Radreise fürs Wochenende

Wochenend-Radtour: So schön ist Lübeck

Lübeck ist ein gutes Ziel für Wochenendreisen mit dem Fahrrad. Wir stellen Ihnen zwei Routen vor und geben Insider-Tipps. Eine Tour führt an die Ostsee, die andere nach Ratzeburg.

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Das Dummersdorfer Ufer in ein landschaftlich wunderschönes Naturschutzgebiet in Lübeck. Redakteurin Svenja Schrade (rechts) kennt sich hier gut aus.

Sieben Türme ragen in der Lübecker Altstadt weit über die Hausdächer. Die glorreichen Hansezeiten sind zwar lange vergangen, geblieben sind jedoch die schönen, geschichtsträchtigen Bauten. An kulturellen Orten mangelt es der Stadt wahrlich nicht. Ganze zwölf Museen gibt es hier. Wer all diese besuchen möchte, wird wohl kaum zum Radfahren kommen. Wirklich schade wäre das, schließlich gibt es im Umland beeindruckend schöne Landschaften und abwechslungsreiche Radwege. Wir stellen Ihnen zwei Touren vor, die Sie so in keinem Reiseführer finden werden.
In Lübeck habe ich studiert, im nicht einmal 25 Kilometer entfernten Dassow bin ich aufgewachsen. Dementsprechend gut kenne ich die Gegend und weiß, dass sie viel mehr als nur die Ostsee zu bieten hat. Jetzt sitze ich im Zug nach Lübeck, um mit dem Fahrrad zwei schöne Tage in meiner alten Heimat zu verbringen.

Tour 1: Mit dem Fahrrad von Lübeck an die Ostsee


Am hübschen Wahrzeichen Lübecks, dem Holstentor, treffe ich auf meine Freundin Johanna, die mich auf den beiden Radtouren begleiten wird. Vorbei am Museumshafen und Hansemuseum führt uns die Strecke auf die Westseite des Flusses Trave, die Lübeck mit der Ostsee verbindet. Viel von der Trave sehen wir aber erst am Dummerdorfer Ufer, einem Naturschutzgebiet, das in dieser Region landschaftlich seinesgleichen sucht. Schicke Steilküsten, sanfte Hügel, niedliche Schafe und kleine Strände – welch ein Idyll!
Kurz darauf erreichen wir schon Travemünde. Am Fischereihafen machen wir eine Pause und essen jeweils zwei leckere Fischbrötchen in der Fischkombüse, in der es aber auch leckere Fischgerichte in nicht zu kleinen Portionen gibt. Gestärkt gehen wir auf die Fähre, die uns auf den Priwall bringt, die Ostseite Travemündes. Kreischende Möwen und Wind, Ostseeflair wie im Bilderbuch. Am südlichen Teil des Priwalls fahren wir direkt an der Trave entlang, neben uns die vielen kleinen und großen Schiffe. Wir sind uns einig, nach dem Dummersdorfer Ufer ist das hier der bisher schönste Abschnitt. Nun wollen wir aber endlich an den Strand. Da Johanna und ich keine überfüllten Strände mögen, suchen wir uns kurz hinterm Priwall einen ruhigen Abschnitt. Auflandiger Wind, Brandung, wir gönnen uns eine Abkühlung und stürzen uns in die Wellen. So fühlt sich Urlaub an.
Anschließend radeln wir durch Nordwestmecklenburg, am hübschen Dassower See entlang bis nach Dassow. Wir verweilen nicht lange, denn eine dunkle Gewitterwolke zieht auf. Der Rand der Wolke erwischt uns noch, der Regen ist aber bei den über 30 Grad Celsius eine willkommene Abkühlung. Zurück in Lübeck, erkunden wir das alte Fischerdorf Gothmund. Viele kleine Reetdachhäuser befinden sich hier direkt an der Trave, idyllischer kann ein Dorf kaum aussehen. Anschließend fahren wir einen schmalen, recht holprigen Weg nur wenige Zentimeter neben der Trave entlang. Zwar muss man hier vorsichtig und langsam fahren, doch der tolle Ausblick lässt einen alle Unannehmlichkeiten vergessen. Kurz darauf ist die 76 Kilometer lange Tour schon beendet.

Galerie: Mit dem Fahrrad von Lübeck an die Ostsee

Tour 2: Von Lübeck nach Ratzeburg


Wieder treffen wir uns am Holstentor. Heute ist die hübsche Inselstadt Ratzeburg das Ziel. Zuerst aber kaufen wir Marzipan, für das Lübeck schließlich bekannt ist. Die berühmteste und dabei auch älteste Marke ist Niederegger. Es ist indes nicht der einzige gute Hersteller von Marzipan. Starke Konkurrenz bekommt Niederegger zum Beispiel von Mest. Beim direkten Geschmacks-Vergleichstest können wir keinen eindeutigen Gewinner ausmachen. Niederegger ist schokoladiger, was aber die Marzipanmasse angeht, gewinnt Mest. Wir empfehlen, beide zu probieren.
Mit etwas Marzipan im Gepäck fahren wir nach Süden. Dabei folgen wir dem Drägerweg nach Rothenhusen, der an der hübschen, unter Paddlern beliebten Wakenitz entlangführt. In Rothenhusen genießen wir den Ausblick auf den Ratzeburger See, bevor wir auf hübschen kleinen Wegen an der Ostseite des Ratzeburger Sees entlangradeln. Der See ist von dort aus zwar kaum sichtbar, trotzdem: Augen auf – mit etwas Glück können Sie hier wild lebende Nandus erblicken.
In Ratzeburg schauen wir uns die auf einem Hügel errichtete Dom-Anlage an. Tatsächlich gehört dieser Dom zu den ältesten kirchlichen Gebäuden Schleswig-Holsteins, heute leider mit Baugerüst versehen. In der Fischereistube essen wir erneut Fischbrötchen. Die mit Stremellachs belegten sind wahrlich ein Traum für unsere Geschmacksnerven.
Anschließend radeln wir die Westseite des Ratzeburger Sees entlang. Zuerst führt die Route durch einen recht hügeligen, alten Wald. In der Nähe von Pogeez springen wir noch einmal ins kühle Nass, um danach am Elbe-Lübeck-Kanal wieder bis ins Lübecker Stadtzentrum zu fahren.

Galerie: Mit dem Fahrrad von Lübeck nach Ratzeburg


Zwei Tage, die sich wie ein richtiger Urlaub angefühlt haben. Wie sehr ich meine alte Heimat doch liebe.
Svenja Schrade

von Svenja Schrade

BIKE-BILD-Redakteurin Svenja Schrade ist begeisterte Radfahrerin und Bikepackerin – meistens unterwegs auf dem Gravelbike. Sie fühlt sich aber auf fast allen Zweirädern wohl.