The Transcontinental Race 2019

Fiona Kolbinger gewinnt eines der härtesten Rennen Europas

Das Transcontinental Race ist eines der härtesten Rennen Europas. Ohne Support fahren die Teilnehmer auf ihren Bikes quer durch Europa. Die in Dresden wohnhafte Fiona Kolbinger erreichte als Erste das Ziel – mit großem Vorsprung vor dem ersten Mann.

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Die Strecke des diesjährigen Transcontinental Race führt die Teilnehmer von Bulgarien über zahlreiche imposante Pässe bis nach Brest in Frankreich. Fiona Kolbinger, Nummer 66, erreichte als Erste das Ziel.

4100 Kilometer, Start in Bulgarien am Schwarzen Meer, Ziel ist Brest in Frankreich, vier Checkpoints in den Bergen müssen angefahren werden. Das Transcontinental Race ist selbst für erfahrenste Teilnehmer eine echte Herausforderung. Kräftig in die Pedale zu treten reicht nicht. Nur disziplinierte Organisationstalente haben eine Chance vorne mitzufahren, denn Support ist während der Rennteilnahme strengstens verboten. So müssen die 265 Teilnehmer, darunter 40 Frauen, unterwegs für all die auftretenden Probleme eine Lösung finden. Dazu gehört die Fahrradreparatur, das Einkaufen von Essen sowie die Suche nach geeigneten Schlafplätzen. Einige Teilnehmer nächtigen in Hotels, andere schlafen am Straßenrand. Wer schläft, verliert jedoch Zeit, denn die Uhr bleibt bei diesem Rennen niemals stehen.

Die Gewinnerin

Fiona Kolbinger, Jahrgang 1995 und seit Kurzem Ärztin, gewinnt die siebte Ausgabe des Transcontinental Race und ist damit die erste Frau, die die Gesamtwertung für sich entscheiden konnte. Sie erreichte mit 250 Kilometern Vorsprung vor dem ersten Mann das Ziel, beeindruckender Weise ohne vorherige Rennerfahrung.

Auf ihrer Fahrt quer durch Europa legte die Dresdenerin zehn Tage lang durchschnittlich knapp über 400 Kilometer pro Tag zurück. Dabei war die Strecke alles andere als flach, etwa 40000 Höhenmeter musste sie bezwingen. Den meisten Teilnehmern konnte man die Anstrengung und Erschöpfung ansehen. Nicht so bei Fiona Kolbinger. Stets lächelte sie in die Kamera, in den Bergen baute sie ihren Vorsprung aus. Am vierten Checkpoint, in Führung liegend, nahm sie sich sogar noch Zeit, The Lion Sleeps Tonight auf dem Klavier zu spielen, nach all den Strapazen, der Hitze und dem wenigen Schlaf. Fiona überzeugt bei diesem Rennen mit einer Lockerheit, die so noch nicht gesehen wurde. Doch auch bei ihr lief nicht alles nach Plan. So war sie auf einem Offroad-Plichtabschnitt von mehreren Platten geplagt. In Serbien kollidierte sie mit einer Grenzschranke. Schranke verbogen, Lenkeraufsatz auch. Fiona Kolbinger ist heil geblieben – und zeigt bis zur Zielankunft keine Schwäche.
Die Überraschung über ihre starke Leistung war nicht nur bei denen, die das Rennen online verfolgt haben, sondern auch bei ihr selbst groß.
“I am so, so, surprised to win. Even now. When I was coming into the race I thought that maybe I could go for the women’s podium, but I never thought I could win the whole race… I think I could have gone harder. I could have slept less.” - Fiona Kolbinger
Noch läuft das Rennen. Hier können Sie die Teilnehmer verfolgen: Trackleaders: The Transcontinental Race
Svenja Schrade

von Svenja Schrade

BIKE-BILD-Redakteurin Svenja Schrade ist begeisterte Radfahrerin und Bikepackerin – meistens unterwegs auf dem Gravelbike. Fühlt sich aber auf fast allen Zweirädern wohl.