Öffnen per App

Smartes Faltschloss im Test: Inigma FL1 von Squire

Nie wieder Schlüssel verlieren, Zugriff für mehrere Personen – das Inigma-Faltschloss wird per Smartphone bedient. Unser Autor hat das Digitalschloss in der Praxis getestet.

Datum:
Inigma FL 1

Das Inigma FL 1 von Squire ist ein Smart-Faltschloss in 80 Zentimeter Länge.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Das FL 1 ist marktreif, kommt aber leider zum Preis von zwei mechanischen Qualitätsschlössern.

Pro

  • robuste Konstruktion
  • gute App
  • mehrere Nutzer möglich
  • Anbringung mit Klettriemen

Kontra

  • muss aufgeladen werden
  • mittelmäßige Halterung
  • Bedienung ohne Aktivmodus fummelig

Inigma Squire FL 1

Die fortwährende Digitalisierung macht auch vor dem Fahrradschloss nicht halt. Bis vor kurzem glaubte ich noch, die Konstruktion aus Bügel beziehungsweise Kette, Schlosskörper und Schlüssel wäre ein im wesentlichen ausgereiftes Produkt. Doch in Zeiten, in denen jeder mit Smartphone unterwegs ist, kommen die ersten elektronischen Schlösser mit Bluetooth-Verbindung auf den Markt. Der Vorteil: Das Smartphone ersetzt den Schlüssel, zudem kann man via App anderen Nutzern Zugriff auf das Schloss geben. Getestet haben ich das FL1-Faltschloss des britischen Schloss-Spezialisten Squire. Die Inigma-Serie dieses Herstellers bezeichnet die Smart-Schlösser, im Sortiment sind ebenfalls ein digitales Bügel- und ein Kettenschloss.
Eins vorweg: Ich gehöre nicht zu den Menschen, die andauernd ihre Schlüssel verlegen, deswegen war ich vor dem Test skeptisch über den Zusatznutzen. Denn auch mechanische Schlösser anderer Hersteller kommen in der Regel mit zwei bis drei Schlüsseln, sodass man sich mit mehreren Personen ein Schloss teilen kann.

Einrichtung Smart-Faltschloss Inigma FL1

Der erste Eindruck beim Auspacken: ein solides Faltschloss. Die Bügelelemente ergeben zusammen 80 Zentimeter, genug für einen Fahrradständer, für dickere Pfähle reicht es indes nicht. Der Schlosskörper verfügt über einen Druckknopf vorn und einen Drehknopf auf der Oberseite. Die Anleitung führt in wenigen Schritten durch die Einrichtung. Zunächst heißt es App herunterladen, Schloss aufladen. Der fahrradfahrende Digital Native in mir seufzt kurz: Jetzt muss ich also nebst meinen zwei Stecklichtern, meinem Radcomputer, dem Smarthelm und dem Smartphone auch noch mein Schloss aufladen. Immerhin ganz leicht via Mini-USB. Im Lieferumfang befindet sich ein QR-Code, den man mittels Inigma-App einscannt und so das Schloss an seinen Nutzer-Account (den man natürlich vorher anlegen muss) koppelt. Schnell noch die Firmware aktualisiert, dann ist die Einrichtung abgeschlossen.

