Robust und zuverlässig

Pirelli Cinturato Gravel M und Cinturato Velo im Test

Der italienische Reifenhersteller Pirelli greift im Sportfahrradsegment an. Wir haben Straßen- und Gravelreifen der Cinturato-Serie sowie TPU-Schläuche von Pirelli getestet.

Datum:

Die Cinturato Gravel M von Pirelli hielten im Test nicht nur dicht, sondern sorgten auch für viel Sicherheit und Grip im Gelände.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Pannensicher, luftdicht, griffig: Der Cinturato Gravel M von Pirelli bringt alles mit, was man von einem geländeorientierten Gravelreifen erwartet.

Pro

  • viel Grip im Gelände
  • einfache Montage
  • wenig Luftverlust
  • guter Pannenschutz

Kontra

  • kein Rennmaterial
  • relativ hart

Pirelli Cinturato Gravel M

Pirellis Cinturato-Fahrradreifen versprechen Sicherheit und Grip für Gravelbikes und Rennräder. BIKE-BILD-Redakteur Lennart Klocke hat die Reifenmodelle Cinturato Gravel M in 35 Millimeter Breite und Cinturato Velo in 28 Millimeter Breite sowie die TPU-Schläuche Cinturato Smartube getestet.
Cinturato (ital. Gürtel) steht bei Pirelli für Zuverlässigkeit. Reifen und Schläuche der Cinturato-Serie sollen besonders sicher, griffig und pannenresistent sein. Der italienische Reifenhersteller, bekannt aus dem Automobilsektor und dem Motorsport, möchte seine Position auf dem Fahrradmarkt stärken. Pirelli hat uns Straßen- und Gravelreifen sowie TPU-Schläuche zum Testen zur Verfügung gestellt. Mich hat vor allem die Frage bewegt: Können die auf dem Markt recht neuen Italiener mit den starken, deutschen Reifenherstellern mithalten?

Gravelreifen im Test: Pirelli Cinturato Gravel M, 35 Millimeter

Die Cinturato Gravel M laufen bei mir auf einer 19er-Alu-Felge.

Pirellis Gravelreifen haben wir in 35 Millimetern zum Testen bekommen, zusätzlich konnte ich das Modell am neuen Rose Backroad+ in 45 Millimeter Breite fahren. Die Cinturato Gravel gibt es bei Pirelli in zwei Varianten: H (Hardpack; fester Untergrund) und M (Mixed Terrain; gemischter Untergrund). Mein Testreifen der M-Serie (UVP: 60 Euro) zeichnet sich durch sehr grobe Stollen aus, die in einer Art schrägem Traktorprofil angeordnet sind. Eine durchgehend glatte Lauffläche in der Mitte gibt es nicht. Ganz klar: Der Pirelli Cinturato Gravel M ist für grobes Gelände ausgelegt, in der 35-Millimeter-Ausführung erinnert der Reifen stark an ein Cyclocross-Modell; wenig Breite, viel Profil.
Die Montage der Cinturato Gravel auf einer Alu-Felge mit 19 Millimeter Innendurchmesser verlief äußerst erfreulich: Nur ein kurzes Nachhelfen mit einem Reifenheber war nötig und das auch ohne großen Kraftaufwand – fertig. Laut Hersteller laufen die Reifen am besten in Kombination mit 21er-Felgen, schmaler geht jedoch auch. Tubeless ist im Gravelbereich zurecht der Standard, deswegen laufen auch die Cinturatos bei mir schlauchlos. Hier der erste Pluspunkt: Die Pirellis halten so gut dicht wie wenig andere Reifen. Mit 50 Milliliter Dichtmilch war ich zwar auch recht großzügig – viel hilft viel – dennoch empfinde ich es als äußerst angenehm, nicht alle drei Tage den Druck checken zu müssen.

Das Profil der Cinturato Gravel M im Detail: grobe Stollen, keine glatte Lauffläche

Der zweite Pluspunkt folgt sogleich: Die Cinturatos erwiesen sich im gesamten Testablauf als sehr resistent gegen Durchstiche und -schläge. Im Zuge des Tests wurden sie zum Pendeln genutzt, fuhren eine 200-Kilometer-Graveltour und nahmen an einem Cyclocross-Rennen teil. Probleme: keine!
Dennoch würde ich nicht sagen, dass die Gravel Cinturato M von Pirelli nur Vorteile haben: Aufgrund des groben Profils bewegt man auch viel Gummi, 450 Gramm bringt der Reifen selbst in der 35-Millimeter-Version auf die Waage. Dazu gibt es leichtere und leichtlaufendere Alternativen. Für die Straße oder Parkwege wirken die Cinturato M zu grob, hier dürfte man mit der Hardpack-Version besser bedient sein.

