Corona-Pandemie

Coronakrise: Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr auf dem Fahrrad?

Abstand halten zu anderen ist das Gebot der Stunde. Wer mit dem Fahrrad fährt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch andere.

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Radfahrerin

Auf dem Rad halten Sie ausreichend Abstand zu anderen Menschen und bekommen ein gesundes Maß an Bewegung. Bild: www.pd-f.de / Paul Masukowitz

In Zeiten von Corona-Angst erlebt das Fahrrad in Deutschland ein unerwartetes Hoch. Politiker und Viren-Experten raten zum Umstieg aufs Rad. Denn: Wer auf zwei Rädern unterwegs ist, kommt kaum mit anderen Menschen in Berührung. Radeln ist die perfekte Alternative zum öffentlichen Nahverkehr, wo das Virus an Griffen, Türen oder im Sitznachbar lauern kann. Der Lungenfacharzt Doktor Hans Klose vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hält Radfahren gar für eine der besten Maßnahmen in diesen Zeiten. „Die Gefahr, sich zu infizieren, ist zwar immer gegeben, auf dem Rad ist das Risiko jedoch deutlich geringer als in Bus und Bahn“. Wer jetzt aufs Rad umsteigt, schützt nicht nur sich, sondern auch andere. Falls man schon mit dem neuartigen Coronavirus infiziert ist, kommt man auf dem Rad nicht mit anderen Personen in engen Kontakt.

Kontaktverbot: Radfahren ist erlaubt

Nicht nur zum Infektionsschutz ist Radfahren jetzt angebracht. Dr. Klose betont: „Radfahren ist ein wunderbares Mittel, um Körper und Geist fit zu halten.“ Gerade in dieser Krise müssen wir in Bewegung bleiben. Wer noch zur Arbeit muss, sollte den Weg dahin möglichst aktiv gestalten: Rad fahren, spazieren oder auch joggen.
Egal ob im Home-Office oder im Schichtbetrieb: 30 Minuten Bewegung am Tag sind das Minimum, so der Sporttherapeut Doktor Kim Tofaute. Jedes Bisschen Bewegung helfe, bei Untrainierten führe sogar schon leichtes Spazierengehen oder Radfahren zu Muskelaufbau.

Galerie: Das bewirkt Radfahren im Körper

Auch der Fahrradverband ADFC betont die Vorteile des Radfahrens für diejenigen, die zur Arbeit, zum Einkaufen oder in die Apotheke müssen. Stephanie Krone, Verkehrsexpertin beim ADFC: „Radfahren ist natürlich auch gut, um einfach mal rauszukommen, sich zu bewegen, frische Luft zu tanken – und den Lagerkoller, den viele jetzt schon haben, zu überwinden. Natürlich alleine oder nur mit denen, mit denen man ohnehin zusammen ist.“

Österreich: Fahrradfahren bei Ausgehverbot erlaubt

Im Nachbarland Österreich dürfen die Menschen nur noch für die Arbeit und die allernötigsten Erledigungen aus dem Haus. Runden mit dem Rad sind jedoch explizit erlaubt, wie der Sportminister kürzlich mitteilte. In Spanien und Italien, wo die Bewohner ebenfalls zu Hause bleiben müssen, ist die Lage anders: Radfahren ist nur noch für den Weg zur Arbeit genehmigt, sportliches Radfahren ist untersagt. Der Grund: Sollte es zu Stürzen oder Unfällen kommen, belasten diese das strapazierte Gesundheitssystem zusätzlich.
Sporttherapeut Tofaute bringt es mit drei Tipps für Radfahren in Krisenzeiten auf den Punkt:
  1. Möglichst jeden Tag eine Runde radeln, soweit dies erlaubt ist.
  2. Um das Unfallrisiko zu minimieren, sollte man verkehrsarme Routen nutzen oder in Parks und Wäldern fahren.
  3. Und man sollte schwierige Passagen nur mit minimalem Risiko angehen, um Stürze zu vermeiden.
Das Unfallrisiko senken ist nicht nur die Vorgabe an den Radverkehr: Der BUND in Deutschland hat sich schon jetzt für eine Geschwindigkeitsreduzierung innerorts auf Tempo 30 ausgesprochen. Auch das trage zur Entlastung der stark geforderten Krankenhäuser bei.

Krise als Chance für den Radverkehr – und die eigene Gesundheit

Der Fahrradclub ADFC sieht die aktuelle Krise auch als Chance für den Radverkehr: ADFC-Expertin Krone: „Es wird in diesen Tagen schmerzlich bewusst, wie sehr das Radfahren systemrelevant für ein krisenfestes Verkehrssystem ist – und wie wenig unsere Radwege und unser Verkehrsklima auf starken Radverkehr eingestellt sind.“
Inspiration für Radverkehr in der Krise kommt derweil aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá: Dort hat die Regierung kurzerhand auf hunderten Kilometer Straße eine Spur für Autos gesperrt und in temporäre Radwege verwandelt – und so einen Anreiz geschaffen, auf das infektionssichere Rad umzusteigen. Dies wünscht sich der ADFC auch in deutschen Städten, die Expertin Krone sagt: „Das kostet fast nicht, außer politischen Willen.“
Doktor Hans Klose

Priv.-Doz. Dr. med. Hans F. E. Klose: "Die Angst in positive Energie umwandeln."

Vielleicht führt die Corona-Krise bei manchem auch zu einer persönlichen Willensänderung. Der Pneumologe Doktor Klose betont, dass das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit Covid-19 deutlich höher ist, wenn man ein erkranktes Herz-Kreislauf-System oder eine schlecht funktionierende Lunge hat. Gegen beide Krankheitsbilder hilft auch: Fahrrad fahren. Der Wunsch des Lungenarztes ist, „dass es Menschen gelingt, die Ängste vor der Krankheit in positive Energie umzusetzen.“
Für ein Last-Minute-Training vor einer Infektion in den kommenden Wochen sei es jetzt wohl zu spät. Doch es ist gut möglich, dass die nächste Corona-Welle im Herbst auf uns zurollt – und dafür ist es laut Sporttherapeut Kim Tofaute noch nicht zu spät. Regelmäßiges Fahrradfahren wirkt präventiv und schützt besser vor Krankheiten als so manches Medikament.
Lennart Klocke

von Lennart Klocke

Zwei schmale Reifen, ein tiefer Lenker und eine freie Landstraße: Mehr braucht Lennart Klocke nicht zum Glücklichsein. Als BIKE BILD-Autor testet der Rennrad-Fan am liebsten neues Equipment und Fahrrad-Gadgets.