BIKE-BILD-Redakteur Daniel Eilers

Mein Bike-Equipment des Jahres 2020

Viele Produkte gehen jedes Jahr – privat wie beruflich – durch die Hände unserer Redakteurin und unserer Redakteure. Komponenten, Bekleidung, Technik – was unserem Dauertest standgehalten und uns besonders begeistert hat, stellen wir hier vor. Das sind die Lieblingsprodukte 2020 unseres Redakteurs Daniel Eilers

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BIKE-BILD-Redakteur Daniel Eilers hat 2020 viele Kilometer auf seinem Rennrad absolviert. Entsprechend sportlich fällt die Auswahl seiner Produkt-Empfehlungen dieses Jahr aus.

7.800 Kilometer sind bei mir dieses Jahr auf dem Renn- und Gravelbike zusammengekommen. Dazu kommen noch ein paar Stadtmeilen auf dem Weg ins Büro. Persönlich blicke ich auf viele sonnige Stunden im Sattel zurück, ein paar hoch intensive auf dem heimischen Rollentrainer, zwei brettharte Orbits und auf ein fantastisches Jedermann-Rennen in Frankreich, den Gran Fondo Mont Ventoux. Trotz (oder wegen?) der Corona-Pandemie war es ein sportliches Jahr. Dabei bin nicht nur ich regelmäßig, sondern ist auch so manches Ausrüstungsteil kräftig ins Schwitzen gekommen. Hier möchte ich Produkte vorstellen, die mich dieses Jahr besonders begeistert haben, und die ich deswegen den Leserinnen und Lesern empfehlen möchte. Vom Sattel bis zur Socke, vom Energiegel bis zum E-Cityflitzer – mein persönlicher Materialrückblick wird insgesamt sportlich und einmal kulinarisch besonders wertvoll.

Stance Perrine Outdoor

Sockenschuss? Ja, dann Stance-Socken!

Es ist gemeinhin schwer, mir zum Geburtstag eine Freude zu machen, aus den meisten materiellen Sachen mache ich mir nicht viel, und jene Dinge, die ich unbedingt haben will, kommen sowieso ohne Zeitverzögerung ins Haus. Bei Stance-Socken ist die Sachlage anders – davon habe ich nie genug. Deswegen bekomme ich regelmäßig von meiner Partnerin welche geschenkt: Geburtstag, Nikolaus, hoffentlich auch dieses Jahr zu Weihnachten und nächsten Jahr Ostern, usw. Ich verrate warum: Ich habe in den letzten zehn Jahren joggend und auf dem Fahrrad so viele Socken durchgebracht, dass ich keine gerissenen und löchrigen Socken mehr sehen kann. Jedes Mal frage ich mich: Warum kriegen die das nicht in den Griff? Auch wenn’s werblich klingt – bei diesen Socken ist es anders, sie halten und funktionieren wie bei mir keine Socke zuvor. Ehrlich gesagt, ich kenne das Geheimnis nicht: Webtechnik oder Material? Keine Ahnung, ich weiß nur, dass mir nichts anderes mehr an die Füße kommt. Beim Radfahren setze ich aktuell auf dickere Socken mit einem großen Anteil an wärmender Merinowolle (nahezu geruchsneutral). Für alle „Infiknit“-Produkte gewährt Stance übrigens eine lebenslange Garantie und schreibt auf der Website: „We stand by our Infiknit product. So sehr, dass wir eine lebenslange Garantie darauf geben. Keine Tricks. Wenn etwas reißt oder ein Loch entwickelt, schicken wir Ihnen ein neues Paar.“ War bei mir bisher noch nicht nötig. Preislich finde ich die Socken im Rahmen – zwischen 10 und 25 Euro kostet das Paar, Dreierpacks sind günstiger und im Ausverkauf gibt es Auslaufmodelle stark reduziert. https://de.stance.eu.com