Bluetooth-Fahrradschloss im Praxistest

An- und abschließen mit dem Inigmal-FL1-Faltschloss läuft folgendermaßen ab: Man aktiviert das Schloss mit dem Druckknopf an der Vorderseite. Dann öffnet man die App, klickt auf den Freischalten-Button und wählt sein Schloss aus. Daraufhin entriegelt sich der Schlösskörper und man kann im letzten Schritt den Drehknopf auf offen stellen; jetzt ist das Schloss geöffnt. Abschließen geht schneller, einfach am Schlosskörper schließen und mittels Drehknopf abschließen. Soweit die Theorie.
In der Praxis läuft es so: Handy zücken, App öffnen, Schloss aktivieren, Freischalten wählen, Smartphone wegstecken (weil man zwei Hände zum Öffnen braucht), Schloss via Drehknopf entriegeln und in die Halterung stecken – ganz ehrlich: Mit einem Schlüssel geht das alles bei mir schneller.
Alternativ ist auch möglich, App und Schloss in einen Aktivmodus zu versetzen: So suchen Smartphone und Schloss via Bluetooth dauerhaft nacheinander, sobald man sich nähert, kann das Schloss geöffnet werden. Das funktionierte im Test deutlich angenehmer und beschleunigte den Vorgang – wirkt sich aber entsprechend auf den Telefon-Akku aus.
Apropos Akku: Der Hersteller gibt eine Laufzeit von vier bis fünf Monaten pro Akkuladung an. Ich ließ nach dem Praxistest das Schloss (ohne Fahrrad) einen Monat am Radständer vor meinem Haus hängen, Sonne, Regen und Gewitter inklusive. Ergebnis: Kein Problem für das FL1.
Ein echter Zusatznutzen ist, dass man das Schloss für andere Nutzer freigeben kann. Entweder dauerhaft oder zeitbegrenzt. Dazu verschickt man in der App eine „Einladung“ an einen anderen User per Mail und legt fest, wie lange die Freigabe gültig sein soll. In den App-Protokollen kann man ebenfalls einsehen, wer wann das Smartschloss aktiviert hat. Der Hersteller gibt AES-256-bit-Verschlüsselung als Schutz gegen digitale Angriffe an. Wer weitere Produkte der Inigma-Welt nutzt, kann mit der App bald auch Türzylinder und Vorhängeschlösser öffnen.
Inigma FL1 Halterung

Dank der Klettriemen kann man die Halterung des Inigma FL1 auch am Unterrohr befestigen und behält den Platz für den Flaschenhalter. Passt allerdings nur ganz knapp und sammelt viel Dreck bei schlechtem Wetter.

Gut gefallen hat mir, dass das 1516 Gramm schwere Schloss mit einer Halterung kommt, die ohne Schraublöcher funktioniert. Dafür sorgen rutschfeste Klettlaschen, die einen sicheren Eindruck vermitteln. So geht kein Flaschenhalter-Slot im Rahmen für das Faltschloss drauf, allerdings verzichtet der Hersteller auch gleich ganz auf Schraublöcher. Warum nicht beides, Schrauben und Klett? Der Hersteller verspricht, dass Schraublöcher in Planung sind. Die Halterung selbst ist ein Plastikfach, in das das zusammenfaltete Schloss gesteckt wird. Das Ganze funktioniert gut, die Kopfsteinpflaster-Prüfung besteht die Konstruktion jedoch nicht klapperfrei.
Beim Inigma FL1 von Squire bleibt der Eindruck, dass die Digitaltechnik vor der Verarbeitung kommt. Die App überzeugt mit einfacher Ersteinrichtung, fehlerfreier Anwendung und guter Übersicht; Prädikat marktreif. Hapern tut es bei der Mechanik: Die Spaltmaße zwischen Schloss und Halterung sind recht groß; die Verarbeitung kommt nicht an das Niveau der großen Mitbewerber auf dem Markt heran. Auch nach etwas Übung mit dem Inigma bleiben die Vorteile der Digitaltechnik für mich theoretischer Natur. Schlüssellose Bedienung und Nutzung für beliebig viele Anwender bekommt man übrigens auch mit einem Zahlenschloss. Kostenpunkt des Inigmal FL1: 189,95 €.

Inigma Squire FL 1

Lennart Klocke

von Lennart Klocke

Zwei schmale Reifen, ein tiefer Lenker und eine freie Landstraße: Mehr braucht Lennart Klocke nicht zum Glücklichsein. Als BIKE BILD-Autor testet der Rennrad-Fan am liebsten neues Equipment und Fahrrad-Gadgets.