Alles über das Querfeldein-Fahren

Cyclocross-Spezial: Techniktipps und Unterschiede zum Gravel

Harte Rennen im Matsch, enge Kurven und steile Anstiege: Das ist Cyclocross! Die Übergänge zum Gravel und Rennrad sind fließend und die Unterschiede stecken im Detail. Zusammen mit dem Cross-Experten und mehrfachen Deutschen Meister im Cross, Jens Schwedler, ordnen wir den Querfeldein-Sport ein. Dazu: Praktische Tipps für Cyclocross-Einsteiger sowie Unterschiede zum Rennrad und Gravelbike. Im großen Video-Tutorial finden Sie außerdem Technik- und Geheimtipps zur Radbeherrschung vom Profi. Plus: Unser Redakteur im Selbstversuch – er berichtet von der Teilnahme an einem Cyclocross-Rennen.

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Cyclocrosser sind Waldarbeiter – die Querfeldeinfahrer zieht es auf zumeist 33 Millimeter breiten Reifen ins Gelände. Dort können sie nicht mal Baumstämme stoppen.

Patsch! Die erste Kurve, der erste Knall. Kurzes kollektives Zusammenzucken am Ende des Feldes, wo einer der Fahrer unter seinem Rad begraben wird. Wie ein Käfer, der auf dem Rücken liegt, wirbelt der Gestürzte mit Händen und Füßen, als ginge es um alles. Und irgendwie tut es das auch, denn wer beim Cross am Anfang den Anschluss verpasst, ist – fast wie in der Formel 1 – so gut wie raus aus dem Rennen.
Weiter vorn, wo sich die leistungsstarken harten Burschen nach und nach in einer Reihe einsortieren, gibt man sich indes unbeeindruckt vom hinten hörbaren Knirschen und Knacken. Krasse Erfahrung: ein Rennen, zwei Welten!

Körperkontakt ist im Cyclocross-Rennen keine Seltenheit. Konzentration ist erforderlich.

Nur eine halbe Kurbelumdrehung weniger, und auch ich hätte kurz darauf den Käfer gemacht, zu Fall gebracht von einer heimtückischen Wurzel im Stadtwald Neumünster. Fiese Dinger sind das: hoch gewachsen, extrem gut getarnt und unnachgiebig.
Die ersten Meter eines Crossrennens sind nichts für Radler mit schwachen Nerven. Mit ausgestellten Ellbogen wird gedrängelt, was das Zeug hält. Wer entschlossener fährt, kriegt die bessere Kurvenlinie. Ein Fahrer zeigt mir, wie es geht, täuscht außen an, zieht innen rein, zack, weg ist er. Du Sau, fluche ich, und nehme die Verfolgung auf.

Der erste Cyclocross-Ackerheld in Frankreich geboren

Cyclocross nennt sich diese wahnsinnige Waldgaudi auf zwei 33 Millimeter breiten Stollenreifen. Alte Hasen reden auch von Querfeldein. Wie auch immer, diese Spielart des Radfahrens ist eigentlich ein alter Hut. Seinen Ursprung hat der Crosssport in Frankreich, wo mit dem Soldaten Daniel Gousseau der erste Ackerheld geboren wurde. Im Jahr 1900 meldete sich der junge Soldat zum Dienst, um seinen General auf dem Fahrrad bei dessen Geländeritt zu eskortieren. Währenddessen stellte er mit Erstaunen fest, dass er auf dem Rad mit den Reitern Schritt halten konnte, und dass das Fahren abseits befestigter Wege sogar Spaß bringt. Diese Erkenntnis war die Geburtsstunde des Cyclocross. Schnell sprach sich das Geländetraining rum, zwei Jahre später organisierte Gousseau die erste französische Meisterschaft. Der Rest ist Geschichte.
Dieser Auszug stammt aus der BIKE BILD 1/2020. Das Magazin können Sie hier versandkostenfrei bestellen. Eine Themenübersicht der Ausgabe finden Sie hier.

Lesen Sie in der aktuellen Ausgabe BIKE BILD 1/2020 die ganze Reportage.

Cyclocrossbike: Rennrad mit breiten Reifen?

Merkmale des Crossbikes: Reifen und Gabel

Reifen und Gabel: Crossräder haben voluminösere Gabeln als Rennräder. Sie lassen somit breitere Reifen zu. Pneus mit 33 Millimetern passen locker rein (die UCI schreibt bei Rennen die maximale Reifenbreite von 33 Millimetern vor), bei vielen Bikes gehen vorn auch 40 Millimeter, hinten 35 Millimeter. Dank der Reifenfreiheit kann sich ein mit Schlamm besetzter Reifen nicht festfahren. Häufig bietet die Gabel mehr Raum für breitere Reifen als der Hinterbau. Crossreifen sind eher schmal geschnitten und mit Stollen versehen.

Merkmale des Crossbikes: Übersetzung und Bremsen

Übersetzung und Bremsen: Im Cyclocross kommen häufig Schaltungen mit kleinen Gängen zum Einsatz (Zweifachkurbeln mit 46–36 bis 42–23 Zähnen, hinten: 11–28), um steile Anstiege zu erklimmen. Manche Räder sind auch mit einer Einfachkurbel ausgestattet, häufig dann, wenn das Bike wirklich nur als Querfeldein-Rad zum Einsatz kommt. Diese spart Gewicht ein und ist wartungsarm. Scheibenbremsen haben sich im Cyclocross etabliert.

Merkmale des Crossbikes: Geometrie und Sitzposition

Geometrie und Sitzposition: Auf den ersten Blick sind sich beide Radgattungen recht ähnlich, aber die Unterschiede sind spürbar groß. So ist das Tretlager höher gebaut, um tretend durch Kurven manövrieren und Hindernisse besser überwinden zu können. Der Radstand ist kürzer und der Lenkwinkel steiler, was mehr Agilität im Gelände bietet. Insgesamt ist die Position sportlich geschnitten, da das Crossrad als Wettkampfrad konzipiert wird. Mit schmaleren Reifen kann es schnell zum Rennrad umfunktioniert werden. Für Radreisen ist es nicht geeignet, hierfür fehlen die entsprechenden Bohrungen an Gabel und Rahmen.

Video-Tutorial auf Youtube

Daniel Eilers

von Daniel Eilers

Daniel Eilers ist Redakteur bei BIKE BILD. Räder sind für ihn zweierlei: das perfekte Sportgerät und klügste Fortbewegungsmittel unserer Zeit.