Pendler-Porträt

Christoph Ott: Familienfreundliches Pendeln in Mannheim

Auf dem Weg zur Arbeit bringt der Mannheimer Pendler Christoph Ott auch seine beiden Söhne in den Kindergarten und zeigt so, dass sich Familienleben und Job buchstäblich miteinander verbinden lassen.

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Gleich kann es losgehen: Christoph Ott und seine beiden Söhne Fabian (l.) und Simon machen sich bereit für den Weg in den Kindergarten und zur Arbeit.

Pendler-Steckbrief

  • Name: Christoph Ott
  • Alter: 36 Jahre
  • Beruf: Vermessungstechniker
  • Bike: Haibike Allmountain
  • Strecke: Mannheim-Waldhof–Collini-Center, 7 Kilometer
Zu spät zur Arbeit kommen – das passiert Christoph Ott garantiert nicht. Dafür sorgen, zumindest auf dem ersten Teil der Strecke, seine beiden Söhne Simon (5) und Fabian (3): „Schneller, Papa, schneller!“, rufen sie aus dem Fahrradanhänger heraus, woraufhin der Papa noch eine Spur kräftiger in die Pedale tritt.

Der Mannheimer liefert seine Söhne jeden Morgen am Kindergarten ab, mittags werden sie von ihrer Mutter wieder abgeholt.

Die beiden Jungs haben sichtlich Spaß mit ihrem Chauffeur, im Kreisverkehr feuern sie ihn noch einmal an. Am ersten Ziel des Tages, einem Kindergarten im Mannheimer Stadtteil Waldhof, lässt der 36-Jährige seine Söhne aussteigen und verabschiedet sie in einen nach einem so dynamischen Start bestimmt ereignisreichen Tag. Den Fahrradanhänger stellt er bei den Fahrradständern ab und sichert ihn mit einem Schloss – die restliche Strecke zu seinem Arbeitsplatz in der Mannheimer City legt Christoph Ott mit seinem E-Mountainbike ohne Anhänger zurück. Nach der Arbeit fährt er den leeren Anhänger wieder nach Hause, die Jungs hat seine Frau schon mittags vom Kindergarten abgeholt.

E-Mountainbike statt Zweitauto

„Ich fahre seit fünf Jahren mit dem Rad zur Arbeit, als Simon dann alt genug war, im Anhänger in die Krippe gebracht zu werden, habe ich die Strecke zur Arbeit dementsprechend angepasst“, sagt er. So richtig in Fahrt kam die Sache dann zwei Jahre später: „Unser Zweitauto, ein zwölf Jahre alter Opel Corsa, war in einem desolaten Zustand, er hätte den TÜV nicht geschafft, ohne dass wir eine ganze Stange Geld hineingesteckt hätten. Wir haben uns dagegen entschieden, den Corsa verkauft, und ich habe mir ein E-MTB geleistet. Davon habe ich schon länger geträumt“, sagt Ott.

Im Anhänger finden die beiden Jungs komfortabel Platz.

Das neue Rad zeigte sogleich seine Vorteile: „Unser zweiter Sohn Fabian war mittlerweile geboren, und mit dem E-Bike war es viel einfacher, beide Jungs mitzunehmen und nicht außer Puste im Büro anzukommen. Und am Wochenende kann ich mit dem Bike alleine auch längere Touren machen.“
Oft fährt er dann in den Osten nach Schriesheim und zum Weißen Stein, einem Ausflugsziel im nahe gelegenen Odenwald. Die Anschaffung habe sich gelohnt, findet Ott, denn er erledige auch alle seine Alltagswege mit dem Bike, fahre nicht nur zur Arbeit, sondern auch zum Einkaufen.
Entlang der Luzenbergstraße geht es nun gen Süden, nach wenigen Minuten hält der Vermessungstechniker an, denn er sieht zwei seiner Kollegen, die dort gerade ein Grundstück vermessen. Die beiden erkennen ihn gleich, bei der Arbeit ist er als „der Dauerradler“ bekannt – er fährt jeden Tag und bei jedem Wetter. Dafür erntet er viel Anerkennung, im Winter auch mal ein mitleidiges Kopfschütteln.

