Frauenteam Black Road Train

„Gute Atmosphäre, Teamgeist und Offenheit“

Die Organisatorinnen des Teams Black Road Train möchten Frauen für den Straßenradsport begeistern und ermutigen. Mit einem großen Team gehen Sie bei den Cyclassics an den Start.

Datum:
Fotoshooting Black Road Train

Das Rad-Team Black Road Train beim Fotoshooting im Hamburger Specialized Concept Store.

Donna Wandt ist die Kapitänin vom Team Black Road Train, ein Frauenteam, das gemeinsam bei dem Radrennen Cyclassics in Hamburg an den Start geht. Mir ihr haben wir über das Team gesprochen und von ihr erfahren, warum sie Frauen für den Straßenradsport ermutigen möchte.
Wie viel trainieren Sie gemeinsam im Team?
Sobald es das Wetter erlaubt, treffen wir uns ab Frühjahr mindestens einmal im Monat zu gemeinsamen Ausfahrten. Diese sind für alle Frauen offen und werden sowohl auf der Specialized-Website, unserer Facebook-Seite, auf Cyclique und bei den Happy Riders publiziert. Das sind offene Runden, auf denen jede Interessierte mitgenommen wird. Wir fahren rund 40 Kilometer, lockeres Tempo, hauptsächlich, um Spaß zu haben. Diesen Frühling hatten wir mehrere Zusatzausfahrten in Vorbereitung auf die Mecklenburger Seen Runde über 300 Kilometer (MSR 300). Über März, April, und Anfang Mai organisierten wir längere Ausfahrten, bis zuletzt über 220 Kilometer. Bei der MSR 300 waren wir zu neunt am Start, das komplette MSR-Team hat sich auch für die Cyclassics 2019 verpflichtet und macht fast die Hälfte der neuen Mannschaft aus.
Aus welchen Fahrertypen besteht Ihr Team?
Die Jüngste im Team ist 18, die Älteste ist 52. Das ist auch unsere Mutter-Kind-Konstellation im Team. Die Fahrerinnen kommen aus Hamburg, Bremen, Kiel, Berlin, Bochum und Köln. Unsere Aktion hat sich schnell herumgesprochen und das Team war an zwei Tagen nach Ankündigung voll. Das macht die Organisation etwas komplizierter, aber wir freuen uns über die. Es gibt viel Kommunikation per E-Mail, WhatsApp und Telefon, um das Alltägliche und Nichtalltägliche zu regeln.
Wie unterschiedlich ist das Niveau?
Das Erfahrungslevel im Team ist ganz unterschiedlich: Triathletinnen, Kurzstrecken-Spezialisten, 300-Kilometer-Liebhaberinnen; Lena – unsere dritte im Trainerteam – fährt das Langstreckenrennen Paris-Brest-Paris mit über 1.220 Kilometern. Ein Rennen wie die Cyclassics sind bisher zwölf gefahren. Vier sind komplette Renn-Neulinge, aber haben Teamerfahrung aus dem Radurlaub oder dem Verein.
In unserem Team sind Ehrgeizige, die wir etwas bremsen und in den Dienst der anderen Stellen müssen. Andere Mädels wollen wir ermutigen, weil sie sonst zu zaghaft fahren würden. Manche muss lernen, mehr zu kommunizieren, andere Fahrerinnen müssen lernen, eine Order im Dienst des Teams anzunehmen. Manche nehme die Sache ernster als andere, und da möchten wir ein gutes Mittelmaß schaffen und das kommunizieren und vorleben. Der Wunsch, als Team gemeinsam ins Ziel zu rollen steht über den eigenen Bedürfnissen, zum Beispiel persönliche Bestzeit zu fahren.
Team Black Road Train

Diese Frauen wollen bei den Cyclassics am 25. August in Hamburg ein Zeichen für den Frauenradsport setzen. In den vergangenen Jahren waren die Trikots pink und blau, dieses Jahr fahren sie in schwarz als Black Road Train an die Startlinie.

