Mallorca mal anders

Abseits des Massentourismus: Graveln auf Mallorca

Mallorca ist nicht nur die Lieblingsinsel der Deutschen – das Eiland ist auch seit Jahrzehnten ein Rennrad-Eldorado. Kann man auch mit dem Gravelbike Spaß auf der Baleareninsel haben? Wir haben es ausprobiert und abseits des Massentourismus abwechslungsreiche Gravel-Routen gescoutet.

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Mallorca ist nicht nur für Rennradfahrer ein Traum. Auch für Gravelbiker hält die Insel viele faszinierende Highlights bereit.

Auf die Frage, wo man auf der Insel Mallorca sein Lager aufschlägt, wenn man mit dem Gravelbike Spaß haben möchte, kann es laut des früheren Radprofis, Hoteliers und Café-Besitzers Jan Eric Schwarzer (Podcast weiter unten) nur eine Antwort geben: Sineu. Im Zentrum der Insel gelegen, bietet die 3.000-Einwohner-Gemeinde mit ihren in alle Himmelsrichtungen führenden Straßen und Wegen einen optimalen Startpunkt für jede Art von Radfahren. Zudem bietet das Städtchen mit einer Outdoor-Radbahn ein alternatives Trainingsgelände. Im Ort selbst findet man einige kleine Hotels und Unterkünfte, zudem die Radler-Herberge MA-13 von Jan Eric Schwarzer. Auch in Sachen Restaurants ist Sineu – der immer mittwochs stattfindende Wochenmarkt ist weit bekannt – gut aufgestellt.

Schön, aber ruppig

So viel vorab: Wer auf Mallorca gravelt, lernt die Insel, egal wie oft er oder sie hier schon Rennrad gefahren ist, völlig neu kennen. Leicht kann man bei den sich ständig windenden Wegen die Orientierung verlieren. Auch die sonst so makellose Verpflegungsinfrastruktur ist mit dem Gravelbike eine ganz andere, als Rennradler sie kennen. Darum hier der wichtige Hinweis: Sie sollten immer eine ausreichend große Menge an Flüssigkeit mitführen.
Wir selbst waren mit zwei Rose-Backroad-Gravelbikes am Start. Das Backroad hat sich in unseren Tests schon mehrfach sehr gut geschlagen, und auch hier auf der Insel kommt das Bike im Gelände gut klar. Allerdings sind wir mit Schlauch-Set-up gestartet – ein Fehler. Schon in den ersten zwei Stunden mussten wir zwei Plattfüße hinnehmen; für uns Grund genug, im Radladen Bequi in Alcudia gehörig in Tubeless-Ventile und -Milch zu investieren. Eine gute Entscheidung, in den Tagen danach waren wir pannenfrei unterwegs.

Galerie: Spektakulärer Gravelride auf Mallorca

Wenn die Landschaft die Radler frisst: Mallorca bietet nicht nur Meer und Buchten, sondern auch wunderbare Grünlandschaften.

Es sind übrigens nicht nur diverse Nadeln der mallorquinischen Vegetation, die den Reifen zu Leibe rücken. Auch die teils spitzen, scharfkantigen Steine auf den Gravelpfaden können Unheil bringen. Neben einem Tubeless-Set-up hilft hier eine gute, vorausschauend gewählte Linie.

Die besten Routen gibt's vom Insel-Insider

Es gibt viele Karten, auf denen alle Straßen für Rennradler gut ersichtlich sind. Aber wie findet man gute Gravelwege? Auf Komoot sind zwar einige ordentliche kurze Routen, aber um die schönen Touren zu entdecken, benötigt es Kenner wie Jan Eric Schwarzer oder aber Martin Jaume, der auf seiner Webseite gravelmallorca.com Routen zum Download anbietet. Fürs Erste können Sie sich auch die Touren anschauen, die wir für Sie gefahren sind. Die Komoot-Collection finden Sie am Ende des Berichts.

Immer wieder lassen sich schmucke Küstenstädte bewundern. Dort lässt es sich im Café bei Kaffee und Mandelkuchen aushalten.

Sie werden bald sehen, dass Mallorca tatsächlich auch ein Gravelparadies ist – und das nur bleiben kann, wenn sich alle an die Regeln halten. „Weidetore zu großen privaten Ländereien müssen unbedingt gewissenhaft nach der Durchfahrt geschlossen werden, und natürlich darf kein Müll in der Natur liegen bleiben“, mahnt Jan Eric Schwarzer, der schon jetzt erlebt, dass der eine oder andere Landwirt seine Wege lieber geschlossen hält, als seine entlaufenen Schafe irgendwo suchen oder Energieriegelpapier aufsammeln zu müssen.
Zurück zum Standort. Viel wichtiger als beim Rennradfahren ist es, die Mitte der Insel aufzusuchen. Die Touren im Gelände ziehen sich eh auf Grund der deutlich geringeren Durchschnittsgeschwindigkeiten in die Länge, eine Anfahrt zum Beispiel von Norden in die entlegenen Gebiete gestaltet sich daher schwierig. Es sei noch einmal betont: Während ein Rennradler 60 Kilometer in rund zwei Stunden absolviert, kann eine Graveltour dieser Länge mehr als doppelt so lange dauern. Die beste Reisezeit? Wir dachten, es könne der November sein. Allerdings haben uns die Mallorquiner selbst gesagt, dass zumindest in den vergangenen zehn Jahren kein November so schlecht war wie der in 2021. Es kann also die kommenden Jahre nur besser werden.

Bitte nicht nachmachen! Die letzten Meter haben wir unsere leichten Carbon-Gravelbikes getragen.

Die Strecken