Gründer von Infront Bikes

Markus Bauer: „Mein Rad hat den Nerv der Leute getroffen“

Der ehemalige Mountainbike-Profi Markus Bauer hat mit Infront Bikes 2018 seine eigene Fahrradmarke gegründet und ein E-Mountainbike entwickelt. Der 29-Jährige hat uns von seiner Gründung erzählt.

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Markus Bauer, der Gründer von Infront Bikes

Der ehemalige Mountainbike-Profi Markus Bauer hat die E-MTB-Marke Infront Bikes gegründet.

Nach dem legendären Mountainbike-Rennen Cape Epic in Südafrika war Schluss: Markus Bauer aus Freiburg beendete 2018 seine Karriere im Profisport. Jetzt hat der Deutsche Meister im MTB-Marathon die Firma Infront Bikes gegründet.
Markus Bauer, wie sind Sie darauf gekommen, eine eigene E-Mountainbike-Marke zu gründen?
Im letzten Sommer wurde mir klar, meine Profisport-Karriere wird enden. Ich hatte neben dem Sport studiert und schon Erfahrung als Projektleiter in einem Elektrotechnikunternehmen gesammelt. Meine Chance habe ich im E-Bike-Bereich gesehen, weil das ein riesiger Wachstumsmarkt ist. Das Thema wird für immer mehr Leute interessant, insbesondere jüngere. Für meine Idee konnte ich meinen ehemaligen Sponsor, Cycle Union aus Oldenburg, gewinnen. Die waren sofort Feuer und Flamme.

Infront Bikes: Vorteil durch Direktvertrieb

Wie muss man sich die Fahrradentwicklung zu Beginn vorstellen?
Am Anfang muss man sich das wie ein Baukastensystem vorstellen. Ich habe nicht so viel Geld in die Hand genommen und im ersten Schritt einen komplett eigenen Rahmen entwickelt. Dafür hat man Vorlagen, die man aber anpassen kann: Zum Beispiel Lenkwinkel steiler, Kettenstrebe kürzer; damit das Rad noch wendiger wird. Dank der Kooperation mit Cycle Union muss ich keine Standardrahmen nehmen. Im zweiten Schritt, der noch geplant ist, folgt dann natürlich die Entwicklung eigener Rahmen.
Für die Komposition des Rads, also welche Teile und Komponenten verbaut sind, bin ich zu 100 Prozent selbst zuständig. Und diese hat den Nerv der Leute getroffen.
Warum haben Sie sich für den Direktvertrieb ohne Händler entschieden?
Durch diese vertikale Struktur habe ich Kostenvorteile, mein Anspruch ist am Ende Preis-Leistungssieger zu sein. Es ist eine Discountstrategie – aber im obersten Preissegment. Ich möchte, dass der Kunde am Ende ein Rad hat, von dem ich glaube, dass alles Notwendige dabei ist, damit er Spaß hat. Ich möchte mit gutem Gewissen sagen können, die Räder sind für jeden Einsatzbereich, egal ob Trail oder Stadt, geeignet.
Am Ende machen die Kleinigkeiten den Unterschied, zum Beispiel eine besonders große Bremsscheibe vorn. Genau dieses Set-up vom IF-1 habe ich bei keinem anderen Rad gesehen. Die Leute merken: Ich habe mir als Entwickler Gedanken gemacht und das Konzept passt.
Hätten Sie sich theoretisch auch einen anderen Motor als Bosch aussuchen können?
Hätte ich machen können und das Thema Motor haben wir immer wieder lange diskutiert. Der Shimano-Motor ist zum Beispiel leichter, kleiner und bietet weniger Widerstand beim Treten. Aber Bosch hat den großen Vorteil bei den Intube-Batterien. Wir haben uns strategisch für die stärkste Marke entschieden.
Varianten bei der Ausstattung bieten Sie aber nicht an.
Genau, wobei man auch sagen muss, dass die Vielfalt allein schon im Mountainbike-Bereich sehr unübersichtlich ist. Ich sage den Leuten: Wenn du das Geld für ein Rad ausgeben möchtest, bekommst du bei mir ein gutes Paket.
Infront IF1

Das IF-1 in der Ausstattung für Pendler, mit Lichtanlage, Gepäckträger und Schutzblechen. Wir testen das Fahrrad aktuell.

Markus Bauer: Know-how und Bekanntheit aus dem Profisport

Wie verlief der Start bezüglich Kundengewinnung und Bekanntheit erlangen?
Ich stehe als Person mit meiner Geschichte hinter meiner Marke, die Leute können mich bei einer Probefahrt kennenlernen. Hinzu kommt, Start-ups sind in Deutschland ein Trend-Thema und ich habe am Anfang gute Publicity bekommen. Die Beziehungen aus meine Profizeit haben mir auch sehr geholfen. Man hat mir und meinem Produkt einen großen Vertrauensvorschuss gegeben.
Wie hat sich die Kooperation mit Cycle Union ausgewirkt?
Ich hätte zum Beispiel nie Motoren von Bosch für 25 oder 50 Räder bekommen. Du brauchst jemanden, der den Einkauf für dich regelt. Mit so einer Kleinserie auf den Markt zu kommen und auch noch Preis-Leistungs-Sieger werden zu wollen, ist unmöglich. Meine Partner haben auch etwas davon: Sie lernen von meiner Entwicklung, insbesondere welche Erfahrungen ich im Direktvertrieb mache.
Welche Vision haben Sie für die Marke Infront?
Mit Rädern für Pendler fange ich jetzt an, weil es dafür einen großen Markt gibt. Wenn es wächst, darf Infront nicht mehr an meine Person gekoppelt sein, schon weil ich das alles nicht schaffen würde. Im E-Mountainbike-Bereich wird mein Know-how akzeptiert, deswegen wird dies mein Steckenpferd bleiben. Und dort gibt es viel Wachtsums- und Innovationspotenzial: Bei den Motoren und der Akkutechnik passiert viel, die Räder werden in ein paar Jahren noch etwas leichter sein.
Welche Neuheiten sind bei Infront noch geplant?
Der nächste Schritt bei mir ist ein vollgefedertes Mountainbike, das ab Sommer erhältlich sein wird. Da wird viel neue Technik drinstecken und davon verspreche ich mir deutlich höhere Stückzahlen.
Zur Website von Infront: www.infront-bikes.com.
Unseren Testbericht des IF-1 lesen Sie in der BIKE BILD-Ausgabe 2/2019.

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