Jonas Deichmann

Rekordreise von Kap zu Kap – Tag 48 bis 68

Jonas Deichmann ist Extrem-Bikepacker. Sein aktuelles Projekt: Die Kontinentalquerung vom Nordkap in Norwegen bis nach Kapstadt in Südafrika. In Rekordzeit? Jonas Deichmann plant die 18.000 Kilometer lange Strecke in 75 Tagen zurückzulegen. Wir berichten, was zuletzt passiert ist, bis Tag 68.

Datum:

Fahrrad-Safari pur! Jonas Deichmann begegnet auf seiner Tour durch Afrika vielen wilden Tieren.

Tag 48 bis 49: Das letzte Stück durch Äthiopien

Jonas kämpft sich über schlechte Gravelstraßen. In der Zwischenzeit erreicht er das Regenwaldgebiet und fährt durch Bananenplantagen. Die Straßen werden jedoch immer besser, aber auch hügeliger. Die wenigen Menschen, die hier leben, sind freundlich. Die Abstände zwischen den Städten sind groß, sodass sich das Auffinden von Essen als schwierig gestaltet. Trotz des vielen Militärs und der Maschinengewehre, die jeder dort trägt, fühlt sich Jonas sicher. In Moyale, einer Stadt direkt an der Grenze zu Kenia, ist der nächste Grenzübertritt geplant. Da auf der kenianischen Seite eine Schießerei stattfindet, wartet er bis zum nächsten Morgen mit der Weiterfahrt.

Tag 50 bis 53: Schönes Kenia

Der Grenzübertritt dauert länger als erwartet, da die kenianischen Grenzer an diesem Tag besonders lange frühstücken – so gehen wieder 40 Minuten verloren. Jonas stellt fest, dass Kenia deutlich besser entwickelt ist. Die Straßen sind besser und in den Läden besteht sogar etwas Auswahl. Nach einer Weile trifft er Kamera-Mann Pasi und seinen Fahrer Solomon. Pasi wird Jonas Fahrt durch Kenia filmen, ihn aber in keiner Weise unterstützen. Die Abstände zwischen den Dörfern sind groß, aber überall befinden sich Polizeistationen. Am Abend gerät er auf einem 30 Kilometer langen Anstieg in die Dunkelheit. Augen und Tiergeräusche überall. "Eine tolle Erfahrung", meint Jonas. Letztendlich wird er an einer Polizeistation gestoppt. Dort wollen sie wissen, ob er ein Gewehr dabeihat. Es seien viele Elefanten und Hyänen in der Gegend. Von nun an fühlt er sich bei den Geräuschen nicht mehr so wohl.
Starker Regen am Morgen. Außerdem ändert sich die Landschaft. Jonas fährt nun durch die Savanne, imposante Berge sind in der Ferne zu sehen. In Isiolo trifft er Dimitri Kieffer, der seit 2005 die Welt per Muskelkraft erkundet und umrundet.
Am nächsten Morgen geht es wieder 30 Kilometer bergauf – aufs schöne Mount Kenya-Massiv. Nach dem Mittagessen überquert Jonas den Äquator. Nun werden die Tage länger. Gegen Abend gerät er in ein Gewitter mit Hagel und Sturm, der das Geradeausfahren schwierig machte. Frierend erreicht er das Hotel.
Am nächsten Morgen fährt er auf eine achtspurige Autobahn Richtung Nairobi. Hier ist Slalom angesagt, da die Autos kaum vorwärts kommen. In der Hauptstadt wird sein Rad gewartet und er trifft sogar noch andere Radfahrer. Diese begleiten ihn 60 Kilometer lang. Abends erreicht er die Grenze. Von Kenia ist Jonas begeistert. Nun geht es aber in ein neues Land.

In Kenia trifft Jonas Radsportbegeisterte.

Tag 54 bis 58: Auf Umwegen durch Tansania

Weiter geht es durch tolle Landschaft, der Kilimanjaro ist in der Ferne zu sehen. Die Menschen sind freundlich, die Straßen gut. Ins Dunkle möchte Jonas wegen der wilden Tiere trotzdem nicht geraten. Ab dem darauf folgenden Abend wird die Strecke flacher. Einheimische warnen ihn vor einer 400 Kilometer langen Schotterstrecke. Die Alternative bedeutet einen Umweg von 230 Kilometern. Jonas beschließt aufgrund der Angst vor Pannen die Schotterstraße zu meiden. Schließlich gibt es in dieser Gegend keine Fahrradwerkstatt weit und breit. Wegen des starken Gegenwindes kommt er an diesem Tag aber nicht gut voran.
Der nächste Tag ist für Jonas dann aber wieder großartig. So fährt Jonas unter anderem durch Affenbrotbaum-Wälder. Hügelig ist es hier, Affen kreuzen die Straße.
Am darauf folgenden Tag hat Jonas endlich mal wieder Rückenwind. Das Fahren macht so besonders Spaß. Er beginnt von 350 Kilometern zu träumen, dank eines 40 Kilometer Anstieges werden es aber nur 290 mit 2600 Höhenmetern. Nun ist es nicht mehr weit bis Sambia.

