Tödliche Abbiegeunfälle

Augmented Reality für Lkw-Fahrer

Die Serie tödlicher Abbiegeunfälle mit Lkw reißt nicht ab. Während sich die Politik mit der Einführung eines Abbiegeassistenten schwertut, arbeiten Forscher an einer Alternative. Ihre Methode: Augmented Reality.

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Das gläserne Cockpit

Der Blick durch die Smartbrille zeigt dem Lkw-Fahrer, was hinter Amaturen, Türen und Fahrzeug nicht sichtbar ist.

Am Mittwochmorgen ist es wieder passiert: Ein Lkw-Fahrer übersah in Berlin beim Rechtsabbiegen eine Radfahrerin. Die 37-Jährige starb noch an der Unfallstelle. Wahrscheinlich hat der Fahrer die Frau im Rückspiegel übersehen. Ein schlimmer Unfall für das Opfer, ihre Angehörigen, aber auch für den Lkw-Fahrer, der mit der Schuld zu kämpfen haben wird. Eine der Hauptunfallursachen für Radfahrer sind abbiegende Kraftfahrzeuge, die ihnen die Vorfahrt nehmen.

Erweiterte Realität für Lkw-Fahrer

Das Bundesverkehrsministerium unter Andreas Scheuer betont zwar, man wolle den elektronischen Abbiegeassistenten einführen, verweist jedoch aufs EU-Recht, welches ein rasches Gesetzt in Deutschland verhindere. Forscher am Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) haben jetzt ein alternatives Sicherheitssystem für Lkw und Pkw vorgestellt: das gläserne Cockpit. In Zusammenarbeit mit Rio, einer Tochter des Lkw-Herstellers MAN, haben Daniel Secker und Daniel Reichert im Rahmen ihrer Masterarbeiten ein Augmented-Reality-System für Lkw entwickelt. Eine VR-Brille macht das Fahrzeug für den Fahrer komplett durchsichtig. Stereokameras am Laster übermitteln das Bild auf die Brille. Die Forscher dazu: „Das Ziel dieser Methode ist, die häufigen Unfälle beim Rangieren mit Lkw und Pkw zu minimieren. Bisher übersehen Fahrer oft Hindernisse oder verlassen sich zu sehr auf die vorhandenen Assistenzsysteme“

Testphase für Augmented Reality im Lkw-Cockpit

Zusätzlich setzen die Tüftler auf sogenannte intuitive Visualisierung. Das Prinzip: „Ein Algorithmus erkennt anhand der Kameraaufnahmen die Position von Objekten im Raum und färbt sie erst orange und dann rot ein, wenn sie gefährlich nahekommen.“ Praxistauglich sei das System noch nicht, so die Entwickler. Die Brillen sind laut Daniel Secker noch zu klobig, die erhältlichen Modelle haben zudem noch ein zu kleines Sichtfeld. Wäre dieses Problem gelöst, könnten Fahrer die Brille ganz normal tragen und erst beim Rangieren die erweiterten Funktionen nutzen.
Lennart Klocke

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Zwei schmale Reifen, ein tiefer Lenker und eine freie Landstraße: Mehr braucht Lennart Klocke nicht zum Glücklichsein. Als BIKE BILD-Autor testet der Rennrad-Fan am liebsten neues Equipment und Fahrrad-Gadgets.