Verkehrsbrennpunkt Hamburg Alster

Was bringen die neuen Baumaßnahmen für Radfahrer und Fußgänger?

An der Kreuzung Neuer Jungfernstieg und Alsterglacis kam es immer wieder zu Problemen zwischen Radfahrern und Fußgängern. Der Hamburger Senat hat reagiert und neue Rad- und Fußwege geschaffen. BIKE BILD hat den Praxis-Check gemacht.

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Kein Einzelfall: Neu geschaffene Radwege werden zunächst übersehen.

Der Hamburger Senat versucht der Forderung nach besseren und sicheren Radwegen für Radfahrer nachzukommen. So wurden zuletzt die beiden Kreuzungen des westlichen Doppelknoten Neuer Jungfernstieg zwischen Binnen- und Außenalster für den Fuß- und Radverkehr ausgebaut und am 14. Juni sogar früher als geplant fertiggestellt. Der Plan sollte sein, die Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern an diesem stark frequentierten Verkehrsknoten zu verringern. „Damit ist auch ein wichtiger Lückenschluss auf den Velorouten 3 und 4 hergestellt“, sagt die Hamburger Verkehrsbehörde.
Zuvor musste der Radverkehr an dieser Kreuzung in Richtung Außenalster absteigen, da dort kein Radweg vorhanden war. Doch viele Radfahrer missachteten die Regel. In der Praxis haben sich Fuß- und Radverkehr oft einen ungefähr 1,5 Meter breiten Weg geteilt, was zu Konflikten und Unfällen führte.

Der Fußgänger benutzt den Radweg, weil er den Fußweg übersieht.

Der Praxis-Check von BIKE BILD

Auf den ersten Blick fällt auf, dass die Gruppe der Radfahrer neue, breitere und rot gekennzeichnete Wege bekommen hat. Der Radverkehr muss nicht mehr mit dem Fußverkehr durch den schmalen östlichen Tunnel, sondern wird alleinig durch den westlichen Tunnel umgelenkt. Laut Senat wurden zwar Ampelphasen verkürzt. Allerdings verliert man als Radfahrer immer noch viel Zeit, da es sich hier um eine sehr große und komplizierte Doppelkreuzung handelt. Es gibt Phasen, wo es durchaus möglich ist, in einem Schwung durchzufahren, aber genauso gibt es auch Phasen, konnten wir beobachten, wo man trotz zunächst grüner Ampel durch eine folgende rote ausgebremst wird.
Zusätzlich haben wir uns bei Passanten und Radfahrern vor Ort umgehört und sie nach ihrer Meinung zu der Renovierung der Doppelkreuzung befragt. Die häufigste Antwort war, dass die neue Kreuzung verwirrend und unübersichtlich sei. Die Radfahrer berichteten uns, dass sie an manchen Stellen oft nicht wissen, ob die Durchfahrt erlaubt oder gar sicher sei. Zudem wurde uns von einigen Radfahrern erzählt, dass viele Fußgänger den Fahrradweg zur Überquerung der Kreuzung nutzen, obwohl die Wege für den Fuß- und Radverkehr an den meisten Stellen voneinander getrennt wurden. Das Problem: Viele Fußgänger übersehen mit der neuen Trennung von Rad- und Fußweg ihre eigenen Wege und nehmen aus Gewohnheit daher den Radweg.

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Fazit

Trotz aller Kritik freut sich ein Teil der Radfahrer über die neuen Radwege, weil hierdurch Rechts- und Verkehrssicherheit geschaffen wurden. Auch viele Fußgänger, die die Kreuzung schon länger kennen, äußern sich positiv über die neue Trennung von Rad- und Fußweg. Unser Eindruck: Die Radwegführung und die der Fußgänger ist zunächst einmal ein gutes Stück komplizierter geworden und bedarf einer längeren Eingewöhnungs- und Lernphase beider Parteien. Wenn sich indes alle an die neue Situation gewöhnt haben, sehen wir gute Chancen für einen friedvolleren Verkehr an diesem Hamburger Brennpunkt.
Text: Nick Oehler