Lesen Sie auch: Gravelbikes im Test

Meine Empfehlung: Wer viel Grip im Gelände und Zuverlässigkeit braucht, macht mit den Cinturato Gravel M von Pirelli nichts falsch. Den nötigen Platz im Rahmen verausgesetzt, darf man auch gern zu einer breiteren Variante greifen, die 35-Millimeter-Ausführung empfand ich persönlich für einen Gravelreifen als recht hart.

Rennradreifen im Test: Pirelli Cinturato Velo in 28 Millimeter

Der Cinturato Velo ist Pirellis Slick-Reifen für Rennrad und Touren, das Modell wird in Breiten von 24 bis 35 Millimeter angeboten. Ich habe auf herbstlichen Rennradtouren den Cinturato Velo (UVP: 60 Euro) in 28er-Breite getestet (Gewicht: 346 Gramm). Auch hier verspricht Pirelli maximale Widerstandsfähigkeit, der Cinturato Velo ist mitnichten der schnellste Straßenreifen, dafür soll er mit Steinchen, Scherben und Nässe fertigwerden.

Die Cinturato-Straßenreifen bietet Pirelli in Breiten von 24 bis 35 Millimeter an. Prominente Mitbewerber sind Schwalbes Durano-Dauerläufer oder der beliebte 4-Seasons-Reifen von Continental.

Lieber die schnellen Reifen? Lesen Sie auch: Pirelli P Zero Road im Test

Die Musterreifen habe ich auf eine Felge mit 20 Millimeter Innenweite aufgezogen. Mehr wäre laut Pirelli auch nicht erlaubt gewesen, der Hersteller hat den Reifen nicht für Felgen mit 21er-Maulweite und mehr freigegeben. Somit kommen moderne Laufradsätze wie die beliebten Zipp 303S für Pirellis Cinturato-Reifen nicht infrage. Auch bei den Straßenreifen verlief die Tubeless-Montage im besten Sinne unspektakulär. Und genau wie bei den Gravel-Pendants hielten auch die Cinturato Velo ordentlich dicht.

Breiter als meine Hunt-Felge mit 20 Millimeter Maulweite darf es für die Cinturato Velo (offiziell) nicht sein.

Mein Test umfasste Rennradtouren bei Nässe und Trockenheit, kurze Abschnitte über geschotterte Parkwege sowie zwangsläufige Abstecher über laubbedeckte Radwege, gut 500 Kilometer kamen so im Herbst zusammen. Auch hier das Fazit, im besten Sinne unspektakulär: keinerlei Probleme.

E-Rennräder im BIKE-BILD-Test

Auch wenn die Cinturato Velo bei keinem Rollwiderstandstest ganz vorn landen würden: Subjektiv sind sie auf der Straße auch kein Klotz am Bein beziehungsweise Rad. Mit einem Luftdruck zwischen vier und fünf bar bin ich am besten gefahren, bei Nässe und viel Laub auf den Straßen würde ich mich eher am unteren Ende der Skala orientieren.

Der Marketing-Text verspricht: "Die Armor Tech Konstruktion kombiniert eine Schicht aus hochdichtem Nylon, die von Wulst zu Wulst reicht, mit einer weiteren Textilschicht und Partikeln aus Aramidfasern, die in der Laufflächenmischung dispergiert sind, wodurch ein Reifen mit einem nie zuvor erreichten Pannenschutz entsteht."

Mein Fazit: Ein echter Ganzjahresreifen. Man muss nicht dauernd nachpumpen und fährt dank Pannenschutz und Tubelesstechnologie weitestgehend sorgenfrei. Der Rollwiderstand geht angesichts der Panzerung völlig in Ordnung. Selbst wenn ich im Sommer die Race-Reifen aufziehe; für die Zeit von Oktober bis Mai sind die Pirelli Cinturato Velo in 28er-Breite am Rennrad eine echte Empfehlung.

