Studie "Mobilität in Deutschland"

Fahrradverkehr wächst minimal, Infrastruktur ist entscheidend

Ernüchternde Zahlen zum Mobilitätsverhalten in Deutschland. Nur jeder zehnte Deutsche nutzt das Fahrrad als Verkehrsmittel – Tendenz minimal steigend. Interessant: In Städten mit guter Zweirad-Infrastruktur macht der Fahrrad-Anteil bis zu 30 Prozent am Gesamtverkehr aus.

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Radfahrer

Der Fahrradanteil am gesamten Verkehr ist in den letzten zehn Jahren nur geringfügig gewachsen. (Foto: www.pd-f.de / Kay Tkatzik)

Das Fahrrad als Verkehrsmittel für die Massen, autofreie Innenstädte und saubere Luft? Davon sind wir noch weit entfernt, Deutschland ist nach wie vor eine Autofahrernation. Das belegen die Ergebnisse der Studie "Mobilität in Deutschland 2017", die vom Bundesverkehrsministerium durchgeführt wurde.

Radverkehr mit minimalem Zuwachs

Im Jahr 2017 hatte das Fahrrad als Verkehrsmittel einen Anteil von 11 Prozent am gesamten Verkehrsaufkommen. 2008 lag dieser Wert bei 10 Prozent, das Wachstum in der letzten Dekade war nur minimal. Immerhin: Im Hinblick auf die zurückgelegte Strecke hat der Radverkehr zugelegt. Vor zehn Jahren wurden täglich 88 Millionen Kilometer mit dem Rad zurückgelegt, 2017 waren es schon 112 Millionen Kilometer. Obwohl ein leichter Trend in Richtung Fahrrad (und öffentlicher Personen-Nahverkehr) erkennbar sei, fallen die Veränderungen sehr gering aus, so die Autoren der Studie

Deutsche Bundesländer im Radvergleich

Interessant wird es beim Blick auf die Bundesländer: Den höchsten Radverkehrsanteil haben die Stadtstaaten Bremen (21 %), Berlin (15 %) und Hamburg (15 %). Eindeutiges Schlusslicht ist das Saarland mit nur 2 % Fahrradanteil am gesamten Verkehr. Keine Überraschung also, dass die Fahrradnutzung steigt, je urbaner der Lebensraum ist. In Metropolregionen nutzen 18 % der Befragten hauptsächlich das Fahrrad, doch selbst in Großstädten ist der Anteil der Autofahrer mit 26 % noch deutlich größer.

Der Pkw ist das dominante Verkehrsmittel

Die Studie ergab außerdem, dass in 78 % der deutschen Haushalte mindestens ein funktionstüchtiges Fahrrad vorhanden ist. Hochgerechnet 72 Millionen Fahrräder gibt es in Deutschland, 4 Millionen davon sind Pedelecs mit Elektrounterstützung. Zum Vergleich: In deutschen Haushalten sind 43 Millionen Pkw vorhanden, die trotz offensichtlicher Nachteile immer noch regelmäßig genutzt werden. Der ZIV resümiert: „Das Ziel im Nationalen Radverkehrsplan 2020 ist ein Anteil (…) von fünfzehn Prozent. Wenn es im aktuellen Tempo weitergeht, wird dieses Ziel krachend verfehlt.“

Den Radverkehr lokal fördern

Die Studie zeigt auch, dass die Qualität des Radverkehrs regional stark schwankt: Einige Städte verzeichnen einen Fahrrad-Anteil von 30 Prozent am Gesamtverkehr, andere wiederum verharren im niedrigen einstelligen Bereich. Eine gute Radinfrastruktur vor Ort sei der Schlüssel, den Radverkehr signifikant zu stärken.

Studie „Mobilität in Deutschland 2017“

Die MiD-Studie wurde nach 2002 und 2008 zum dritten Mal vom Institut für angewandte Sozialwissenschaft durchgeführt. Von Mai 2016 bis September 2017 wurden in Deutschland 316.361 Personen zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt