Ukraine-Krise

Fahrrad-Lobby fordert Verkehrspolitik für den Frieden

Autofreie Sonntage, Tempolimits, Klimatickets und ein neues Straßenverkehrsrecht: Die Fahrradverbände fordern die Abkehr der Abhängigkeit vom russischen Öl und Gas.

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Ragnhild Sørensen vom Verein Changing Cities: „Statt den Angriffskrieg mitzufinanzieren, brauchen wir Maßnahmen, um unsere Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Selbst für Strecken bis zwei Kilometer nehmen 53 Prozent der Deutschen das Auto! Also für Strecken, die die meisten Menschen gut mit dem Rad, zu Fuß oder mit dem ÖPNV zurücklegen können. Nachhaltige Mobilität auszubauen ist ein Beitrag für den Frieden“. (Foto: www.pd-f.de / cannondale)

In einer gemeinsamen Pressemitteilung machen sich der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC), der Ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD), Greenpeace Berlin und weitere Verbände für Maßnahmen stark, die den Öl- bzw. Treibstoffverbrauch in Deutschland reduzieren und eine Verkehrswende vorantreiben sollen, die nicht nur nachhaltig, sondern auch friedensstiftend ist.

ADFC: Vier Maßnahmen für weniger Benzinverbrauch

Die Fahrrad- und Umweltschutzorganisationen beklagen, dass Deutschland pro Stunde zwei Millionen Euro für Öl und Gas nach Russland überweist und damit den Angriffskrieg gegen die Ukraine finanziert. Gleichzeitig explodieren die Benzinpreise an den Tankstellen, so ADFC, VCD und Co. Anstelle die Benzinkosten mit Steuergeldern zu senken, fordern die Verbände vier verkehrspolitische Maßnahmen umzusetzen:
  1. Autofreie Sonntage
  2. Neue Tempolimits: 30 km/h innerorts, 80 km/h außerorts und 120 km/h auf Autobahnen
  3. Kostengünstiges Klima-Ticket für den Einstieg in den öffentlichen Nahverkehr
  4. Novelle des Straßenverkehrsgesetzes zum beschleunigten Ausbau von Fuß-, Rad- und Nahverkehr.
Für den heutigen Mittwoch, 16. März 2022, rufen die Verbände in Berlin zu einer Fahrrad-Demonstration auf. Start ist um 17 Uhr an der Bundesgeschäftsstelle der FDP, die Route führt anschließend über das Bundesverkehrsministerium, die russische Botschaft und Gazprom.

ZIV: Radfahren ist Freiheitsmobilität

Auch die Fahrradwirtschaft zeigte sich von dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg betroffen: Bei der Vorstellung der Marktdaten des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) für das Jahr 2021 betonte auch dessen Geschäftsführer Burkhard Storck, dass Mobilität mit Fahrrad und E-Bike die naheliegende Antwort auf steigende Benzinpreise aufgrund des russischen Überfalls und die Abhängigkeit vom russischen Öl seien. Radfahren sei, so Storck, Freiheitsmobilität und Fahrrad und E-Bike krisenfeste bzw. resiliente Verkehrsmittel.