Gebirge für Genießer

Radtouren in der Olympia-Region Seefeld

Enge Täler, tosende Bäche und gewaltige Bergmassive – in der Olympiaregion Seefeld sind Abenteuer auf zwei Räder in grandioser Alpen-Natur ohne größere Anstrengung möglich. Viele Ausflüge sind sogar besonders familienfreundlich. Wir stellen zwei Touren zum Träumen vor.

Datum:

Der Fernblick zum Gaistal mit der Hohen Munde kann sich sehen lassen.

Wetterstein und Karwendel: Namen, die jedem Alpinisten aufgrund von legendären Kletterrouten, sagenumwobenen Tälern und herrlichen Aussichtspunkten ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Aber nicht nur Kletterer oder Wanderer kommen hier in den Genuss einzigartiger Naturerlebnisse. Immer mehr Radfahrer atmen die saubere Bergluft ein, kühlen sich in einem der vielen Bergseen ab oder genießen regionale Spezialitäten bei Almhüttenatmosphäre.

Winter- und Sommersport

Die Region Seefeld liegt auf einem durchschnittlich 1.200 Meter hohen Plateau, eingebettet zwischen Mittenwald in Bayern und Innsbruck in Tirol. 1964 und 1976 kämpften hier die nordischen Wintersportler um Olympiamedaillen, im Februar 2019 findet die nordische Weltmeisterschaft hier statt. Einer der schönsten Wintersportorte der Alpen hat in der schneefreien Zeit aber auch 25 Radrouten auf mehr als 500 Kilometern Streckenlänge zu bieten – von leicht und familienfreundlich bis herausfordernd. Zwei der Touren haben wir uns an einem Wochenende vorgenommen.

Tour 1: Durch das Gaistal zum Seebensee

Die Tour startet in der Fußgängerzone von Seefeld. Bis hinauf zur Wildmoosalm folgt man der asphaltierten Gemeindestraße. Von dort bis nach Buchen führt ein schöner Forstweg durch Wald- und Weidegebiet. Zwischen Buchener Höhe und dem Salzbach Parkplatz im Leutascher Ortsteil Klamm fährt man auf der verkehrsarmen Landesstraße. Ab dem Parkplatz geht es meist leicht ansteigend hinein in das wunderschöne Gaistal, bis man am Ende des Tales hinunter nach Ehrwald blickt und auf der rechten Seite vor dem Zugspitzmassiv steht. Nach links biegt der Forstweg ab in Richtung Seebenalm. Dort lässt man sein Fahrrad stehen und spaziert die letzten Meter hinauf zum romantischen, zwischen den Felsmassiven gelegenen Seebensee.

Details

Distanz:

56 Kilometer

Höhenmeter:

1000

Dauer:

6 Stunden

Wegbeschaffenheit:

Sehr gut befahrbar, einige wenige Teilstücke grober Schotter

Die Strecke durch das Gaistal, einem schmalen Hochtal, zählt landschaftlich zu den schönsten Radrouten in den Tiroler Alpen. Die Zeit für einen Cappuccino in der Fußgängerzone von Seefeld sollte man sich aber vor dem Start noch gönnen. Der Geruch von Nadelbäumen und frischem Gras begleitet Radler während der gemütlichen Auffahrt zur Wildmoosalm. Die unzähligen Kühe auf den Weiden interessieren sich nur für ihre Wiese, nicht für die zahlreichen Radfahrer in ihren bunten Klamotten. Nach der Anhöhe von Buchen wartet die schöne Abfahrt durch den dichten Wald hinunter nach Leutasch. Der grandiose Ausblick, der sich am Beginn des Gaistales bietet, lässt einen staunen.

Die Radwege am Seefelder Plateau schlängeln sich meist durch Wald- und Wiesengebiete. Die Anstiege in den Tälern der Olympiaregion sind meist nur kurz und lassen sich auch mit Gepäck gut bewältigen.

