Pendlerporträt: Von Deutschland nach Österreich und zurück

Kilometerfresser: zu Besuch bei E-Bike-Pendler Dietmar Selter

Dietmar Selter pendelt vom Allgäu bis nach Österreich. Dabei legt er mit seinem E-Bike unglaublich viele Kilometer zurück. Wir haben ihn begleitet.

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Dietmar Selter pendelt, wo andere Urlaub machen – im bayerischen Allgäu. Im Frühjahr, wenn die Alpengipfel schneebedeckt sind, ist es hier besonders schön.

Siebzigtausend! So unglaublich viele Kilometer stehen auf dem Fahrradcomputer des Stevens E-Triton Trekkingbikes von Dietmar Selter. Der 57- Jährige pendelt von seinem Wohnort Opfenbach im schönen bayerischen Allgäu bis über die Grenze nach Wolfurt in Österreich, wo er als Sachbearbeiter bei der metallverarbeitenden Firma Meusburger arbeitet. Auf dem Weg dorthin und zurück sammelt er Kilometer wie kaum ein anderer E-Bike-Fahrer. Dietmar Selter ist wahrlich ein Pedelec-Fan. Doch das war nicht immer so. Früher habe er diese Fahrräder belächelt.

Drei Strafzettel später

Als er in Reutlingen studierte, besaß er anfangs noch ein altes Auto. Nach drei Strafzetteln habe er sich gefragt, was das Auto eigentlich solle. Viel Geld für die Fortbewegung zu bezahlen, habe ihn als sparsamen Schwaben schon früh gestört. Also verkaufte er das Auto und nutzte fortan stets sein Fahrrad. Das sei schon damals oft schneller gewesen – und deutlich billiger. Zwar habe er auch das Mountainbike-, Rennrad- und Tandemfahren ausprobiert, doch am besten gefalle ihm das Trekkingbike. „Das ist einfach am universellsten.“ Und auf die praktischen Gepäckträgertaschen möchte er ungern verzichten.

Auf den kleinen Wegen im Allgäu macht das Radfahren Spaß.

2016 musste sein Knie operiert werden; Schäden, die von einem lange vergangenen Unfall herrührten. „Der Arzt hat mir daraufhin empfohlen, lieber auf Motorunterstützung zu setzen.“ Also kaufte er sich, entgegen seiner bisherigen Einstellung, ein E-Bike. Inzwischen schwärmt er von dem Rad und meint: „Ich würde es nicht wieder hergeben wollen.“
Früher habe er öfter Atemwegserkrankungen gehabt. Das Problem sei seit dem Kauf des Pedelecs verschwunden. „Dank der einstellbaren Unterstützung kann ich den Puls stets im Komfortbereich halten, selbst wenn es steil bergauf geht. Außerdem stärkt das ganzjährige Pendeln an der frischen Luft sicherlich mein Immunsystem.“ Seit drei Jahren habe er keinen Krankheitstag gehabt. Sein Pedelec-Motto laute deshalb: Lieber lächeln statt hecheln.

Auf denselben Wegen

„Inzwischen bin ich schon über 1500-mal nach Wolfurt und zurück gefahren“, erzählt Dietmar Selter. Obwohl er seit vielen Jahren dieselbe Strecke fährt, wird sie ihm nicht langweilig. „Bei gutem Wetter sehe ich sogar die Gipfel des Säntis und des Pizol in der Schweiz. Das ist immer wieder aufs Neue faszinierend.“

Dietmar Selter überquert den Fluss Leiblach und damit die Grenze nach Österreich.

Während wir auf die schneebedeckten Bergketten zufahren, entlang saftig grüner Wiesen mit gelben Löwenzahnblüten, begegnen wir kaum Autos. Ein Großteil seiner Strecke führt über den berühmten Bodensee-Königsee-Fernradweg, entlang des hübschen Flusses Leiblach, der dort die Grenze zwischen Deutschland und Österreich zeichnet. Am Bodensee angekommen, zeigt Dietmar Selter uns, wo er im Sommer gern baden geht. Der Ort liegt direkt auf der Route – in Bregenz. Die Verlockung, direkt ins klare Wasser zu laufen, ist groß. Mit dem Auto hingegen wäre eine solch kurze, angenehme Abkühlung nicht so einfach möglich gewesen, stellen wir fest. „Ich bin aber nicht gegen das Autofahren“, betont Dietmar Selter. Als Familienvater mit einer Tochter mit Behinderung sei das Auto noch notwendig. „Aber ich versuche, es wenig zu nutzen.“

Am Bodensee geht Dietmar Selter gerne baden. Im April war ihm das Wasser aber noch zu kalt.

Für ihn überwiegen die Vorteile des Radfahrens. „Ich bin an der frischen Luft in Bewegung, stehe nicht im Stau, muss keinen Parkplatz suchen, nicht tanken, im Winter kein Eis von den Scheiben kratzen und habe einen geringen CO2-Abdruck.“
Demzufolge fährt er ganzjährig mit dem Rad zur Arbeit, bei jedem Wetter. Natürlich, im Winter, wenn Schnee liegt, müsse man etwas vorsichtiger fahren, aber gestürzt sei er wegen der Glätte nur einmal – Gott sei Dank glimpflich.

Viele Kilometer später

Pro Jahr kommt er so auf etwa 12 000 Kilometer Pendelstrecke. Der Bosch-Performance-Line-Motor seines Stevens-Bikes musste nach beachtlichen 42 500 Kilometern getauscht werden. „Ich behandle mein Fahrrad sehr sorgsam und fahre meist nur im Eco-Modus, manchmal auch im Tour-Modus“, erklärt er. Die hohen Turbo- und Sport-Unterstützungsstufen, sagt er, würde er nicht nutzen.
Auch die Felgen mussten einmal gewechselt werden, da an den Speichenlöchern Risse auftraten. Und die Federgabel habe er direkt nach dem Kauf gegen eine wartungsarme Starrgabel getauscht. Die Kette wechsle er alle 4000 Kilometer. Klar ist: Verschleiß lässt sich bei so vielen Kilometern nicht vermeiden. Aber seine Akkus, drei hat er, seien alle noch gut.

Hier im Verwaltungsgebäude von Meusburger befindet sich Dietmar Selters Büro.

Bei der Firma in Wolfurt angekommen, stellt Dietmar Selter sein Fahrrad auf einen überdachten Stellplatz. Sogar Ladestationen für E-Bikes gibt es hier. Direkt daneben: eine Pumpe und etwas Werkzeug. Praktisch!
Während Dietmar Selter ins Büro geht, träumen wir vom Radurlaub im idyllischen Allgäu. Radreisen unternimmt der Opfenbacher ebenfalls gern – zusammen mit seiner Frau. Dieses Jahr steht das Salzkammergut auf dem Plan. Bis dahin sammelt er weiterhin fleißig Kilometer im Allgäu – wo andere ihren Urlaub verbringen.
Svenja Schrade

von Svenja Schrade

BIKE-BILD-Redakteurin Svenja Schrade ist begeisterte Radfahrerin und Bikepackerin – meistens unterwegs auf dem Gravelbike. Sie fühlt sich aber auf fast allen Zweirädern wohl.