Schlafsack-Kaufberatung

Schlafsäcke für die Radreise und das Bikepacking

Schlafsäcke halten uns auf Radreisen und beim Bikepacking über Nacht im Zelt warm. Damit Sie sich nicht von der Marktvielfalt erschlagen fühlen, erklären wir Ihnen, wie Sie den richtigen Schlafsack finden.

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Der gemütliche Deuter Exosphere-Kunstfaser-Schlafsack ist in vielen unterschiedlichen Varianten erhältlich. Er liegt eng am Körper an, aber durch die elastischen Einsätze hat man trotzdem viel Bewegungsfreiheit.

Schlafsäcke halten uns selbst an kalten Campingtagen gemütlich warm, vorausgesetzt, wir wählen das richtige Modell aus. Je nach Reiseziel, Jahreszeit, Schlafverhalten und persönlichen Vorlieben kommen unterschiedliche Modelle infrage. Wir erklären Ihnen, worauf Sie beim Schlafsackkauf achten sollten.

Der Temperaturbereich: Komfort-, Limit- und Extremtemperaturen

Für einen angenehmen Schlaf müssen Schlafsäcke warm genug sein. Damit die Temperaturbereiche vergleichbar sind, gibt es eine Norm, die EN 13537. Die dabei ermittelte Komforttemperatur gibt an, bis zu welcher Temperatur eine definierte Standardfrau noch nicht friert. Die Grenztemperatur macht Angaben darüber, wann ein Standardmann kurz vorm Frieren ist. Ab der Extremtemperatur drohen Unterkühlungen. All diese Werte stellen jedoch nur grobe Richtwerte dar, schließlich ist das Temperaturempfinden individuell unterschiedlich und tagesformabhängig. Planen Sie deshalb unbedingt eine Temperaturreserve ein.

Schlafsäcke mit Daunen- oder Kunstfaserfüllung

Dieser in drei Größen verfügbare ultraleichte Y by Nordisk Passion-Schlafsack ist ein echtes Highend-Produkt mit feinster Daunenqualität. Das Außenmaterial ist wasserabweisend und windresistent. Einziger Nachteil: der hohe Preis von 529 Euro bei einer Komforttemperatur von sieben Grad Celsius. Das Gewicht: nur 470 Gramm.

Gute Daunenschlafsäcke punkten gegenüber der Kunstfaser-Konkurrenz mit einem deutlich kleineren Packmaß und geringeren Gewichten – beides Riesenvorteile auf Radreisen. Hinzu kommt das gute Schlafklima, da die Federn sehr atmungsaktiv sind und sogar Körperfeuchtigkeit aufnehmen. Trotzdem hat die Daune ihre Schwächen. Bei Nässe verliert sie an Isolationsfähigkeit. Um dem entgegenzuwirken, gibt es inzwischen imprägnierte Daunenfüllungen. Auch gut zu wissen: Die Daunenqualität wird in der Einheit Cuin gemessen. Je höher der Wert, desto besser isoliert sie. Ein Schlafsack mit besonders hochwertiger Daune ist beispielsweise der Y by Nordisk Passion. Kunstfaserschlafsäcke hingegen haben den Vorteil, preisgünstiger, pflegeleichter und robuster zu sein. Sie wärmen selbst dann noch, wenn sie nass werden. Ein gutes Beispiel für einen relativ leichten Kunstfaser-Schlafsack ist der Deuter Exosphere 0° mit seinen elastischen Einsätzen.

Die Schlafsackform

Der 440 Gramm leichte Therm-a-Rest Vesper 32F/OC-Quilt mit fünf Grad Celsius Komforttemperatur hat ein winziges Packmaß. Er ist auf der Unterseite offen und wird mit elastischen Bändern auf der Matte fixiert. Seine hochwertige Daune ist imprägniert.

Da enganliegende Schlafsäcke besser wärmen, orientieren sich Mumienschlafsäcke an der Körperform des Menschen. Für mehr Bewegungsfreiheit gibt es sogenannte eiförmige Schlafsäcke, die aber wiederum mehr Material benötigen und somit schwerer sind. Eine weitere, sehr spannende und leichte Variante ist der Quilt. Er ist auf der Unterseite offen und wird über die Isomatte gespannt. So kann er, obwohl er bei vielen Modellen ähnlich wie eine Decke konstruiert ist, nicht verrutschen – perfekt für Menschen, die sich nachts oft drehen und deren Schlafsackkapuze irgendwann oben statt unten liegt. Unsere Kaufberatung zu Isomatten finden Sie hier.

Für ein langes Schlafsackleben

Jede Wäsche verringert die Wärmeleistung des Schlafsacks. Deshalb ist die Nutzung eines dünnen Inletts, zum Beispiel aus Seide, sinnvoll, um Verschmutzungen des Schlafsacks zu vermeiden. Außerdem sollte der Schlafsack nicht für längere Zeit komprimiert gelagert werden, um die Füllung nicht zu beschädigen, sowohl bei Kunstfaser- als auch bei Daunenschlafsäcken. Dann bleibt er voraussichtlich ein treuer Begleiter auf vielen hundert Radreisetagen.

Ihnen ist trotz eines warmen Schlafsacks kalt?

Wenn die Außentemperatur deutlich über der Komforttemperatur des Schlafsacks ist, Sie aber trotzdem frieren, kann das verschiedene Ursachen haben. Eine ist die Isomatte. Da die Unterseite des Schlafsacks beim Liegen plattgedrückt wird, kann er dort nicht isolieren. Diese Isolierung muss die Isomatte übernehmen, damit die Kälte nicht von unten in den Schlafsack kriecht. Weitere Informationen zu Isomatten und deren Temperaturbereichen finden Sie hier.
Weiterhin hilft es, den Schlafsack schon einige Zeit vorm Schlafengehen auszubreiten, damit er seine volle Bauschkraft entwickeln kann. Außerdem sollten Sie nicht bereits kalt in den Schlafsack gehen. Machen Sie stattdessen vorher ein paar Sportüben wie Kniebeugen.
Nasse, verschwitzte Kleidung sollte unbedingt vorher gegen trockene ausgewechselte werden. Da wir zudem viel Körperwärme über den Kopf verlieren, lohnt es sich, die Schlafsackkapuze weit zuzuziehen oder eine warme Mütze aufzusetzen.
Außerdem sollten Sie sich niemals hungrig in den Schlafsack legen, denn dann geht der Körper oft in einen Energiesparmodus, der uns frösteln lässt. Sich abends ein leckeres Mahl auf dem Camping-Kocher zu kochen, lohnt sich deshalb allemal. Hier stellen wir unterschiedliche Camping-Kocher-Arten für die Radreise vor.
Ältere oder schlecht gelagerte oder häufig gewaschene Schlafsäcke können zudem an Isolierfähigkeit verlieren. Einige Firmen bieten deshalb Schlafsack-Neubefüllungen an.
Sollte einem trotzdem noch kalt sein, hilft nur, sich viel anzuziehen oder ein warmes Inlett zu nutzen, ansonsten muss wohl ein wärmerer Schlafsack her.
Svenja Schrade

von Svenja Schrade

BIKE-BILD-Redakteurin Svenja Schrade ist begeisterte Radfahrerin und Bikepackerin – meistens unterwegs auf dem Gravelbike. Sie fühlt sich aber auf fast allen Zweirädern wohl.