Poc Resistance Jersey Zip Tee

Tief in die Tasche greifen: Poc Resistance Jersey Zip Tee

Eigentlich ist das Poc Resistance Jersey Zip Tee für den Graveleinsatz konzipiert. Trotzdem habe ich es fast zu jeder Radausfahrt angezogen, und vor allem immer dann, wenn ich nicht genau wusste, was ich wegen der Wetterbedingungen anziehen soll. Es ist angenehm eng geschnitten, ohne einzuschnüren. Wer es sportlich mag, sollte lieber zu einer Nummer kleiner als gewöhnlich greifen. Am genialsten finde ich die drei tiefen Stretch-Taschen, in denen ich immer genug Platz für Riegel, Pumpe, Smartphone, Schlauch und Regenjacke hatte. Als ausgewiesener Vielschwitzer war ich glücklich, dass an den neuralgischen Punkten (Rückenpartie, Armbereich) das Material dünner gearbeitet ist. Ich habe das Jersey schätzungsweise 50-mal gewaschen – und die Qualität stimmt wie am ersten Tag mit Ausnahme eines nur kleinen Wehrmutstropfens: Der weiße Poc-Schriftzug hat sich leicht verdunkelt. 160 Euro / www.pocsports.com / Test

Clifbar Shot Energy Gel Chocolate

Banana-Split aufm Rad: Clifbar Shot Energy Gel Chocolate

Gar nicht so einfach, immer die nötigen Kalorien reinzukriegen, wenn man lange auf dem Rad sitzt. Das Clifbar-Gel war mein Ass im Trikot gegen Hungeräste. Blöd war nur, dass mir das Gel so gut schmeckte, dass der kleinste Anfall von Appetit eine reflexartige Bewegung Richtung Rückentasche auslöste. Die kulinarische Krönung der Radverpflegung entdeckte ich per Zufall, als ich mir in energetischer Notlage eine Banane und gleich danach noch das Chocolate-Gel in den Mund presste. Die Synapsen feuerten zurück: Banana-Split! Wohlige Kindheitserinnerung schossen mir durch den Kopf. Seither gehört zum Mise en Place jeder Radtour Banane und Chocolate-Gel im Verhältnis 1:1. Fürs Vanille-Eis habe ich noch keine Lösung gefunden, vielleicht hat jemand eine Idee? 6 Gels für 13,74 Euro / www.clifbar.de

Flotter E-Cityflitzer: Coboc Ten Merano

Das Privileg eines Redakteurs ist, dass man viele großartige Bikes Probe fahren kann, ohne sie gleich bezahlen zu müssen. Ins Coboc Ten Merano habe ich mich sofort verliebt. Es erfüllt genau meine Bedürfnisse an ein Alltagsrad: schick, alltagspraktisch und sportlich. Und es fährt elektrisch. Heckantrieb und Akku sind elegant verbaut worden. Praktisch ist auch die Vollausstattung, bestehend aus Schutzblechen, Fahrradständer und Lichtanlage, und mit Srams 1x11-Kettenschaltung kommt man nicht nur an der Ampel flink vom Fleck. Großer Komfort-Pluspunkt bei dem schicken Stadtflitzer sind die 47 Millimeter breiten Puschen von WTB. Privileg auf der einen Seite – zum Leidwesen eines Redakteurs gehört umgekehrt, die Testräder zeitnah wieder abgeben zu müssen. Das Coboc Ten Merano wäre meine erste Dienstad-Wahl. 4.599 Euro / www.coboc.biz / Test

Vielseitig und spritzig: Das Stevens Super Prestige überzeugt auf Schotter und Asphalt – und sogar in den Österreichischen Bergen.