TPU-Schläuche im Test: Pirelli Cinturato Smartube

Spätestens seit Schwalbe die Aerothan-Serie präsentiert hat, sind Fahrradschläuche aus TPU (thermoplastisches Polyurethan) eine (teure) Alternative zum schwarzen Gummischlauch. Auch Pirelli bietet drei Modelle an: P Zero Smartube (Rennrad), Cinturato Smartube (Gravel und Tour) und Scorpion Smartube (Mountainbike). Ich habe die Cinturato Smartube für die Reifenbreiten 28 bis 35 Millimeter (Gewicht: 67 Gramm) am Rennrad und Cyclocrossrad getestet.

Die Smartube-Schläuche von Pirelli sind für Rennräder, Gravelbikes und Mountainbikes und alle gängigen Reifenbreiten erhältlich.

Praktischerweise kommen die TPU-Schläuche mit 60-Millimeter-Ventilen; so passen sie auch ohne Ventilverlängerung in meine Hochprofilfelgen. Der erste Vorteil gegenüber dem Hauptmitbewerber Schwalbe, der nur Schläuche mit 40er-Ventilen anbietet. Bei der Montage von TPU-Schläuchen wird zwar generell zur Vorsicht geraten, Angst haben muss man indes nicht: Den Schlauch zwei bis drei Mal in Form pumpen und dann zwischen Felge und Mantel setzen. Checken, dass nichts eingeklemmt ist, Mantel aufziehen, aufpumpen, fertig.
Die TPU-Schläuche halten die Luft fast so gut wie Butyl-Schläuche. Alle zwei Wochen sollte man mal den Luftdruck checken, mehr ist nicht nötig. Zunächst habe ich die Cinturato Smartube am Rennrad mit 28er-Reifen getestet. Ich kann von keinen Pannen berichten, auch gab es keine spontanen Druckverluste, wie man es von TPU-Schläuchen immer wieder hört und liest. Das Fahrgefühl ist mit dem von Butyl-Schläuchen vergleichbar, im Blindtest würde ich, das gebe ich gern zu, keinen Unterschied spüren.
Nach dem Rennradsommer wollte ich die Schläuche etwas mehr fordern und baute sie in meinen Cyclocrosser mit 33er-Reifen ein. Hier wollte ich sie eigentlich im Rennen auf Herz und Nieren testen – doch so weit kam es gar nicht erst. Schon bei der Generalprobe vor dem Rennen holte ich einen Durchschlag und musste den Reifen wieder rausnehmen.

Pirelli (gelb) und Tubolito (orange): Ich lehne mich mal etwas aus dem Fenster und vermute, beide Marken werden unter dem gleichen Dach hergestellt.

TPU-Schläuche: Rennrad ja, Gravelbike nein

Mein Fazit zu den Cinturato Smartubes von Pirelli deckt sich mit meiner Empfehlung zu TPU-Schläuchen generell: Am Rennrad eine tolle Sache, im Gelände kein Gewinn. Bislang konnte kein TPU-Schlauch, egal ob Schwalbe Aerothan, Tubolito oder jetzt Pirelli Smartube, im Gelände über mehrere Monate dichthalten. Durchschläge oder Steinchen sorgten dafür, dass ich die teuren Plastikschläuche schon bald reparieren oder entsorgen musste. Immerhin können sie recycelt werden. Kein TPU-Schlauch-Hersteller konnte bislang das Versprechen von zusätzlichem Pannenschutz halten – für die Pannensicherheit ist nach meiner Erfahrung nach wie vor der Mantel zuständig.

Pirelli Cinturato: Alternative zu Schwalbe, Conti und Co.?

Zurück zu meiner Ausgangsfrage: Sind die getesteten Reifen von Pirelli eine Alternative zu den beliebten Produkten aus Deutschland, zum Beispiel der G-One-Serie von Schwalbe oder Continentals Grand-Prix-Straßenreifen? Ich finde, die Italiener können mithalten. Die Modelle aus meinem Test werden, zumindest was die Zuverlässigkeit angeht, den hohen Versprechen des Herstellers gerecht. Ich werde beide Cinturato-Reifen noch weiterfahren, einfach weil ich mir mit den Pneus wenig Sorgen um Pannen machen muss. Preislich liegen die Cinturato Gravel zum Beispiel mit G-One-Reifen ungefähr gleichauf: 60 Euro UVP, rund 45 Euro Straßenpreis.

Pirelli Cinturato Gravel M

Lennart Klocke

von Lennart Klocke

Zwei schmale Reifen, ein tiefer Lenker und eine freie Landstraße: Mehr braucht Lennart Klocke nicht zum Glücklichsein. Als BIKE BILD-Autor testet der Rennrad-Fan am liebsten neues Equipment und Fahrrad-Gadgets.