Großes Winter-Spezial

Wie Radfahrer warm und sicher durch den Winter kommen

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung und unzureichende Ausrüstung. Wir zeigen Ihnen, wie Sie warm, sicher und mit Spaß durch die kalten Monate kommen. Wir empfehlen Ihnen Lampen und Jacken, beraten beim Kauf von Helmen, Kleidung und Schuhe.

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Wenn die Straßenlaternen ausgehen, wünscht man sich ein besonders helles Frontlicht. Zur perfekten Winterausrüstung gehört allerdings noch mehr: Regenhose und Regenjacke, idealerweise Leucht-Helme, natürlich auch Equipment zum Wärmen der Füße und Hände.

Wenn die Menschen draußen in dicken Daunenjacken umherlaufen, sich die Pudelmützen weit über die Ohren ziehen und die Dunkelheit überhandnimmt, dann sind plötzlich deutlich weniger Radfahrer auf der Straße zu sehen. Winterzeit – Sturm, Regen, Kälte. Zumindest meist.
Sonnenschein und Windstille. Selbst dann sieht man jedoch nur selten Radfahrer. Fast scheint es, als seien diejenigen, die sich im Winter mit dem Fahrrad hinaustrauen, knallharte Superhelden, denen Kälte rein gar nichts anhaben kann. Tatsächlich benötigt man keine Superkräfte, um im Winter zu radeln. Das zeigen Orte mit besonders hohem Winter-Radverkehrsanteil, wie die finnische 200.000-Einwohner-Stadt Oulu. Dort würden die Menschen über das, was wir Deutschen als Winter bezeichnen, lachen. In Oulu liegt an 160 bis 175 Tagen im Jahr Schnee. Dennoch ist der Radverkehrsanteil mit 32 Prozent im Sommer und 12 Prozent im Winter sehr hoch. Die Skandinavier sind indes nicht aus anderem Holz geschnitzt als wir, sie fahren ganz einfach trotz der widrigen Umstände weiter – Einstellungssache.

Galerie: 10 Frontlichter im Test

Galerie: 10 Rücklichter im Test

Keine Ausreden mehr! Radfahren geht auch im Winter

Was hält uns tatsächlich vom winterlichen Radfahren ab? Ist es die Kälte, so hilft warme, winddichte Kleidung – eine Fahrt nach Finnland zur Akklimatisierung ist nicht notwendig. Zuerst stellen wir Produkte vor, die dafür sorgen, dass Ihre Hände und Füße nicht kalt werden. Das Temperaturempfinden ist an diesen Körperteilen besonders individuell. Während den einen dünne Handschuhe reichen, kämpfen andere in dicken Fäustlingen gegen Erfrierungen an. Wir haben Tipps für jeden Typ.
Vielleicht ist es der Regen, der Sie stört? Im deutschen Winter fällt durchschnittlich nur an jedem dritten Tag mehr als 1 Millimeter Niederschlag – viel weniger als gedacht. Und es gibt viele Jacken und Hosen, die das kalte Nass erfolgreich abhalten. Wir haben acht Regenjacken getestet, mit denen Sie trocken zur Arbeit kommen.
Macht Ihnen die Dunkelheit Sorgen? Per USB aufladbare Akkulampen lassen sich schnell und einfach am Rad befestigen und sorgen für eine gute Sicht auch auf dunkelsten Wegen. Wir haben zehn Front- und zehn Rücklichter getestet.
Oder haben Sie Angst, nicht gesehen zu werden? Wir stellen Produkte vor, die für eine besonders gute Sichtbarkeit sorgen, darunter leuchtende Helme sowie auffällige Gadgets.

Galerie: 8 Leucht-Helme im Check

Radbekleidung im Winter: Lagen, Lagen, Lagen!

Natürlich können wir einfach die Winterjacke anziehen, und los geht es. Wer aber sportlicher unterwegs ist, der sollte über Funktionsbekleidung nachdenken.
Wichtig ist hier das Zwiebelprinzip, genauer gesagt das Tragen von vielen Bekleidungsschichten. Die unterste – direkt auf der Haut – ist das Baselayer. Dieses sollte besonders atmungsaktiv sein und die Feuchtigkeit nach außen leiten, damit keine nasse Schicht auf der Haut klebt. Einige Menschen schwören auf Merinowolle, da diese auch nass noch wärmt und sich unangenehme Gerüche meist erst nach mehreren Fahrten entwickeln. Das ist praktisch – auch für diejenigen, die sich vor der Arbeit nicht noch umziehen wollen oder können. Ganz so gut wie hochwertige Funktionsmaterialien atmet Merinowolle allerdings nicht.