Cross, Straße, Gravel: Das Stevens Super Prestige kann alles

Zum Stevens Super Prestige pflege ich eine durchweg positive Beziehung. Nicht nur, dass mich das circa acht Kilogramm leichte Carbon-Bike erfolgreich für eine Reportage durch ein Cyclocross-Rennen gebracht hat. Das Crossrad war auch im Radurlaub zur Stelle, als das Sram-Schaltwerk meines Renners im Voralpenland kapitulierte. Und es war ein treuer Begleiter bei den Orbits in Hamburg und – über zwölf Stunden saß ich im Sattel! – in Sachsen-Anhalt, wo es Lochplatten am Brocken locker weggesteckt hat. Ich durfte das Rad top ausgestattet mit elektronischer Di2-Schaltung von Shimano testen, was sich auf langen Distanzen als sehr angenehm herausstellte, weil die Gangwechsel im wahrsten Wortsinn leicht von der Hand gehen. Sobald der Weg ins Gelände führt, ist Reifenfreiheit immer ein Thema. Ins Super Prestige gehen vorn locker 40 Millimeter breite Pneus rein, hinten wird es schon eng mit 40 Millimetern, geht aber geradeso. Ich glaube, wenn man mir sagen würde: Daniel, du darfst dir dein Leben lang ein einziges Fahrrad kaufen – dann wäre es das Super Prestige, da es sportlich und leicht ist, vielseitig einsetzbar (mit schmalen Reifen fährt es sich quasi wie ein Rennrad), extrem robust und damit langlebig ist und trotzdem preislich attraktiv bleibt. ab 3.099 Euro / www.stevensbikes.de / Video

Schwalbe Pro One TT, 25 Millimeter Breite

Gummi für Wette: Schwalbe Pro One TT

Der Schwalbe Pro One TT war mein Begleiter beim Rennen durch die Provence und kam zum Einsatz bei einer Strava-Segment-Wette mit einem Kollegen. Also immer dann, wenn jede Sekunde zählte. Der Schwalbe Pro One TT ist einer der schnellsten und leichtesten Rennradreifen auf dem Markt. In der 25-Millimeter-Variante (es gibt ihn auch als 28er) wiegt er knapp 200 Gramm, ist damit bis aufs Mark auf Wettkampf getrimmt. Und – Vorteil oder Nachteil? – es gibt ihn nur als Tubeless-Reifen. Den Preis, den Schwalbe für knapp 200 Gramm Gummi aufruft, ist ebenso sportlich wie sein Classic-Skin-Antlitz: 69,90 Euro. Zur Entschärfung sei verraten, dass der Straßenpreis deutlich niedriger ist. Ich habe pro Reifen knapp 40 Euro gezahlt. Ob’s am schnellen (und tatsächlich auch komfortablen) Reifen lag oder an den guten Beinen, es soll mir gleich sein, ich habe die Wette gewonnen und konnte auf dem Mont Ventoux noch lächeln. Was mich indes fasziniert hat: 2.000 Kilometer und mehr mit dem Pro One TT, und ich habe keinen Platten gehabt. Verschleißerscheinungen setzten bei mir (zugegeben, mit 66 Kilo recht leichten Radler) erst nach 3.000 Kilometer ein. UVP 69,90 Euro / www.schwalbe.com / Podcast

Regenhose Gore C5 Active Trail

Schluss mit Schietwetter: Gore C5 Active Trail

Auch wenn dieses Jahr ein Großteil der Arbeit im Homeoffice erledigt wurde, Hamburg ist Hamburg, will sagen: Trocken kommt hier keiner durch das Fahrradjahr. Die Regenhose von Gore fährt seit eineinhalb Jahren in meinem Rucksack mit. Regnet es, hole ich sie raus, ziehe sie fix über die Jeans und bin happy, nicht in die Bahn oder ins Auto gestiegen zu sein (dieses Jahr doppelt happy). Da das Material extrem atmungsaktiv ist, kann man diese Hose separat anziehen oder – wie gesagt – über der Jeans tragen. Wasser kommt trotzdem keins durch. Glatte Eins, diese Hose! Anfang des Jahres präsentierte ich die Hose deswegen als „Geheimtipp für mehr Fahrspaß im Winter“, thematisierte indes auch den horrenden Preis von 199,95 Euro. Die Rechnung ging auf: Spätestens Endes dieses Jahr dürfte sich der Hose amortisiert haben. 199,95 Euro / www.gorewear.com / Test

Trotz Schlamm, Dreck und Regen sieht der Schuh fast wie neu aus. So geht Qualität!

Nicht kaputt zu kriegen: Shimano S-Phyre XC 9

Über die Vorzüge des Offroad-Schuhs S-Phyre XC 9 von Shimano habe ich mich an dieser Stelle bereits erschöpfend ausgelassen. Ein halbes Jahr später muss ich keinen einzigen Satz korrigieren oder inhaltlich nachbessern, auch jene Passage nicht, die sich mit der Haltbarkeit beschäftigt. Aus 2.500 Kilometern sind knapp 4.000 geworden (Ja, ich tracke fast alles!). Wie das geht? Nicht selten habe ich den Schuh auch auf dem Rennrad oder beim Rollentraining im Wohnzimmer getragen, weil er einfach so unglaublich bequem ist und gleichermaßen Halt und Komfort bietet, den Füße brauchen, die großen Strapazen ausgesetzt sind. Und immer noch sieht der Schuh aus wie am ersten Tag. Wer es noch sportlicher mag, könnte sich den Specialized S-Works Recon angucken, die schnellste Waffe im Gelände! UVP 359,99 Euro (Online-Preis ca. 250 Euro) / www.bike.shimano.com / Test

Sportbrille von 100 %, Modell: S2

Für Durchblick: Sportbrille von 100 %, Modell S2

Eigentlich war Oakley in puncto Sportbrille gesetzt bei mir. Drei Brillen habe ich deswegen in meinem Sportleben erworben. Dass es Alternativen gibt, war mir lange nicht klar. Auf die Marke 100 % bin ich erstmals durch Peter Sagan gestoßen, der wohl bekannteste Werbepate der kalifornischen Marke. Seitdem ich das Modell S2 trage, versauern meine Oakleys leider im Schrank. Mich überzeugt zum einen der sichere Sitz dank des angenehm gummierten Nasenbügels. Selbst wenn man den Kopf ruckartig auf dem Rad verdreht, hält die Brille fest ihre Position. Dass die Linsenbeschichtung wasserabweisend wirkt, konnte ich bei zwei heißen Orbits im Sommer dieses Jahres prüfen. Doch man sollte sich nicht zu viel von dieser Funktion versprechen. Wenn der Schweiß in Strömen läuft – wie gesagt: Vielschwitzer –, dann bleibt eben mal ein Tropfen am Glas hängen. Zum anderen bin ich von den Linsen begeistert. Nicht nur, dass das Sichtfeld extrem klar und – wegen der großen Gläser – uneingeschränkt groß ist; in fast allen Lichtsituationen bin ich mit den Gläsern der Brille super zurecht gekommen. Allenfalls im dunklen, ohne Sonne aufgehellten Wald, müsste man zu Wechselgläsern greifen. 179 Euro / www.100percent.com

SQlab-Sattel 612 Ergowave R S-Tube

Besser sitzen, länger fahren: SQlab Sattel 612 Ergowave R

Für einen redaktionellen Test prüften zwei Kollegen den SQlab-Sattel 612 Ergowave R. Das Feedback der Beiden war so positiv, dass ich der Sache nachgehen wollte. Und siehe da: Auch bei mir, der bisher keine größeren Probleme hatte, funktionierte der Sattel hervorragend, so gut und um nicht zu sagen: besser, dass ich meine Allzweckwaffe Syncros Tofino 1.5 (ebenso eine Empfehlung!) vom bevorzugten Rennrad verbannte und mir den SQlab Sattel kaufte und montierte – allerdings die siebzig Euro günstigere und dabei etwas schwerere S-Tube-Variante ohne Carbon-Gestell für vertretbare 149 Euro. Ich habe die Investition zu keiner Sekunde bereut. Sitzprobleme? Hatte ich selten und seit ich den SQlab Sattel 612 Ergowave R fahre, nie wieder gehabt. Dieser Sattel ist eine Offenbarung! 149 Euro / www.sq-lab.com / Test