Gefahrenstelle toter Winkel

Abbiegeunfälle: Mehr Sicherheit mit Bike Flash

Rechts abbiegende Lkw sind eine tödliche Gefahr für Radfahrer. Das System Bike Flash soll für mehr Sicherheit sorgen, ein erstes Gerät hat den Betrieb aufgenommen.

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Bike-Flash-Warnsystem

Signale für Lkw-Fahrer und Radler: Bike Flash warnt vor dem Abbiegen

In Garbsen, in der Nähe von Hannover, ist am Freitag die erste Anlage von Bike Flash eröffnet worden. Dabei handelt es sich um ein Warnsystem, das Lkw- und Pkw-Fahrern blinkend signalisiert, wenn ein Radfahrer sich im toten Winkel befindet. Das Gerät steht vor einem Logistikzentrum von Amazon, eine Stelle, an der es viel Lkw- und Fahrrad-Verkehr gibt.

So funktioniert Bike Flash

Bei dem Bike Flash-Warnsystem handelt es sich um einen Mast, der vor einer Kreuzung zwischen Fahrbahn und Radweg aufgestellt wird. An der Fahrbahnseite des Masts befinden sich drei Reihen oranger LED-Leuchten, die Lkw- und Pkw-Fahrern anzeigen, wenn sich ein Radfahrer auf dem Radweg nähert. Diese LED-Reihen, die Abbieger warnen sollen, befinden sich auf Augenhöhe von Auto- und Lastwagenfahrern. Für Radfahrer gibt es zusätzlich eine rote Warnleuchte, wenn ein Auto oder Lastwagen rechts abbiegt. Dies soll vor allem Kinder für den toten Winkel sensibilisieren.

Gefahrenerkennung mittels Wärmesensoren

Bike Flash erkennt sich nähernde Radfahrer mit einem Wärmesensor in einem Bereich von 4 mal 16 Metern vor der Kreuzung. Der Vorteil beim Wärmebild ist, dass die Erkennung bei jedem Wetter funktioniert, das System identifiziert die typischen Abbilder von Radfahrern, aber auch Fußgängern, Läufern oder Skatern, und aktiviert das Warnlicht. Der fünf Meter hohe Mast kann laut den Entwicklern auch einen größeren Bereich erfassen.

Schwere Abbiegeunfälle

Abbiegesituationen sind Unfallschwerpunkte. 2017 kamen 382 Radfahrer im Straßenverkehr ums Leben, bei Abbiegeunfällen mit Lastwagen starben 76 Menschen. Nach rechts abbiegende Lkw sind besonders gefährlich, häufig endet eine solche Begegnung für Radler tödlich. Der Flensburger Martin Budde, Entwickler von Bike Flash und natürlich selbst Radfahrer, findet: „Jeder Unfall ist einer zu viel.“ Mit dem Warnsystem konnte er schon den Innovationspreis der Handelskammer Schleswig-Holstein gewinnen, nach einer langen Testphase ist das System nun marktreif.

Assistenzsysteme auf freiwilliger Basis reichen nicht

Eine zufriedenstellende politische Lösung für das Problem tödlicher Abbiegeunfälle ist nicht in Sicht. Die vom Bundesverkehrsminister vor ein paar Monaten vorgestellte Kampagne „Ich hab‘ den Assi“ verpflichtet Spediteure nicht, einen Abbiegeassistenten in ihren Lkw zu installieren. Das Bike Flash-System macht Hoffnung, dass die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer sinken wird. Doch auch in diesem Fall braucht es den politischen Willen der Gemeinden, um die Warnmasten zu finanzieren und aufzustellen. Die Kosten belaufen sich auf 30.000 bis 40.000 Euro.