Galerie: 8 Radjacken im Vergleichstest

Galerie: Regenhosen: Woran Sie gute Modelle erkennen

Bei kälteren Temperaturen ist eine winddichte äußere Schicht äußerst empfehlenswert, denn sie verhindert, dass der eisige Wind durch die restlichen Kleidungsstücke hindurchpustet. Zwischen Baselayer und Wind- oder Regenjacke können beliebig viele Bekleidungsschichten getragen werden. Der Vorteil: Ist es beim Fahren zu kalt, kann eine hinzugefügt werden. Wird dem Radfahrer zu warm, zieht er eine Schicht aus.
Das Zwiebelprinzip kann auch bei Hosen, Handschuhen oder an den Füßen angewendet werden. Achtung: Wird es zu eng, kann die Durchblutung der Extremitäten gestört werden. Im Ergebnis frieren wir dann, obwohl es nicht notwendig wäre.

Galerie: So bleiben die Füße im Winter warm

Um den Kopf und die Ohren warm zu halten, gibt es von zahlreichen Herstellern dünne, winddichte Mützen und Stirnbänder, die unter einem Helm getragen werden können. Schlauchtücher oder Schals schützen Hals und Nacken erfolgreich vor kalter Luft.

Gute Ausrüstung, mehr Lebensqualität

Bei Laub, Eis und Nässe besteht erhöhte Rutschgefahr. Folglich ist auch der Bremsweg länger. Wenn ein Radweg blockiert, verdreckt oder mit Schnee bedeckt ist, darf trotz Benutzungspflicht auf die Fahrbahn ausgewichen werden. Breitere Reifen und geringerer Luftdruck sorgen dort wie auch auf verschneiten Wegen für deutlich besseren Grip.
Eine Studie von EcoLibro zeigt auf, dass Radfahrer durchschnittlich zwei Tage pro Jahr weniger krank sind als die Menschen, die den öffentlichen Nahverkehr oder das Auto nutzen. Das betrifft jedoch nur diejenigen, die das ganze Jahr über mit ihrem Zweirad unterwegs sind. Reine Sommerradler profitieren nicht. Winterradeln macht also anscheinend nicht krank, ganz im Gegenteil, es fördert sogar unsere Gesundheit. Also rauf aufs Rad!

Galerie: Wie Sie den richtigen Handschuh finden

10 Tipps fürs Radfahren im Winter

  1. Weniger ist mehr. Wer zu warm angezogen ist, schwitzt. Nasse Kleidung führt zu einem Kältegefühl. Richtig angezogen ist man meist, wenn man beim Verlassen der Wohnung leicht fröstelt. Die Bewegung auf dem Rad bringt dann die Wärme.
  2. Vorsicht vor rutschigem Laub, Nässe oder gar Eis. Der Bremsweg ist länger als üblich. Im Zweifel: Tempo reduzieren. Kurven vorsichtig fahren.
  3. Immer eine Regenjacke und Regenhose in der Tasche haben. Dann macht der überraschende Schauer keine Probleme.
  4. In einem hartnäckigen Winter mit viel Schnee und Eis können Reifen mit Spikes helfen. Sie sind nicht besonders teuer und ermöglichen selbst auf Eisplatten entspanntes Fahren.
  5. Wasserdichte Rucksäcke oder Packtaschen halten die Wechselkleidung selbst bei grausigen Wetterbedingungen trocken.
  6. Die winddichte Schicht nicht vergessen. Sonst bläst der Wind durch die Kleidung hindurch.
  7. Durch die Nässe, den Dreck und das Streusalz leidet die Kette. Damit sie lange hält, sollte sie regelmäßig ab- gewischt und neu geölt werden.
  8. Gute Schutzbleche schützen vor Schlamm und Wasser.
  9. Die Sichtverhältnisse sind im Winter schlechter, insbesondere bei Nässe, Nebel und Dunkelheit. Helle, reflektierende Kleidung schafft mehr Sicherheit.
  10. Breitere Reifen und/oder weniger Luftdruck bedeuten mehr Grip.