Tag 59 bis 64: Schlechte Straßen in Sambia

Die Straßen sind in einem schrecklichen Zustand, metergroße Schlaglöcher, Gravel und Baustellen. Jonas kommt nur langsam voran. Kurz nach Sonnenuntergang erreicht er den ersten größeren Ort. In der dort einzigen Pension begrüßt ihn sogleich eine Kakerlake auf dem Bett. Außerdem gibt es kein Wasser, auch die Stromversorgung funktioniert nicht. Zu Abend isst er im Restaurant zwei Häuser weiter. Hier sitzen die Menschen mit Taschenlampen und Handyleuchten am Tisch.
Auch am nächsten Tag sind die Straßen schlecht, die Landschaft ist langweilig. Dennoch muss Jonas zügig vorankommen, um Mpika zu erreichen, den nächsten Ort mit Pension. Unglücklicherweise ist diese auch ein Nachtclub. Nachts wacht er auf und fühlt sich krank, schon wieder eine Nahrungsmittelvergiftung.
Nach kaum Schlaf und noch immer krank fährt Jonas weiter. Die Straßen werden besser und flacher, sodass er trotz allem relativ gut vorankommt. Die Menschen sind freundlich. Unterwegs ernährt er sich hauptsächlich von trockenen Keksen. An diesem Tag geht Jonas früh schlafen.
Am folgenden Tag geht es Jonas etwas besser. Er fährt vor Sonnenaufgang los, um Kilometer aufzuholen. Die Straßen sind gut, am Ende werden es 312 Kilometer, neuer Rekord.
Hinter Sambias Hauptstadt Lusaka werden die Straßen wieder schlecht. Mehrere Male muss er sein Rad durch tiefen Sand schieben. Dennoch schafft er 300 Kilometer.
Am folgenden Mittag erwischt ihn wieder ein Gewitter, bei dem er kurz pausieren muss. Abends fährt Jonas entlang des Flusses Sambezi mit Giraffen und Zebras neben der Straße. Nun befindet er sich kurz vor der Grenze von Botsuana.

Tag 65 bis 68: Safari und Langeweile in Botsuana

In Botsuana sind die Straßen plötzlich wieder gut, es gibt Shopping-Center und moderne Tankstellen. Die Läden haben eine große Auswahl an Essen. Was für ein Unterschied! Kurz nach der Grenzstadt Kasane geht die Safari los. Affen rennen herum und einige Elefanten stehen zwischen den Bäumen. am Nachmittag gerät Jonas wieder in ein Gewitter mit kräftigem Gegenwind. Die nächste Stadt – Nata – vorm Dunkelwerden zu erreichen, wird so unmöglich. Zum Wildcampen eignet sich die Gegend aber natürlich überhaupt nicht. Sorge macht sich breit. Im letzten Moment erreicht er jedoch eine Polizeistation, wo er übernachten darf. Nachts kommt ein Elefant ins Camp, ein Löwe frisst einen der Hunde. Jonas ist überglücklich, drinnen zu sein.
Auch am nächsten Tag begegnet Jonas vielen Elefanten und Gazellen. Halb am Verhungern erreicht er endlich Nata. Anschließend wird die Strecke flach und langweilig, immer gleich aussehend.
Dies ändert sich auch am folgenden Tag nicht. Abends darf er wieder in einer Polizeistation einkehren.
Da das Tor am nächsten Morgen verschlossen ist, muss er das Fahrrad drüber heben. Keine einfache Aufgabe. Wieder hat er mit Gegenwind zu kämpfen. 50 Kilometer vor der südafrikanischen Grenze findet er eine Pension.
Wird Jonas in einer Woche Südafrika durchqueren können?
Wir werden über den weiteren Verlauf berichten. Die Rekordfahrt von Jonas Deichmann kann hier verfolgt werden.

Galerie: Von Kap zu Kap: Bilder von Tag 48 bis 57

Svenja Schrade

von Svenja Schrade

BIKE-BILD-Redakteurin Svenja Schrade ist begeisterte Radfahrerin und Bikepackerin – meistens unterwegs auf dem Gravelbike. Fühlt sich aber auf fast allen Zweirädern wohl.