„Wen Gott liebt, den lässt er in diesem Land fallen“, hat schon der deutsche Schriftsteller Ludwig Ganghofer über dieses wildromantische Tal geschwärmt, wo er zwischen 1896 und 1918 eine Hochwildjagd gepachtet hatte. Auf den ersten Kilometern zwischen den zerklüfteten Ausläufern des Wetterstein- und Mieminger Gebirges radeln Freizeitsportler in nahezu unberührter Natur. Wer könnte hier nicht den Schriftsteller verstehen, der sich während seiner Aufenthalte an dieser gran­diosen Aussicht so erfreut hat? Wer keine Wasser­flasche mitführt, hat kein Problem: Vielerorts entspringt hier glasklares Trinkwasser aus bizarren Felsformationen.
Die Sonne lässt den Garten der urigen Gaistalalm noch romantischer erscheinen. Ein herrliches Bild. Kein Wunder, dass man im Flow weiter taleinwärts Richtung Seebenalm strampelt, immer begleitet vom faszinierenden Almenparadies, während sich der Schotterweg stetig durch saftige Wiesen mit ihren Kühen und Schafen schlängelt.

Mit dem Zugspitzmassiv im Rücken: letzter Anstieg zum Seebensee.

Ein Steinwurf bis zur Zugspitze

Das Rauschen der Gaistaler Ache, manchmal unauffällig, aber auch laut und schäumend, ist hier ständiger Begleiter bis zum Ende des Tals. Wer nach oben schaut, der erblickt einen ganz besonderen Berg: die Zugspitze, mit 2.962 Metern höchster Berg Deutschlands.
Am südlichen Ausläufer angekommen, zweigt der Weg in Richtung Seebenalm ab. Der letzte Kilometer Anstieg zur Alm erzwingt noch einmal ein wenig Schweiß. Dafür werden Radler mit einem Anblick belohnt, der bei vielen für offene Münder sorgt. Tief unten liegt Ehrwald, hoch oben die Zugspitze. Von hier aus führt ein gemütlicher Spaziergang zum schönsten See der Umgebung – dem Seebensee. Im glasklaren Blau spiegeln sich die steilen Felsen, und auch Entenfamilien, Kühe und Schafe scheinen ihren Aufenthalt hier sehr zu genießen.

Tour 2: Durchs Hinterautal zum Isar-Ursprung

Der Parkplatz Lend in Scharnitz ist Ausgangspunkt für alle Touren in der Region. Der erste Teil bis zum Gasthof Wiesenhof ist asphaltiert. Dann beginnt die gut zu befahrene Forststraße, die nur bis zur Gleirschhöhe moderat bergauf führt. Bald sieht man hinein in das Hinterautal. Die Forststraße führt durch Weidegebiete, freie Felder und kleinere Waldabschnitte. Ständiger Begleiter ist die aus dem Tal fließende Isar. Im hinteren Talbereich gibt es einen sehr schönen Rastplatz mit vielen Informationen über den Isarursprung. Die letzten Meter zur Kastenalm muss man zu Fuß gehen, da sie sich in einem großen Wiesengebiet befindet.

Details

Distanz:

32 Kilometer

Höhenmeter:

400

Dauer:

3,5 Stunden

Wegbeschaffenheit:

Gut befahrbar, nur letzter Teil grober Schotter

Die zweite Tour ist auch für kleine Radler geeignet. Mit der Bahn fahren mein Sohn Jacob und ich bis nach Scharnitz. Ich erkläre dem Achtjährigen die Beschilderung, die uns Richtung Kastenalm führen wird, „schauen wir einmal, ob du den Weg findest“. Schon eine halbe Stunde später radeln wir in kindgerechtem Tempo entlang der Isar. Wir wollen zum Ursprung dieses viertgrößten bayerischen Flusses, dorthin, wo er als Tiroler Bächlein geboren wird. Jacob fragt immer wieder nach den Namen der gewaltigen Berggipfel des Karwendel-Massivs. Ich merke ihm an, wie er über die vielen kleinen Bächlein staunt. Kein Wunder, im Großraum Karwendel gibt es 350 Quellen, die aus besonders kalkhaltigem Gestein entspringen. Wir fahren vorbei an Birken, vielen Blaubeersträuchern und Enzianen.

Jeder Einheimische kennt es: das „Seefelder Seekirchel“. Ausgangspunkt für viele Wanderungen.

Die nett gestalteten Rastplätze mit vielen Informationen über die Isar, die noch einer der wenigen naturbelassenen Wildbäche der Alpen ist, haben auch heute viele Wanderer und Radfahrer zum Verweilen angelockt. Wir fahren noch weiter bis zur Kastenalm, unserem heutigen Ziel. Hier gibt es nichts Warmes zum Essen. Dafür aber Wurst, Käse, Speck und Brot aus heimischer Erzeugung. Nach einer Pause in der duftenden Wiese geht es zurück nach Scharnitz. Als wir dort wieder in die Bahn steigen, bin ich stolz auf meinen kleinen Sohn. Er hat fast 30 Kilometer an diesem Tag heruntergestrampelt.

Auf einen Blick

Anreise nach Seefeld in Tirol:
  • mit dem Auto: Von München entlang der A95 Richtung Garmisch, anschließend weiter über die Bundesstraße nach Mittenwald, Scharnitz, Seefeld (ab München 90 Min).
  • mit der Bahn: Sehr gute Bahnverbindung zwischen München und Seefeld. Alle Stationen und Fahrpläne siehe fahrplan.oebb.at
Unterkunft:
  • Hotel Olympia, Albrecht-Dürer-Weg 7, 6100 Mösern, Tel: +43(0)6644165403, www.olympia-seefeld.com. Ab 70 Euro pro Person mit Frühstück. Sauber und freundlich mit E-Bike-Ladestation.
  • Hotel Seelos, Wettersteinstraße 226, 6100 Seefeld, Tel: +43(0)52122308, www.hotel-seelos.at Ab 80 Euro pro Person mit Frühstück. Liegt auf einem Hügel mitten in Seefeld, Traumaussicht, Wellness.
  • Ferienhotel Kaltschmid, Olympiastraße 101, 6100 Seefeld, Tel: +43(0)52122191, www.kaltschmid.info. Ab 60 Euro pro Person mit Halbpension. Im Zentrum, auch in der Nebensaison geöffnet.
  • B&B Alte Schmiede, Platzl 114, 6105 Leutasch, Tel: +43(0)52146308, www.pension-alte-schmiede.com. Ab 50 Euro pro Person mit Frühstück. Bauernhaus, saubere Zimmer, nettes Personal.
  • Campingplatz, Tirol Camp, Reindlau 230b, 6105 Leutasch, Tel: +43(0)52146 5700, www.tirol.camp. Preis auf Anfr. je Unterkunft. Neuübernahme, Top-Qualität, eigenes Hallenschwimmbad, sehr radfahrerfreundlich, mit E-Bike-Ladestation.
  • Gasthaus Risserhof, Innsbruckerstraße 26, 6108 Scharnitz, Tel: +43(0)5213 5240, www.risserhof.com. Mitten im Zentrum, älteres, sehr sauberes Gebäude mit traditionellem Essen.
Fahrradläden, Fahrrad- und E-Bike-Verleihe:
  • Holy Bike by Schimeier: Am Gschwandtkopf 702, 6100 Seefeld, Tel: +43(0)52124152, E-Mail: info@schimeier.at, www.schimeier.at
  • Sport Norz: Klosterstraße 120, 6100 Seefeld, Tel: +43(0)52126252, E-Mail: info@sport-norz.at, www.sport-norz.at
  • Sport Wedl: Weidach 322g, 6105 Leutasch, Tel: +43(0)52146444, E-Mail: sporthuette@sport-wedl.com, www.sport-wedl.com
Wichtige Almen entlang der Touren:

Akku-Ladestationen:
  • Alle angeführten Sportgeschäfte haben spezielle Ladestationen, auf allen angeführten Almen besteht die Möglichkeit, kostenlos das Stromnetz zu nutzen.
Tourismusbüros und Informationen:
  • Informationsbüro Tourismusverband Olympiaregion Seefeld (für gesamte Region mit allen Orten): Klosterstraße 43, 6100 Seefeld, Tel: +43(0)508800, info@seefeld.com, www.seefeld.com

Sonstiges: