Initiative für mehr Sicherheit

Hamburg rüstet Lkw mit Abbiegeassistenten aus

Die Hansestadt möchte treibende Kraft bei der Einführung von Abbiegeassistenzsystemen sein. Jetzt ist ein Pilotprojekt gestartet, an dem sich städtische Unternehmen, Behörden und private Firmen beteiligen. Die Ziel: Die vollständige Ausrüstung der städtischen Lkw mit den Warnsystemen.

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Lkw-Cockpit

Bei diesem Lkw sind alle Spiegel korrekt eingestellt. Theoretisch sollte es keinen "toten Winkel" geben. In der Praxis bleibt Lkw-Fahrern oft zu wenig Zeit, die Verkehrssituation um das Fahrzeug einzuschätzen. Dabei hilft der Bildschirm in der Mitte.

Das Thema Abbiegeassistenten für Lkw bewegt die Gemüter, erst diese Woche wurde ein Radfahrer in Hamburg von einem rechtsabbiegenden Lkw überrollt. Die Stadt Hamburg hat jetzt eine Initiative gestartet, die die Verbreitung der Assistenzsysteme vorantreiben soll. Dafür arbeitet die Stadt auch mit privaten Logistikunternehmen zusammen.
Lkw-Sensor

Ein Sensor an der Außenseite des Fahrzeugs erfasst Fußgänger und Radfahrer.

Hamburg rüstet Lkw-Flotte auf

Der Plan: In einer sechsmonatigen Testphase sollen drei verschiedene Hilfssysteme im Alltag an 18 Lkw erprobt werden. Es müsse geklärt werden, welche System wie wirksam seien und welche Kosten tatsächlich entstehen. Zudem sind noch nicht alle Systeme zertifiziert. Anschließend sollen alle 2000 städtischen Fahrzeuge, vom LKW des Theaters bis zum Transporter für Sträflinge, ausgerüstet werden. Bis 2020 soll die Umrüstung der Lkw geschafft sein. Private Unternehmen sollen von den Erkenntnissen aus dem Testbetrieb profitieren, drei Speditionen beteiligen sich schon jetzt am Testbetrieb. Konkrete finanzielle Anreize für Lkw-Betreiber gibt es nach der Testphase indes nicht. Die Umrüstung der Stadt-Fahrzeuge soll von den jeweiligen Behörden und Institutionen gezahlt werden.
Lkw

Feuerwehr, Abfallentsorger, Privatwirtschaft: An dem Pilotprojekt beteiligen sich verschiedene Lkw-Betreiber.

Andy Grote: „Keine Grund, auf Umrüstung zu verzichten“

Hamburgs Innensenator Andy Grote möchte mehr gegen schwere Unfälle tun und betont, seine Stadt setze sich auf Bundesebene für die Assistenzsysteme ein. Grote: „Wir müssen bei der Ausrüstung von Fahrzeugen mit Abbiegeassistenten endlich vorankommen und können nicht noch Jahre warten, bis auf EU-Ebene eine verpflichtende Einführung geregelt wird. Gerade weil wir in Hamburg den Radverkehr weiter ausbauen, müssen wir für möglichst sichere Rahmenbedingungen sorgen.“ Verkehrssenator Michael Westhagemann ergänzt, dass international gültige Regelung notwendig seien. Er wünsche sich zudem mehr finanzielle Förderung von Seiten des Bundesverkehrsministeriums. Im vergangenen Jahr stellte das Ministerium fünf Millionen Euro zur Verfügung, die innerhalb kürzester Zeit aufgebraucht waren.
Andy Grote Video abspielen

Die Stadt Hamburg möchte ihre Lkw-Flotte mit Abbiegeassistenten ausrüsten. Dafür startet jetzt ein Pilotprojekt. Wir haben uns vom Hamburger Innensenator das Projekt erklären lassen und erfahren, wie man die Spediteure mit ins Boot holt und Einfluss auf EU-Ebene ausübt.

Abbiegeassistenten retten Leben

Laut einem Bericht der Unfallforschung der Versicherer können elektronische Assistenten ca. 60 Prozent der tödlichen Unfälle beim Abbiegen verhindern. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) betont, er wolle den Abbiegeassistenten für Lkw "lieber heute als morgen einführen". EU-Recht verhindere eine bundesweite Einführung.
Ein Gerät für einen Lkw kostet 1000 bis 2000 Euro. Die Systeme werden aktiviert, sobald der Fahrer den Blinker setzt oder das Lenkrad bewegt. Sie erfassen einen Bereich von mindestens 2,5 x 6 Meter und erkennen darin sich bewegenden und statische Objekte, dank Infrarot-Kamera auch bei Dunkelheit. Fußgänger und Radfahrer erkennt der Lkw-Fahrer in einem Bildschirm, außerdem wird er akutisch und visuell gewarnt.