Mit welcher Taktik gehen Sie als Team in das Rennen?
Vorn sind die Raketen: schnell, erfahren, selbstsicher. Diese bilden die Spitze des Zuges, acht Frauen sind vorn, bestimmen das Tempo, wechseln sich ab, im Wind zu fahren, übernehmen die Führungsaufgabe. Diese haben den Blick für Gefahren und müssen untereinander sehr gut kommunizieren können. Sie stellen sich in den Dienst der anderen, damit diese sich voll auf sich und ihr Bike konzentrieren können.
Dahinter sind Duos in Zweierreihe: Hier paaren wir die schwächeren mit den stärkeren, die vordersten zwei des Abteils strahlen Ruhe aus und managen die hintere Gruppe so, dass alle sicher und kompetent ins Rennen gehen.
Hinter uns werden sich über die doppelte Anzahl andere Fahrer einreihen. Dies ist unvermeidbar. Viele werden von unserer tollen Arbeit profitieren wollen und das können wir nicht unterbinden. Daher brauchen wir als Schlusslicht zwei starke Frauen, die es abkönnen, Radfahrer in ihre Schranken zu weisen, falls sie uns mit fehlender Sicherheit zu nahekommen.
Welche typischen Bedenken haben Frauen vor einem Rennen wie den Cyclassics?
Die üblichen Zweifel sind: Habe ich mich richtig vorbereitet? Bin ich fit genug, das Tempo konstant zu halten? Hoffentlich enttäusche ich mein Team nicht. Ich will keine Panne haben. Ist mein Material fit? Hoffentlich behalte ich die Nerven in einer Stress-Situation. Und natürlich hoffen wir auch, dass wir nicht durch Fahrfehler anderer in Gefahr kommen.
Warum ist es Ihnen so wichtig, für den Frauenradsport ein Zeichen setzen?
Frauen fahren anders als Männer und haben andere Bedürfnisse. Aber, sie sind genauso stark und genauso ausdauernd, siehe Fiona Kolbinger. Es ist an der Zeit, dass Frauen auch in diesem Sport ernst genommen werden und nicht nur die Männer von Sponsoring und Aufmerksamkeit profitieren. Vielleicht fruchten die Aktionen in Frankreich zur Tour de France und die Donnons des elles au velo und die InternationElles schaffen es, ein Mehretappen-Rennen auch für die Frauen zu bekommen.
Leider müssen Frauen oft zu extremeren Maßnahmen greifen, um das gleiche wie die Männer zu erreichen. In diesem Sinne setzen wir uns ein für mehr Gleichberechtigung der Frauen im Rennradsport und dadurch mehr Chancen, für Frauen Höchstleistungen zu erreichen.
Durch unsere Aktion wollen wir Frauen, die am Straßenrand stehen den Mut machen, sich selbst ein solches Ziel zu setzen, dafür zu trainieren, und es umzusetzen.

3 Tipps von Donna Wandt für Frauen, die mit dem Radsport beginnen wollen

  • Tipp 1: Seinen genauen Fitness-Stand zu kennen und sich nie überschätzen, sondern realistische Ziele setzen.
  • Tipp 2: Im Team macht es mehr Spaß. Inzwischen gibt es viele Vereine die Rookie-Kurse anbieten. Zu Beginn eher bei Frauen mitfahren, um die nötige Sicherheit zu bekommen, um bei Männern mitmischen zu können. Frauen passen sich eher an, sind rücksichtsvoller, vor allem am Anfang, und stehen nicht so häufig in Konkurrenz zu einander wie es Männer oft tun.
  • Tipp 3: Schafft euch die Fähigkeiten an, euch selbst in jeder Situation zu helfen (zum Beispiel Reifenwechsel), sonst unterstützt ihr das Klischee einer hilflosen Frau am Straßenrand