Jonas Deichmann

Rekordreise von Kap zu Kap – Zwischenbericht

Jonas Deichmann ist Extrem-Bikepacker. Sein aktuelles Projekt: Die Kontinentalquerung vom Nordkap in Norwegen bis nach Kapstadt in Südafrika. In Rekordzeit? Jonas Deichmann plant die 18.000 Kilometer lange Strecke in 75 Tagen zurückzulegen. Wir berichten über die Zwischenstände.

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Abenteuerreise der besonderen Art: Jonas Deichmann und Philipp Hympendahl radeln vom Nordkap nach Kapstadt.

Jonas Deichmann und Philipp Hympendahl haben etwa ein Drittel ihrer Tour geschafft, schon 26 anstrengende Tage liegen hinter ihnen. Rentiere, Unfälle, nette Menschen und tolle Landschaften – erlebt haben die beiden viel. Hier finden Sie die Zusammenfassung ihrer unglaublichen Tour.

Tag 1 bis 6: Norwegen und Finnland

Jonas Deichmann und Philipp Hympendahl starten am Nordkap. Ihre Route führt sie entlang des Arktischen Ozeans. Viele Hügel sind hier zu bezwingen und endlose Wälder, Seen, Flüsse und Rentiere zu bestaunen. „Die Finnen bauen keine Kurven, sie lassen die Straßen gradewegs über den Hügel führen“, erzählt Jonas Deichmann. In all der Einsamkeit finden die beiden Abenteurer einen schönen Platz zum Wildcampen – am Strand. Zwar sind die beiden mit Gegenwind gestraft, doch belohnt werden sie mit T-Shirt-Wetter. Erst am fünften Tag leiden sie unter Kälte und Dauerregen. Viele finnische Straßen werden plötzlich zu Schotterstraßen. Das kostet Zeit. Immerhin dreht der Wind, sodass sie irgendwann spät abends die russische Grenze erreichen und sich direkt dahinter zum ersten Mal in einem Hotel einquartieren.

Tag 7 bis 10: Nach Moskau

Die ersten 40 Kilometer quälen sich Jonas Deichmann und Philipp Hympendahl durch Baustellen und über Schotter. Danach geht es dann aber zügig mit starkem Rückenwind und Sonnenschein nach St. Petersburg. Abends landen die beiden auf der Suche nach Essen auf einer russischen Geburtstagsparty. Am nächsten Tag jedoch ist das gute Wetter vorbei: Gegenwind und Schüttregen. Die Straße nach Moskau ist schrecklich, LKW rasen nur mit minimalen Abständen an ihnen vorbei. Noch dazu zehrt die Kälte an ihren Kräften. Die Bedingungen ändern sich auch am neunten Tag nicht, nur der Wind hat zu ihren Gunsten gedreht. Die sechsspurige Straße nach Moskau hat fast keinen Seitenstreifen, die Fahrt bleibt also gefährlich. „Gegen Mittag erwischt mich ein LKW-Seitenspiegel“, erzählt Jonas Deichmann. Zum Glück bleibt er unverletzt, doch die mentale Belastung ist groß. Endlich in Moskau angekommen suchen sie eine Werkstatt auf.

Tag 11 bis 17: Von Moskau nach Georgien

Auf der Autobahn in Richtung Schwarzem Meer wir der Verkehr endlich weniger. Der Seitenstreifen ist breit, der Asphalt glatt und Jonas Deichmann und Philipp Hympendahl kommen somit gut voran. Bei den guten Bedingungen bleibt es jedoch nicht. Eine Straße stellt sich als zu gefährlich heraus, sodass die beiden nach 20 der 900 geplanten Kilometer umdrehen und eine Alternativroute einschlagen. Auch der zwölfte Tag ist verregnet, fünf Regentage in Folge. „Ich weiß kaum noch, wie sich das Radfahren in trockenen Schuhen anfühlt“, meint Jonas Deichmann. Die folgenden Tage haben die beiden mit starken Seitenwinden zu kämpfen. Am 16. Tag wird die Landschaft hügeliger. Abends finden sie kaum Schlaf, da sie von betrunkenen Russen geweckt und zum Vodka-Trinken eingeladen werden.

Galerie: Kap zu Kap: Bilder von Tag 1–25

Tag 18 bis 20: Von Georgien nach Aserbaidschan nach Iran

In Georgien muss der Kaukasus überquert werden. Das bedeuten für Jonas Deichmann und Philipp Hympendahl viele Höhenmeter, imposante Berge und tolle Ausblicke. Die Menschen sind nett, das Essen ist gut. Da das Land relativ klein ist, erreichen die beiden bereits am nächsten Tag Aserbaidschan – bei Rückenwind. Die Gastfreundschaft in diesem Land beeindruckt sie, die vielen Baustellen kosten Zeit.

Tag 21 bis 26: Durch den Iran

Jonas Deichmann und Philipp Hympendahl starten früh, damit sie zu Sonnenaufgang an der iranischen Grenze ankommen. Dummerweise schlafen die Grenzer zu dieser Zeit noch. Wieder Schüttregen. An Tag 22 versuchen die Bikepacker Geld zu wechseln, eine Simkarte zu bekommen und ihr Rad reparieren zu lassen. Das kostet enorm viel Zeit. Der Fahrradmechaniker geht während der Reparatur Mittagessen. Kein guter Tag also für eine Rekordfahrt. Die Landschaft ist beeindruckend. Hohe Berge und viel Sand prägen die Landschaft. Hinter einem Pass erleben die beiden eine 100 Kilometer Abfahrt mit starken Rückenwind bei dem sie einen Schnitt von etwa 50 Kilometern pro Stunde erreichen. Das muss Spaß machen. Die Hitze macht ihnen jedoch zu schaffen. Am Abend des 25. Tages trifft sie ein Sandsturm, bei dem sie sich nur mit Mühe auf dem Bike halten können. Der 26. Tag ist der letzte in Iran. In Shiraz verpacken die Abenteurer ihre Räder, um nach Kairo zu fliegen, das auf dem etwa gleichen Breitengrad liegt. Von dort wird die Fahrt durch Afrika beginnen.
Wir werden über den weiteren Verlauf berichten. Die Rekordfahrt von Jonas Deichmann und Philipp Hympendahl kann hier verfolgt werden.
Svenja Schrade

von Svenja Schrade

BIKE-BILD-Redakteurin Svenja Schrade ist begeisterte Radfahrerin und Bikepackerin – meistens unterwegs auf dem Gravelbike. Fühlt sich aber auf fast allen Zweirädern wohl.