möchten, können auch mit speziellen Pannenschutzeinlagen nachrüsten.

Die Reife(n)-Prüfung

Trotz des Zusatzgewichts bleiben Pannenschutzschichten ein Plus, gerade für Pendler oder Tourenradler. Wie auch bei vielen anderen Bauteilen gilt: Gute Qualität kostet meist etwas mehr.