Teilnahme am Straßenverkehr

Sind selbst gebaute Fahrräder im Verkehr zulässig?

Selbst gebaute Fahrräder ziehen Blicke auf sich – aber sind die Fahrradeigenbauten auch im Straßenverkehr zugelassen? Wir haben diese Frage einem Fachanwalt für Verkehrsrecht vorgelegt.

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Illustration von Anna-Sophia Bubenzer

Zwei Meter hoch, aus einem Einkaufswagen zusammengeschweißt oder komplett aus Holz konstruiert: Exotische Fahrradeigenbauten ziehen im Straßenverkehr nicht nur die Blicke von Bikern auf sich. In Workshops oder in der heimischen Garage setzen Tüftler teils geniale, teils einfach nur verrückte Ideen um. So entstehen Vehikel, mit denen Frankenstein stilecht durch die Straßen pedalieren könnte. Vom kunstvollen Shopper über waghalsige Tallbikes bis zum mehrrädrigen Lastenschlepper setzen nur physikalische Gesetze der Fantasie ihre Grenzen – und die Straßenverkehrszulassungsordnung. „Ein Fahrrad, mit dem im Verkehr teilgenommen werden darf, muss lediglich die Vorgaben der StVZO erfüllen“, sagt Dennis Dietel, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Berlin. Das bedeute, es müsse leicht lenkbar sowie mit Klingel, Licht, Reifenreflektion und zwei unabhängigen Bremsen ausgestattet sein.

Selbst gebaute Fahrräder müssen nicht durch einen Sachverständigen abgenommen werden

Darüber hinausgehende Regelungen gebe es nicht. Auch müsse ein selbst konstruiertes Fahrrad, das durch Muskelkraft oder einen unterstützenden Motor bis 25 km/h betrieben wird, nicht durch einen Sachverständigen abgenommen werden, etwa durch den TÜV. Trotzdem: „Im Falle eines Unfalls kann ein Eigenbau zu einer weitergehenden Haftung führen, wenn eine zusätzliche Gefahr für den Nutzer oder Dritte besteht“, so Dennis Dietel. Hat das Gefährt etwa scharfe Kanten, und andere Verkehrsteilnehmer verletzen sich daran, könne der Erbauer dafür gegebenenfalls haftbar gemacht werden.
Herkömmliche Hersteller halten sich bei der Produktion von Komponenten daher an bestimmte DIN-Normen – um auf der sicheren Seite zu sein, wenn etwa der Rahmen bricht. „Das Einhalten dieser Normen ist jedoch nicht verpflichtend“, so der Anwalt. Vorsicht sei geboten, wenn die Selbstkonstruktion nicht gerade zierlich ausfällt. Ist sie im Extremfall sogar breiter als der Radweg, kann es zu einer Gefährdung anderer Radfahrer und Fußgänger kommen. Ansonsten gilt: Schweißgerät anschmeißen und die Straße bunter machen!

Verkehrssicherheit des Fahrrads: Diese Regel ist Gesetz

Damit ein Fahrrad verkehrssicher ist, muss es nach der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) mit einer helltönenden Klingel (§ 64a), zwei voneinander unabhängigen Bremsen (§ 65), Reflektoren, einer funktionierenden Lichtanlage (§ 67) und zwei rutschfesten und fest verschraubten Pedalen mit Rückstrahlern ausgestattet sein.

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