Einige Verbesserungen im Mannheimer Radverkehrsnetz

Im Job hat der Vermessungstechniker stets den Überblick über die stadtplanerischen Entwicklungen.

Weiter geht es am Wasserturm Luzenberg vorbei, hier muss Ott eine für Radler knifflige Kreuzung überwinden. „Gerade was die Ampelschaltungen und die Überquerung von großen Straßen in beide Richtungen betrifft, gibt es in Mannheim noch einiges zu verbessern“, sagt er. Auch als er die Waldhofstraße entlangfährt, muss er aufpassen: Lieferfahrzeuge blockieren den ohnehin schon schmalen Radweg, für einen Fußgänger, der die Straße überqueren will, unvermittelt auf den Radweg läuft und den Pendler dabei übersieht, muss er scharf bremsen.
Deutlich entspannter fährt es sich am Neckarufer, das wir nach gut vier Kilometern erreichen. „Hier ist es frühmorgens wunderbar ruhig, da tanke ich noch einmal Kraft für den Tag“, schwärmt Ott. Seine Route variiert er immer wieder, um mehr Abwechslung zu haben. Heute fährt er unten am Neckar entlang über den Collini-Steg zum Collini-Center, seinem Arbeitsplatz. Das Rad stellt er in einem eigens dafür bereitgestellten, abschließbaren Raum in der Tiefgarage ab. „Das ist ein super Service meines Arbeitgebers“, freut er sich und fügt hinzu: „Würde ich mit dem Auto kommen und es in der Tiefgarage abstellen, müsste ich gut 40 Euro im Monat bezahlen, auch hier spare ich also richtig Geld.“
Der Vermessungstechniker arbeitet als Angestellter der Stadt Mannheim, auf seinem Schreibtisch landen auch Pläne für neue Radwege. So sieht der Pendler, was sich in Zukunft vor allem im Innenstadtbereich verbessern soll. In den letzten Jahren habe sich schon einiges getan, sagt er, „mit der Berliner Straße haben wir seit einem Jahr eine zentral gelegene Fahrradstraße, die den Mannheimer Norden mit dem Hauptbahnhof verbindet und einen Anschluss zum Neckartalradweg bietet“.

Den letzten Wegabschnitt legt der Pendler gern am Neckarufer zurück. So kann er mitten in Mannheim ein bisschen Grün genießen.

Grüne Welle? Leider nein

Auch das Stephanienufer im Stadtteil Lindenhof, die Mönchwörthstraße in der Neckarau, die Schlossgartenstraße am Hauptbahnhof oder die Stettiner Straße auf der Schönau sind Fahrradstraßen und somit positive Beispiele für einen Ausbau des Radverkehrsnetzes, das aktuell über 250 Kilometer umfasst.
„Aber Details wie eine grüne Welle für Fahrradfahrer, die morgens stadteinwärts fahren, oder lückenlose Überführungen für Radler über große Kreuzungen wären schon eine super Sache“, sagt Ott. Dann, da ist er sicher, würde ihn, nachdem er morgens seine beiden persönlichen Anfeuerer im Kindergarten abgeliefert hat, der Weg zur Arbeit selbst so motivieren, dass er sogar ein paar Minuten zu früh bei der Arbeit ankommen würde.

Pendler Christoph Ott in Zahlen

2.700 Kilometer pro Jahr

fährt der Mannheimer mit seinem Rad zur Arbeit und zurück.

216 Liter Benzin/Jahr

gespart bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 8 l/100 km.

302 € pro Jahr

gespart bei einem durchschnittlichen Benzinpreis von 1,22 Euro pro Liter.

420 €/Jahr Parkgebühren

gespart, die er für einen Auto-Stellplatz in der Tiefgarage zahlen müsste.

3.800 g CO2- Ausstoß/Tag

auf seinen 14 Kilometern Arbeitsweg im Vergleich zu einem Pkw gespart.

Fahrspaß mit den Kindern:

unbezahlbar!