Selber machen, Geld sparen

Werkstatt: Wichtige Reparatur- und Wartungsarbeiten am Fahrrad

Nicht für jede Reparatur- oder Wartungsarbeit muss ein Rad in die Werkstatt. In unserer Werkstatt-Serie zeigen wir, wie Sie die meisten Probleme selbst lösen.

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Wer's selber macht, kann viel Geld sparen – hier der Wechsel der Fahrradkette.

Plattfuß beheben, Bremsen warten und einstellen, Fahrradkette pflegen und wechseln, Naben- und Kettenschaltung einstellen: In unserem großen Special "Werkstatt-Wissen" zeigen wir Radlern, wie sie die wichtigsten Reparaturen und Wartungsarbeiten selbst ausführen – anschaulich im Video erklärt.

Tierisch gute Unterstützung in der Werkstatt. So war das Beheben des Plattens kein Problem.

Platten beheben und Reifen wechseln

Zisch – das verhasste Geräusch kündigt eine Zwangspause während der Radtour an. Kaum eine Panne am Fahrrad kommt häufiger vor als ein Plattfuß. Meist ist die Luft schnell draußen, manchmal entweicht sie aber auch langsam. Schleicher werden diese Platten genannt. In diesem Fall müht man sich ab, wird langsamer, trotz mehr Kraft auf den Pedalen. Nur um später festzustellen, dass kein Druck mehr auf den Reifen ist. So oder so, ein Platten ist ein echter Fiesling. Gut, dass er immerhin leicht zu beheben ist. Wir zeigen in neun Schritten, wie es geht. Tipp: Achten Sie darauf, dass Sie nicht mit zu wenig Luft fahren. Dies kann zum sogenannten Snakebite führen. Dabei wird der Schlauch auf die beiden Felgenränder gedrückt. Die daraus resultierenden zwei Löcher sehen aus wie der Abdruck eines Schlangenbisses.

Flicken statt wegwerfen

Ein kaputter Schlauch muss nicht unbedingt in den Müll. Kleine Löcher können mit einem Flicken repariert werden. Richtig angebracht und mit Vulkanisierflüssigkeit befestigt, halten diese dauerhaft dicht. Flicken, also den Schlauch weiter zu nutzen, ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für das Portemonnaie – ein Flicken kostet meist nur einige Cent, ein neuer Schlauch vier bis fünf Euro. Unterwegs ist das Montieren eines heilen Schlauchs natürlich schneller und einfacher, als mit dem Kleber herumzuhantieren. Zum Beispiel bei Regen halten die Flicken aufgrund der Feuchtigkeit nur schlecht. Ein Ersatzschlauch sollte also stets im Gepäck sein. So hat man als Radler zwei Optionen – das ist immer gut.

Schleifende Bremsen oder abgefahrene Beläge – wir zeigen hier, wie Sie die Probleme in den Griff bekommen.

Hydraulische Scheibenbremsen und mechanische Felgen-Bremsen warten

Bremsen sind vielfältig. Wir erklären, wie Sie mit zwei der gängigsten Systeme zurechtkommen. Wir beginnen mit hydraulischen Scheibenbremsen. Hier finden Sie die Reparatur mechanischer Scheibenbremsen, erkennbar an einem Draht am Bremssattel, erläutert. Beläge hydraulischer Scheibenbremsen lassen sich relativ einfach wechseln. Sollte jedoch Luft in die mit Flüssigkeit gefüllten Bremsleitungen gelangt sein – macht sich am schwammigen Bremsgefühl und schlechten Druckpunkt bemerkbar –, ist die Reparatur aufwendig. Dieses Problem tritt bei sachgemäßer Anwendung aber nur sehr selten auf. Als Zweites thematisieren wir mechanische Felgenbremsen, sogenannte V-Brakes. Diese gut einzustellen erfordert etwas Fingerspitzengefühl. Quietschen sie, ist das Bremsgummi meist nicht optimal zur Felge ausgerichtet. Untersuchen Sie Bremsbeläge regelmäßig. Sollten sie bereits abgefahren sein, verringert sich nicht nur die Bremsleistung, es können auch andere Fahrradteile beschädigt werden, etwa die Felge. Scheibenbremsbeläge mit mehr als einem Millimeter Stärke brauchen noch nicht gewechselt zu werden.
Bei Felgenbremsklötzen sollten die Rillen im Gummi noch sichtbar sein. Beläge verhärten mit der Zeit. Dies führt zu einer schlechteren Bremsleistung. Deshalb sollten Bremsbeläge auch bei alten, selten gefahrenen Bikes gründlich geprüft werden. Verliert die Scheibenbremse plötzlich an Bremskraft oder quietscht sie trotz ausreichend dicken Belags, ist es möglich, dass dieser verglast ist. Ursache dafür kann unzureichendes Einbremsen oder das Bremsverhalten sein. Wechseln Sie den Belag, oder schleifen Sie ihn vorsichtig mit feinem Schleifpapier ab. Nicht funktionierende Bremsen stellen eine große Gefahr dar. Testen Sie die Funktion nicht sofort im Straßenverkehr. Wenden Sie sich im Zweifel an eine Fahrradwerkstatt.

Die Schaltung einzustellen ist generell nicht schwierig. Nur die Feineinstellung erfordert etwas Fingerspitzengefühl.

Naben- und Kettenschaltung einstellen

Springende oder nicht erreichbare Gänge sind extrem lästig. Wir zeigen Ihnen, wie eine Naben- und Kettenschaltung neu eingestellt wird – auch unterwegs.

Fahrradkette pflegen und wechseln

Das ist Schwerstarbeit! Indem die Kette über die Zahnkränze das Hinterrad in Schwung setzt, sorgt sie für den Vortrieb beim Radfahren. Das Rad auf Tempo zu bringen ist deshalb nicht nur für den Radfahrer anstrengend, auch die Kette wird gequält. Ewig machen das ihre Glieder nicht mit. Nach und nach verschleißen sie und werden länger. Die Längung der Kette ist bei Kettenschaltungen meist nach circa 3000 Kilometer so weit fortgeschritten, dass sie gewechselt werden sollte. Je nach Fahrweise, Wetter und Pflege kann diese Kilometerzahl allerdings stark abweichen. Ketten von Nabenschaltungen können meist deutlich länger gefahren werden.
Ist eine Kette zu lang, passen die einzelnen Kettenglieder nicht mehr gut in die Zähne der Kettenblätter und des Zahnkranzpakets. Der Verschleiß an diesen steigt dann enorm an. So wird schnell ein ganzer Antriebswechsel und nicht lediglich der preisgünstige Austausch einer Kette erforderlich. Kette wechseln spart also Geld. Abgesehen davon kosten dreckige Ketten im schlechten Zustand bei der Kraftübertragung einige Watt Leistung und verlangsamen so den Radfahrer. Der wichtigste Grund, gegen verschlissene oder aufgrund von mangelnder Pflege schwergängig gewordene Kettenglieder etwas zu tun, ist jedoch die hohe Verletzungsgefahr, denn Ketten können reißen und so zu schweren Stürzen führen. Ist die Kette unterwegs gerissen und das nötige Werkzeug, der Kettennieter und ein passender Nietstift oder Kettenschloss, nicht dabei, kann die Fahrt nicht fortgesetzt werden.

Nutzen Sie den Kettennieter, um den Nietstift so weit durchzudrücken, dass die Außenseite der Lasche nahezu eben ist und der Stift hier nicht mehr hervorsteht. Achten Sie darauf, den Nietstift nicht zu weit, aber auch nicht zu wenig durchzudrücken, da die Kette ansonsten reißen kann.

Kette pflegen

Eine gut gepflegte Kette verschleißt langsamer. Deshalb sollte sie regelmäßig gereinigt und neu geölt werden. Insbesondere nach langen Regenfahrten ist es wichtig, anschließend sofort wieder Kettenöl aufzutragen. Zur Reinigung kann ein Lappen mit Seife oder speziellem Kettenreinigungsmittel verwendet werden.
Einige Fahrradketten kommen mit Kettenschloss, andere mit Nietstift daher. Letztere sind schwieriger zu montieren, da der Stift nicht hervorstehen, aber auch nicht zu weit durchgestoßen werden darf. Andernfalls kann er sich lösen. Die Montage von Ketten mithilfe von Kettenschlössern ist deutlich einfacher, schließlich wird die Kette lediglich auf beiden Seiten in das Schloss eingehängt. Bei diesem Vorgang können Radler wenig falsch machen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich Kettenschlösser normalerweise mit geeignetem Werkzeug wieder öffnen lassen. Das vereinfacht die Kettenreinigung oder ermöglicht den schnellen Wechsel zwischen mehreren Ketten, beispielsweise beim Fahren unterschiedlicher Übersetzungen.

Ob eine Kette gewechselt werden muss, lässt sich am einfachsten mit einer Kettenverschleißlehre bestimmen. Diese gibt es von zahlreichen Herstellern.

Verschleißlehren und Messschieber

Um herauszufinden, ob sich eine Kette bereits so weit gelängt hat, dass sie gewechselt werden sollte, wird ein Messschieber oder eine Verschleißlehre benötigt. Was deren Genauigkeit angeht, so stellten wir fest, dass es bei beiden Varianten Probleme gibt. Die meisten Ketten besitzen Spiel an den Gelenken. So lassen diese sich ein wenig vor- und zurückschieben, was natürlich den gemessenen Abstand vergrößert. So hatten wir beispielsweise den Fall, dass die fast neue FSA-Kette laut Rohloff-Lehre bereits als verschlissen gewertet wurde.
Laut der längeren Verschleißlehre von VAR und dem Messschieber war diese Kette aber noch kurz vor der Verschleißgrenze. Da beide eine größere Länge als die Rohloff aufweisen, fällt das Gelenkspiel nicht so stark ins Gewicht wie bei der Rohloff. Unbekannt ist dieses Problem nicht. Deshalb hat sich Shimano dem angenommen und mit dem TLCN42 eine Lehre entwickelt, die selbst bei Ketten mit viel Gelenkspiel funktioniert. Mit dieser gilt dann letztendlich auch die FSA-Kette noch lange nicht als verschlissen. Der Messschieber war im Test ähnlich genau wie die VAR-Verschleißlehre.